Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1889)
- Date
- 1889-08-08
- Page
- Seite 507 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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56? Einnahmen der Militärverwaltung aus dem Verlaufe von entbehrlichen und unbrauchbaren Materialien und Utensilien" nicht der Militärkasse, und damit in gewisser Hinsicht dem Reichsetat, zufließen, sondern der k. bayer. Centralstaatskasse. Die Bemühungen Frankenburgers brachten dem bayerischen Staate bislang (seit ca. 13 Jahren) alljährlich je 3—500000 Mark heim; 1888 89 sind je 343000 Mk. etatisirt. Jahrelang war auch Frankenburger Referent zu dem Etat des k. Hauses, des Ministeriums des k. Hauses und des Aeußern. In erster Richtung referirte der Verlebte stets mit größter Noblesse, dem entsprechend war auch sein Verhalten vor 3 Jahren. Obwohl persönlich ein Gegner der bayer. Gesandtschaften im Auslande, war er doch dafür, daß eine einmal bestehende Institution würdig dotirt sei. Seine große Opferwilligkeit und Uneigennützigkeit wurde bereits hervorgehoben. Es ist gewiß höchsten vaterländischen Dankes Werth, wenn ein Mann von Frankenburgers Bedeutung sich alljährlich mindestens 3—4 Monate in München dem Baterlande opferte, zu gewissen Zeiten auch Nürnberg in Berlin vertrat, außerdem im Nürnberger Rathhause die wichtigsten Rechtsreferate übernahm. Denn welche pekuniäre Vortheile hätten einem Frankenburger in der Advokatur geblüht, während er es vorzog, bei einem standesgemäßen Auftreten in München weit über den Diätenbetrag zu verbrauchen, Vor- und Nachmittags in den Sitzungen (Ausschuß- oder Plenar-) zu erscheinen, zu referiren, oder zu debattiren und des Abends des Oefteren noch Referats- und Korreferatsarbeiten zu fertigen! Im Gegensätze zu anderen Abgeordneten anderer politischer Richtung „erstrebte" er nichts in den Ministerien, so innig befreundet er z. B. mit dem verlebten Justizminister vr. v. Fäustle war. Seine Toleranz gegenüber dem Gegner ist bekannt; als vr. Sigl 1885 vergeblich die Gnade der Krone anrief (Prozeß Maillinger-Sigl, welcher Sigl 9 Monate Zellengefängniß kostete), legte sich Frankenburger für ihn ins Zeug — und mit Erfolg, wie im „Vaterland" zu lesen war. Bayern hat am Morgen des 17. ds. einen seiner besten Söhne verloren!" Jerusalem als Anfangsmeridian. Bekanntlich ist man bei Bestimmung der Breiten auf der Erde nicht einig. Die Einen zählen nach dem Anfangsmeridian von Greenwich, die anderen von Paris, die Dritten von der Insel Ferro. Seit längerer Zeit verhandelt man über die einheitliche Bestimmung eines solchen Meridians. Und nun berichtet man: Der internationale geographische Kongreß tritt im nächsten Monat in Paris zusammen. Ec wird das Problem der Auffindung eines allgemeinen internationalen Anfangs¬ oder Nullmeridians wiederum zu lösen versuchen. Der Umstand, daß verschiedene Kulturvölker einen eigenen, meist ihr Gebiet durchschneidenden Meridian als Anfang der geographischen Berechnung annehmen, hat zu vielen Unzuträglichkeiten geführt und man hat schon wiederholt versucht, sich über einen gemeinsamen Ausgangsmeridian zu einigen, so zuletzt 1884 auf der Washingtoner Konferenz, aber vergeblich. Es ist der Vorschlag viel berathen worden, den Nullmeridian auf das Meer zu verlegen, als das eigentlich internationalste Gebiet, und der Meridian der Behringstraße hatte einige Zeit Aussicht, dazu ausersehen zu werden. Aber bald erkannte man die Unbrauchbarkeit aller ozeanischen Meridiane, da man für den Nullmeridian einen festen Punkt haben muß, dessen Lage man im Vergleiche zu anderen Punkten jederzeit controliren kann. Aber wo einen Punkt finden, von dem man sagen kann, daß er kein einziges Nationalgefühl verletzte? Ein Franzose, de Laharpe, glaubt diese Entdeckung gemacht zu haben, und die Akademie der Wissenschaften in Bologna nahm sich seines Vorschlages an: Jerusalem, welches bei den mittelalterlichen Geographen als der Mittelpunkt der Erde galt, soll wieder zu einer hervorragenden Rolle berufen werden. Prof. vr. Supau veröffentlicht in „Petermanus Mittheilungen" eine Studie darüber und sagt Folgendes: „Kein Zweifel, daß die Wahl von Jerusalem viel für sich hat. Kein Volk, nicht einmal die Engländer, dürste gegen diesen, allen Monotheisten heiligen Ort etwas einzuwenden haben, die Türkei fühlt sich durch diese Wahl sogar geschmeichelt. Sollte die Frage in Paris zum Abschlüsse kommen, so könnte am 1. Januar 1890 die neue Weltzeit eingeführt werden. Doch ist merkwürdigerweise die geographische Lage Jerusalems noch nicht genau bestimmt. Nach den beiden neuesten Beobachtungen ist die Lage von Jerusalem noch immer bis auf einen halben Kilometer unsicher. Die Inden im ungarischen Abgeordnelenhanse. (Fortsetzung.) 8. Arthur Jrllinek, am 16. März 1852 in Pest geboren, ist der Sohn des verstorbenen Straßenbahn-Direktors Moritz Jellinek und ein Neffe des Wiener Predigers ve. Adolf Jellinek. Er absolvirte seine Gymnasial- und Universitäts-Studien in Pest und Wien und ließ sich 1876 als Advokat in seiner Geburtsstadt nieder. Jellinek, der auf rechtswissenschaftlichem Gebiete literarisch thätig ist, erlangte im Jahre 1887 ein Abgeordnetenmandat.