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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-08-08 · Heft 32 (8.8.1889) · p. Seite 501

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 32 (8.8.1889)
Date
1889-08-08
Page
Seite 501 (sequence 9)
Language
German
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501 Saale der Rosenau seinem verstorbenen Mitglieds, Herrn Landtagsabgeordneten Justizrath Frankenburger, eine letzte Ehrung, wie solche nicht erhebender gedacht werden kann. Auf der Estrade war die Büste Frankenburger's zwischen einem förmlichen Lorbeerwalde aufgestellt. Mit dem von Herrn Hans Barth zur Enthüllung des Denkmals des Herrn Rechtsanwalts Erhard gedichteten Liede: „Der Edle schläft", gesungen von einem aus Mitgliedern verschiedener Gesangvereine gebildeten Chore wurde die Feier eröffnet. Sodann folgte die in Form und Inhalt gleich vortreffliche, von Herrn Chcfredacteur vr. Eberhard gehaltene Gedächtnißrede. Derselbe erinnerte an die Trauer, welche Alle bewegte, die vor einigen Tagen an dem Grabe Frankenburger's standen, schilderte sodann den Lebensgang des Verstorbenen, dessen Jugend, Studienjahre, den Anfang seiner juristischen Praxis und sein rasches Emporsteigen, die Triumphe, welche er als Jurist zu verzeichnen hatte, wie er einmal als junger Concipient den Sieg über den obersten Gerichtshof in München davontrug, seine Thätigkeit als königl. Advocat dahier seit dem Jahre 1861, das Ansehen, welches er als Vertheidiger genoß und die Erfolge, welche er als solcher zu verzeichnen hatte. Uebergehend auf die politische Thätigkeit des Verstorbenen legte Redner dessen Thätigkeit im Landtage, dem er seit 1869 angehörte, dar, ebenso sei» Wirken als Reichstags- Abgeordneter, als welcher er Nürnberg im Reichstage vertrat, wies auf seine Antheilnahme an der Justizgesetzgebung und die ihm hauptsächlich zu dankende Rettung der Schwurgerichte für die Presse in Süddeutschland, sowie auf seine Verdienste um die Stadt, welche er sich als Gemeindebevollmächtigter erwarb, hin. Das Wirken Frankenburger's als einer der bedeutendsten Führer der deutschfreisinnigen Partei widmete Redner eine eingehende Betrachtung und schloß mit dem Wunsche, daß jeder Deutschfreisinnige das Andenken Frankenburger's dadurch ehren möge, daß er dessen Grundsätzen treu bleibe. Mit dem gleichfalls von Herrn Hans Barth eigens zu dieser Feier gedichtetem Liede: „Still steht Dein Herz" schloß der Festact. Würzburg, 25. Juli. (Privatmitth.) Unter den deutschen und österreichischen Studenten hat sich der Antisemitismus so viele und so.rohe Anhänger erworben, daß man es uns nicht verübeln kann, wenn wir hier auf eine amtliche Aeußerung über den jetzt in der Studentenwelt herrschenden Geist aufmerksam machen. Der Amtsanwalt Polizeirath Braunwart hielt kürzlich nach der „N. B. L.-Ztg.", gelegentlich einer Verhandlung vor dem Schöffengericht, eine Rede über die Zunahme der Studenten-Skandale. Er sagte: „Es herrscht jetzt ein eigenthümlicher Geist in der deutschen Studentenwelt. Wir waren auch an der Universität, aber damals wurde von den studentischen Corporationen streng darauf gesehen, daß man über das Maß des erlaubten Scherzes nicht hinausgehe und den Stand der Gebildeten nicht durch Rohheiten blamire. Heute sagen die Studenten zu den Nachtwächtern: „Wir sind die Gebildeten, Ihr seid die Ungebildeten!" Und aus diesem Unterschiede leiten die Gebildeten das Recht ab, die Nachtwächter nicht bloß anzuulken, sondern förmlich anzufallen und als Nachtochsen, Bauernrammel, Sauschneider u. s. w. zu beschimpfen. Die Studenten, die streng auf Ehre halten wollen, sollen doch anderen Leuten nicht die Ehre absprechen. Das ist keine Studentenart mehr! Wegen solchen Benehmens wären früher die Studenten mit Schand und Spott von ihren Verbindungen ausgeschlossen worden u. s. w." Hieraus erklärt sich auch Vieles, was Studenten in Berlin, Breslau, Leipzig, Wien gegen Juden sich Herausnahmen und zu Schulden kommen ließen, ohne irgendwie provocirt zu sein. Es wäre wohl an der Zeit, daß den Herren Studenten durch Woit und That die Leviten gelesen würden, damit es ihnen bewußt werde, daß sie zum Studiren, nicht zum Skandalisiren berufen seien, und daß sie für ihre Streiche nicht unbestraft bleiben werden. Deffau, im Juli. Wie wir seiner Zeit berichteten, wird Hierselbst, als an seinem Geburtsorte, Moses Mendelssohn ein Denkmal errichtet, mit dessen Ausführung der Bildhauer Heinz Hoffmeister gegenwärtig beschäftigt ist. Das Monument soll in den Gartenanlagen am Bahnhof Aufstellung sinden und spätestens im Herbst nächsten Jahres enthüllt werden. Der Entwurf zeigt auf einem gefälligen Grundriß Treppen, welche die schön gegliederte Brustmauer eines Bassins tragen, aus dessen Mitte das Denkmal, auf Felsen ruhend, emporstrebt. Ein reich verziertes Postament trägt die Colossalbüste Mendelssohns. Jgm zur Seite sitzt die vortrefflich durchgeführte „Philosophie", den Blick sinnend in weite Fernen gerichtet. Die drei anderen Seiten des Postaments werden von einer großen, phantastisch geformten Muschel umspannt, in welche sich aus Bärenköpfen Wasser ergießt. Das Ganze macht einen malerischen Eindruck, ohne die monumentale Ruhe und Gesammtwirkung zu stören. Leipzig, 28. Juli. (Eingesandt.) Daß die judenhetzerischen Blätter, trotz ihrer sonstigen Dreistigkeit in Lügen und Verdrehungen, sich zu beherrschen wissen, wenn es die Vorsicht gebietet, beweist folgende Thatsache. In der zu Anfang dieses Semesters abgehaltenen Generalversammlung der außerordentlichen Mitglieder der hiesigen Academischen Lesehalle schlug ein dem Vereine Deutscher Studenten ungehöriger Herr stuä. theol. Paulinus, in einer wörtlich auswendig gelernten Rede, die man Wochen vorher in dem „Desiderienbuch" lesen konnte, die „Antisemitische Corcespondenz" zur Anschaffung vor. Begründet wurde dieser Antrag damit, daß die genannte Zeitung durch „Sachlichkeit und Wahrheitsliebe" sich auszeichne. Gegen diese Begründung, die Jedem etwas komisch Vorkommen mußte, wandte sich ein 32

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