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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-08-08 · Heft 32 (8.8.1889) · p. Seite 502

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 32 (8.8.1889)
Date
1889-08-08
Page
Seite 502 (sequence 10)
Language
German
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502 Herr cand. med. Asher, nachdem er vorausgeschickt hatte, daß er die Anschaffung selbst nicht bekämpfen wolle, ungefähr mit folgenden Worten: Der Schriftleiter und die Mitarbeiter der „A. C." machten sich die Unkenntniß der eben vom Gymnasium entlassenen Studenten schlau zu Nutze, indem sie denselben u. A. die Ziele der Alliance Jsraslite verdächtigen und vom Blutritus vorschwatzen. Sie wüßten auch ganz gut, daß sie in dem Augenblicke, wo sie ihre Behauptungen niederschrieben, die Unwahrheit sagten; also wissentlich und mit Vorbedacht sich derselben schuldig machten. Selbstverständlich können die Fritsch, Liebermann und Genossen den Beweis für ihre kühnen Behauptungen nicht erbringen, schon deshalb nicht, weil sie die Wirksamkeit der All. Jsr. und den Talmud wohl gar nicht kennen, jene also nur erfunden, d. h. auf Deutsch erlogen haben. Der Antrag auf Anschaffung der „A. C." wurde mit 81 gegen 18 Stimmen angenommen. Diese Zahlen bedürfen jedoch einiger Erläuierung. Die Acad. Lesehalle hat ca. 600 Mitglieder. Von diesen waren etwa 100 zugegen. Die Hälfte der Anwesenden gehörte, wie immer, dem Vereine Deutscher Studenten an. Diese Jünglinge stimmen auf Commando selbstverständlich der Anschaffung jeder judenhetzerischen Zeitung zu. Außerdem stimmten dafür einige unabhängige (nicht dem V. D. St. angehörende) Judenhasser, die übrigen waren unparteiisch denkende Studenten. Nun aber zu dem Hauptpunkt der Sache. In der Nummer der „A. C.", welche »ach dieser Generalversammlung erschien, stand etwa folgender Bericht: „In der Generalversammlung der Acad. Lesehalle wurde die „A. C." mit 81 gegen 18 Stimmen angenommen, nachdem ein Herr Asher .den Geist des zu Ende gehenden 19. Jahrhunderts ins Treffen geführt hatte'. Ja, ja, mit dem Geist des 19. Jahrhunderts geht es eben zu Ende." Natürlich, gelogen wie gedruckt. Damit nun die Fritsch und Genossen genau erfahren sollten, was Hr. Asher gesagt hatte, schickte er ihnen eine Berichtigung zu, in der seine oben erwähnten wirklichen Worte angegeben waren. Den Anstand, Unwahrheiten zu berichtigen, konnte man einem solchen Blatte von vornherein nicht zutrauen; vielmehr müßte man das Schweigen bewundern, mit dem es sich die Wahrheit ins Gesicht sagen läßt, wenn nicht, wie oben erwähnt, es die Vorsicht geboten hätte. Der Berichterstatter der „A. C." ist, wie wir wohl kaum hinzuzufügen brauchen, ein uns bekannter Herr aus dem V. D. St. W. F. Oesterreich-Ungarn. Wien, 23. Juli. Auch hier sind die Antisemiten und Nltramontanen unter sich lange nicht so einig, wie sie es glauben machen möchten. Es sind da häufig persönliche Interessen vorhanden, die einander widerstreiten. „Das „Deutsche Bolksblatt" lebt in Ermangelung positiven Wissens nur vom Krakehl!" Und „wer Schmutz angreift, besudelt sich!" Mit diesen Bemerkungen wird das antisemitische „Deutsche Volksblatt" von dem gleichfalls ultraklerikalen, feudalen und auch antisemitischen „Vaterland" gekennzeichnet! Das „Vaterland" war nämlich von der edlen Compagnie mit dürren Worten beschuldigt, ein — Judenblatt zu sein! Unter den Schimpfwörtern, welche das „Vaterland" auszutheilen beliebt, ist „Judenblatt" für dasselbe das beliebteste — nun muß es sich selbst damit belobt sehen. Wien, 24. Juli. (Privatmitth.) In der Volksschule II Czerningasse ist die Stelle eines Oberlehrers zu besetzen, und da die Mehrzahl der Schüler der israel. Confession angehört, so wird nach der Schulnovelle vom Jahre 1885 ein Israelit als Oberlehrer bestallt werden. Es bewährt sich auch hier das Wort: njn 'by oretm anro; da sonst in der jetzigen Zeit wohl kein Jude als Oberlehrer an einer städtischen Volksschule angestellt worden wäre. Wie alljährlich, fanden Heuer am Schluffe des Schuljahres Besetzungen von Lehrerstellen an den hiesigen Volks¬ und Bürgenschulen statt und es wurden auch mehrere Juden angestellt. Der städtische Lehrer Krautmann, ein wüthender Antisemit und Deutschnationaler von reinstem Wasser, der in der letzten Zeit Schönerer's „Unverfälschte deutsche Worte" redigirte, erhielt die Weisung, entweder das Lehramt aufzugeben oder der politischen Thätigkeit zu entsagen. Leider entschied er sich für das Lehramt. Wien, im Juli. Zu unserem Bedauern hören wir, daß sich auch die österreichische Regierung mit dem Baron Hirsch über die Bedingungen, die er für seine Schenkung von 10 Millionen Frank zur Errichtung und Unterhaltung jüdischer Schulen in Galizien, bis jetzt nicht geeinigt hat. Wir hoffen jedoch, daß sich eine Verständigung werde finden lassen. Italien. Verona, im Juli. In den letzten Tagen erhielten, wie der „N. F. P." geschrieben wird, zahlreiche Gemeindevorstehungen unserer Provinz ein Packet, als dessen Inhalt „Schriften" bezeichnet waren und auf welches der Betrag von 3 Lire 65 Centesimi mittelst Nachnahme behoben wurde. Die meisten Gemeindevorsteher glaubten, daß es sich um wichtige Dienststücke handle, acceptirten die Sendung und fanden darin zu ihrer größten Ueberraschung 10 Exemplare einer antisemitischen Flugschrift unter dem Titel: „La Piaga Ebrea“ („Die Judenplage"). Als Aufgeber war ein Pr.

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