Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1889)
- Date
- 1889-08-08
- Page
- Seite 505 (sequence 13)
- Language
- German
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505 Mitwelt gegeben, es wirkt belebend und erhebend auf die Nachwelt. Und so möge das Vorbild des Verklärten zur Nacheiferung uns anregen, daß wir unsere besten Kräfte in den Dienst des Vaterlandes, in den Dienst der allumfassenden Nächstenliebe, in den Dienst alles Guten und Edlen stellen, daß wir für das von uns als recht und wahr Erkannte eintreten mit aller Macht der Überzeugung, ohne jemals zu wanken. Dann ehren wir am Angemessensten das Andenken des Verklärten, daun zeigen wir, daß wir seiner würdig gewesen, dann wird Segen von seinem Grabeshügel für uns ersprießen, dann wird sein Andenken an uns zum Segen sein. Amen! Herr I. Bürgermeister Frhr. v. Stromer übergab darauf den prachtvollen Kranz des Prinzregenten mit ungefähr folgenden Worten: Se. kgl. Hoheit unser Prinzregent Luitpold haben aüergnädigst zu bestimmen geruht, daß ich im Namen Allerhöchstdesselben einen Kranz an diesem Grabe niederlegen soll. Diese Thatsache allein überhebt mich der Aufgabe, all die vielen und hohen Verdienste unseres verstorbenen Mitbürgers und Vertreters zu schildern. Der allergnädigste Spender des Kranzes steht an der Stelle, wo er berufen ist, nur wahres Verdienst zu ehren und zu lohnen. Ich bin stolz darauf, mit diesem allerhöchsten Aufträge betraut worden zu sein, unseren edlen Verstorbenen noch in dieser Weise ehren zu können. Hr. Landtagsabgeordneter Oberlandesgerichtsrath Geiger von München (Mitglied der patriotischen Partei, I. Schriftführer der Abgeordnetenkammer) brachte mit kurzen Worten Namens des Tirectoriums der Abgeordnetenkammer einen herrlichen Kranz. Ihm folgte Hr. Laudtagsabgeordneter Di-, v. Schauß aus München, der Namens der Vereinigten Linken der Abgeordnetenkammer dem Verstorbenen die letzte Anerkennung in Gestalt eines prachtvollen Lorberkranzes mit folgenden Worten überbrachte: Der unerbittliche Tod hat uns eine schmerzliche Lücke gerissen, die uns nur zu lange fühlbar bleiben wird. Die Kammer hat einen treuen und unermüdeten Arbeiter verloren, der seit 20 Jahren warm für des Volkes Wohl, Rechte und Freiheiten gearbeitet und gekämpft hat und der nicht leicht zu ersetzen sein wird. Scharfsinnig war sein Urtheil, weich sein Wesen, ein milder und gerechter Sinn auch gegen Andersdenkende zeichnete ihn aus. Er hinterläßt uns die schwere Sorge, ob er je wieder j ersetzt werden könne. Lebe wohl, treuer Freund, möge der! Friede, den Du jetzt gefunden hast, Dein Lohn sein für bie' vielen ruhelosen Tage und Stunden, die Du im Dienste des Volkes und Vaterlandes durchgekämpft hast! j Nun trat Herr II. Bürgermeister v. Seiler vor, um' Namens der Bürgerschaft und des Magistrats Nürnberg dem! verdienten Mitbürger Worte des Dankes nachzurufen: Der! Verstorbene hat sich um die Stadt hoch verdient gemacht; es gab kaum eine wichtige Angelegenheit, wo er nicht mit Rath und That mitgewirkt hat. Einfach, schlicht und gerade war sein Wesen; er war ein treuer Rathgeber und Fürsprecher der Aermsten und Geringsten; mit Hingebung und Opfern hat er zum Wohle unserer Stadt nicht nur, sondern auch des ganzen Vaterlandes gewirkt. Eine lautere deutsche Gesinnung hat er im Herzen getragen, und darum möge er bei uns stets in treuem Andenken bleiben. Der Vorstand des Gemeindekollegiums, Herr Kommerzien> rath Stief, brachte, eine Kranzspende Namens des Gemeindekollegiums dar und sprach dabei ungefähr Folgendes.- Kaum sind wenig Monde verflossen, seitdem wir unfern Erhard bestattet haben, und heute stehen wir schon wieder schmerzerfüttt an der Bahre unseres Frankenburger, der 20 Jahre dem Kollegium angehört hat. Wir waren alle Zeugen seiner Hingabe und Aufopferungsfähigkeit für die gemeindlichen Interessen. Es thut wehe, wenn ein so bedeutender Mann mit so hervorragendem Wissen und glänzender Beredtsamkeit aus unserer Mitte gerissen wird. Er war nimmer verdrossen, wenn er auch statt Liebe häufig Undank erntete. Die Treue war die Signatur seines ganzen Wesens, er war treu der Stadt, treu dem Vaterlande. Wollen wir deßhalb auch treu seinem Beispiele in seinem Geiste fortarbeiten! Herr Justizrath v. Praun widmete dem Kollegen warme Abschiedsworte unter Niederlegung eines Kranzes Namens der Anwälte hiesiger Stadt und der Anwaltskammer des Oberlandesgerichtsbezirkes Nürnberg. Wir hatten, sagte er, täglich Gelegenheit, seine Vorzüge kennen zu lernen. Seine umfassenden Rechtskenntnisse, sein unerschrockenes Auftreten, seine glänzende Rednergabe stempelten ihn zu einem der ersten Anwälte Deutschlands. Aber nicht allein diese geistigen Eigenschaften, sondern auch die des Herzens und Charakters machten ihn zur Zierde unseres Standes. Mit großem Danke erinnern wir uns daran, daß er Mitbegründer und Vorstandsmitglied des bayerischen Anwaltsvereins war; als langjähriger Rechner desselben hat er zahllose Thränen armer Wittwen und Waisen getrocknet. Noch an den letzen Sitzungen der Anwaltskammer hat er mit der ihm eigenen Lebhaftigkeit theilgenommen, und so hat ihn denn der Tod mitten aus der Arbeit herausgeholt. Herr Reichstags- und Landtagsabgeordneter Freiherr v. Stauffenberg sprach unter Darreichung eines prächtigen Lorbeers dem Freunde und Mitkämpfer Namens der Freisinnigen Partei in Bayern rührende Abschiedsworte ungefähr folgenden Inhalts: In ihm verliert die Freisinnige Partei einen Führer im vollsten Sinne. Er war seinen Freunden ein treuer Mitkämpfer. Seine Pflichttreue in allen den verschiedenen Zweigen seiner Thätigkeit, sein unerschütterlicher Gerechtigkeitssinn machten ihn auch bei Gegnern beliebt und