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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-08-08 · Heft 32 (8.8.1889) · p. Seite 500

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 32 (8.8.1889)
Date
1889-08-08
Page
Seite 500 (sequence 8)
Language
German
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506 „Volk" entnommen, wodurch künftig „grundsatzlose" liebertritte von Juden vermieden werden sollen. Sie schlägt vor, daß jedes Consistorium eine Deputation von fünf Geistlichen niedersetzen soll, vor welcher ein jüdischer Täufling vorher ein „Colloquium" zu bestehen hätte. Es ist wirklich schade, daß die beiden frommen Blätter mit diesem Gedanken nicht früher herausgerückt sind, als die Herren Nathan Schlesinger, „Dr." May und Elias Cohn sich zum Uebertritte meldeten; wie würden die fünf geistlichen Deputationsmitglieder einander angelächelt haben, wenn sie jene Herren auf ihre Grundsätze Prüften! (Wir haben übrigens bisher nicht gehört, daß die genannten drei Verkündiger christlich-socialer Gesinnung von liberalen Predigern getauft worden seien.) An diese ihre Glaubensgenossen hat die „Kreuzztg." wohl nicht gedacht, als sie ihren Artikel veröffentlichte. Sollte sie vielleicht nur die Taufe eines gegenwärtig in hoher diplomatischer Stellung befindlichen Beamten, welchem engere Beziehungen zum Hause des Reichskanzlers nachgesagt werden, ins Auge gefaßt haben? Das wäre gar nicht unmöglich. Als Curiosum mag noch erwähnt werden, daß die „Kreuzztg." nach Durchführung ihres Vorschlages zur Erschwerung der Judentaufe ein besonderes Judengesetz mit Gewährung vollständiger Religionsfreiheit, aber unter Ausschluß der Juden von höheren Staatsämtern und Berufen in Aussicht stellt, ihre Befreiung vom Militärdienst anregt und sie zu Steuern nur insoweit heranziehen will, als andere Fremde, welche in Deutschland wohnen." Aus alledem ersieht man deutlich Zweifaches. Zunächst ist es der Concurrenzneid und die Concurrenzfurcht, welche den guten Leuten die getauften Inden einflößen, die sie für die Stellung und das Brot ihrer nachwachsenden Generation ängstigen. Deshalb möchten sie zunächst die getauften Juden vom Referendariat ausschließen, da dasselbe nicht bloß zur Justiz, sondern auch zur Verwaltung führt. Alsdann aber erfüllt die Ritter der Kreuzzeitung die Besorgniß, daß die Mehrzahl der zur Kirche übertretenden Juden glaubenslose Leute seien, Christen werden, wie sie Juden gewesen, da sie aus materiellen Motiven, nicht ans Ueberzeuguug, die Religion ihrer Väter verlassen, und hierdurch der Kirche und dem kirchlichen Leben Schaden bereiten. Dies haben wir ihnen schon vor einem halben Jahrhundert vorausgesagt, ohne daß sie es zu Herzen nahmen. Die ganze Rederei der Kreuzzeitung hat jedoch nichts zu bedeuten, als der Klageruf eines geängstigten Herzens zu sein, sowie eine unwillkürliche Kundgebung ihrer Verwirrung und ihrer Ohnmacht den gegebenen Verhältnissen gegenüber. Uns aber kann es nur genehm sein, daß alle Welt über den wahren Werth vieler Fälle von Judentaufen aufgeklärt werde. Berlin, 28. Juli. (B. B. C.) Zeitschrift zur Bekämpfung des Antisemitismus — unter diesem Titel erscheint dieser Tage in Linz das erste Heft der periodischen Schrift, welche sich zur Aufgabe stellt, vom ethischen und christlichen Standpunkt eine krankhaft erregte Stimmung gegen das Judenthum mit geistigen Mitteln zu bekämpfen. Wir begrüßen dieses zeitgemäße Unternehmen, da wir aus dem uns zugesendeten Probeheft ersehen, daß der richtige Weg eingeschlagen wird, um zum Ziele zu gelangen, das dahin geht, dem Gebildeten zu zeigen, daß der berechtigte Unwille gegen die Corruption und Ausbeutung von Agitatoren mißbraucht wird. Es handelt sich beim Kampfe gegen den Antisemitismus nicht um die Juden allein, sondern auch um die Christen, die schließlich mehr als jene darunter leiden müßten, wenn der Geist der Rohheit und Unduldsamkeit dic breiten Massen des Volkes ergreift und diese zu Angriffen auf Person und Eigenthum verleitet. Die beiden Männer, welche an der Spitze des Unternehmens stehen — vr. Karl v. Kißling in Linz und Professor Dr. Joseph Schöpf in Salzburg — sind vor dem Verdachte gefeit, aus geschäftlichen Rücksichten das Judenthum zu vertreten. Der erstere, aus einer seit jeher katholischen Familie des deutschen Reichsadels stammend, hat so wenig wie der andere — ein tiroler und emeritirter Professor des Kirchenrechtes an der katholischen theologischen Facultät in Salzburg — weder irgendwelche Familienverbindungen in Judenkreisen noch geschäftliche Beziehungen zu denselben. Beide haben seit Jahren oft und mit voller Anerkennung ihrer Fachgenossen ihre Feder ernsten Geistesarbeiten gewidmet, und es ist daher mit Recht zu erwarten, daß sie die gestellte Aufgabe in richtiger Weise lösen werden. Es ist, wie die im ersten Hefte aufgenommenen Artikel zeigen, der Kampfe von dem richtigen Standpunkte eröffnet — da der Antisemitismus als eine pathologische Erscheinung im Geistesleben der Gegenwart behandelt wird, die ernste Gefahren für Staat und Gesellschaft in sich birgt. Wir stimmen mit voller Ueberzeugung mit dem Vorworte des Herausgebers überein. Nicht der Haß, sondern nur die Liebe kann die Wege finden, welche auf dem socialen Gebiete zum Heil und Segen führen, und es konnte deshalb; fein besseres Motto für diese Zeitschrift gewählt werden, als das: „Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da". Nürnberg, 22. Juli. Wie wir hören, ist der Wittwe des verstorbenen Abg. Frankenburger unter außerordentlich zahlreichen Beileidsschreiben auch ein solches des Herrn kgl. Staatsministers Frhrn. v. Crailsheim zugegangen, welcher außerdem noch an den Hrn. Abg. v. Crämer als den langjährigen treuen Freund Frankenburgers ein Schreiben gerichtet hat, worin er in den anerkennendsten Worten über die Verdienste des Dahingeschiedenen seiner Trauer und seinem Beileide Ausdruck verleiht. Nürnberg, 28. Juli. Der General-Anzeiger schreibt: Der Verein Freisinn veranstaltete gestern Abend im großen

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