Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1889)
- Date
- 1889-08-08
- Page
- Seite 499 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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499 element, ertödiet und, als im strengsten Widerspruch mit der menschlichen Natur und ihrer Bestimmung zu steter Vervollkommnung stehend, sich selbst das Verdammungsurtheil spricht. Darum (Ps. 144, 15): „Heil dem Volke, das den Ewigen als Gott verehrt und, Seiner Liebe und Ehrfurcht voll, in Seinen Wegen allzeit wandelt." vr. M. Stern. Berlin, 25. Juli. (Privatmitth.) Die „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums" hat das Verzeichniß der im Wintersemester 1889/90 zu haltenden Vorlesungen ausgegeben. Da das größere Publicum über den Lehrplan dieser Anstalt, die sich bereits so tüchtig bewährt hat, wenig unterrichtet ist, wollen wir an dieser Stelle ausnahmsweise über die Vorlesungen während des bevorstehenden Winter-Halbjahres berichten. Herr vr. Cassel wird lesen: 1) Geschichte und Literatur, 2 Stunden, 2) Exegetische Uebungen, 1 Stunde, 3) Hebräische Stilübungen, 2 Stunden, 4) Hebräische Commentare, 2 Stunden, 5) Aramäische Lectüre, 1 Stunde. Herr Rabbiner vr. Maybaum wird lesen: 1) Pesikta de R. Kahana, 1 Stunde, 2) Homiletische Uebungen, 2 Stunden. Herr vr. Müller wird lesen: 1) Mischna (Nesikin), 1 Stunde, 2) Talmud cursorisch (Schebuoth III., Pesachim II.) 4 Stunden, 3) Talmud statarisch (Gittin), 5 Stunden, 4) Jore Dea (Taarubot), 3 Stunden, 5) Responsen der^Geonen, 1 Stunde. Herr Professor vr. Steinthal wird lesen: 1) Einleitung in den Pentateuch, 2 Stunden, 2) Ethik, 2 Stunden, 3) Pädagogik, allgem. Theil, 1 Stunde. Berlin, 25. Juli. Die 825 russischen israelitischen Ausgewiesenen, welche unlängst Berlin passirten, sind nunmehr mit dem Dampfer „Weser" des Bremer Lloyd nach Montevideo abgefahren, um in Argentinien eine Ackerbau- Colonie zu begründen. Vorher hatte sich noch der Berliner Kaufmann S. nach Paris begeben, um bei der Argentinischen Bank Erkundigungen einzuziehen, welches Schicksal die Leute in der neuen Heimath erwarte. Dadurch wurde die Abreise von Bremen verzögert. Wenn die Colonisation in Argentinien sich bewährt, soll später eine größere Anzahl russischer Auswanderer dorthin geführt werden. Berlin, 26. Juli. (Privatmitth.) Der schon in vor. Nummer erwähnte Artikel der „Kreuzztg." enthält des Curiosen und des Unsinns so Vieles und zeigt dennoch auf gewisse vorhandene Zustände so klar hin, daß wir uns nicht enthalten können, noch einmal darauf zurückzukommen und: zwar durch einen Artikel der „Berliner Volkszeitung" vom 23. d., der zugleich einige Aufschlüsse über Sachen und Personen enthält. Er lautet: „In der Antisemiten-Versammlung, welche kürzlich in Bochum stattfand, wurde, wie wir damals meldeten, von vr. Böckel ein Verbot der Judentaufe augeregt, von der Mehrheit aber nicht gebilligt. In ihrer gestrigen Wochenübersicht beschäftigt sich die „Kreuzzeitung" mit demselben Gegenstände; sie fördert dabei so viel wunderliches Zeug zu Tage, daß wir diese neueste Leistung des Organs für Junker- und Pfaffenthum nicht ganz unbeachtet lassen möchten. Aus dem Artikel erfahren wir, daß sonderbare Dinge über Taufen jüdischer Referendare seitens liberaler Prediger berichtet werden und in Folge dessen irgend Jemand vorgeschlagen hat, daß den liberalen Geistlichen das Taufen von Juden nicht mehr gestattet werden möge. Die „Kreuzzeitung" ist, was uns einigermaßen überrascht, vernünftig genug, einzusehen, daß man den liberalen Geistlichen einzelne Amtshandlungen nicht untersagen kann, die man den orthodoxen gestatten will. Sie empfiehlt aber, durch andere Mittel „die evangelische Kirche gegen einen Confluxus von Eindringlingen, die nur materielle Rücksichten im Auge haben, mehr zu verbarrikadiren", wirft einen sehnsüchtigen Blick aus die katholische Kirche, welche sich gegen diesen „Confluxus" durch die Beschwörung des Tridentinischen Glaubensbekenntnisses und einer Generalbeichte besser schützen können soll (sonst jammern die Orthodoxen stets über die Proselytenmacherei der Katholiken), und behauptet dann, daß der „strebsame" Jude der Einfachheit wegen den Uebertritt zur evangelischen Kirche wähle, um die er sich dann nicht mehr kümmere als vorher, falls man ihn nicht gerade in die Stadtsynode wähle. Wir sind mit den Personalverhältnissen der Stadtsynode zu wenig vertraut, um die Andeutung der „Kreuzztg.", daß „strebsame" Juden in ihr sitzen, controliren zu können, wohl aber wissen wir, daß in der conservativen Fraction des Abgeordnetenhauses Herren sitzen, welche unzweifelhaft jüdischen Ursprunges sind und sogar der Mann, dessen Name die in der Presse vorzugsweise durch die „Kreuzztg." vertretene Fraction des Herrenhauses wegen seiner Verdienste um die conservative Partei noch heute führt, ein strebsamer Jude gewesen ist. Erst neuerdings hat die „Kreuzztg." eine lange Reihe Angehörige des christlichen Adels deutscher Nation genannt, welche von Juden abstammen sollen; wir fanden dort Name», deren Träger sich um die conservative Partei wohlverdient gemacht haben, obwohl die „Kreuzztg." gerade diejenigen Personen, welche ihr am nächsten stehen, weggelassen hatte. Ob die Stifter dieser jüdisch-christlichen Adelsfamilien „grundsatzlose" oder grundsatzvolle Uebertritte vollzogen haben, wird sich schwer feststellen lassen, die „Kreuzztg." hat; aber ein Mittel gefunden oder vielmehr dem Stöcker'schen