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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-08-01 · Heft 31 (1.8.1889) · p. Seite 489

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 31 (1.8.1889)
Date
1889-08-01
Page
Seite 489 (sequence 13)
Language
German
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489 Reichskanzler zuzuziehen, der ihr allerdings später doch nicht erspart bleiben sollte. Fürst Bismarck erkannte bei einer späteren Unterredung mit Frankenburger in Bad Kissingen dessen Verhalten in dieser Angelegenheit mit warmen Worten als ein patriotisches und lobenswerthes an. Bon Seiten der Krone Bayerns wurde Frankenburgers Wirken für das allgemeine Wohl durch die Verleihung des Michaelsordens 1. Classe und später des Titels „Justizrath" geehrt. Im Rathe seiner Collegen von der Anwaltschaft nahm er eine der ersten Ehrenstellen ein. Wie er vor Inkrafttreten der Reichsrechtsanwaltsordnung Mitglied des Ausschusses des bayerischen Anwaltsvereins gewesen war, war er unter dem Reichsregime bis zuletzt stellvertretender Vorsitzender der Vorstandschaft der Anwaltskammer am Oberlandesgerichte Nürnberg. In der Freisinnigen Partei Bayerns und Nürnbergs gehörte er den geschäftsleitenden Ausschüssen an und war selbstverständlich eines der einflußreichsten Mitglieder. Im Verwaltungsrathe des bayerischen Gewerbemuseums saß er seit dessen Bestehen als einer der energischsten Förderer. zueifern in all' seinen Bürgertugenden, seinem Opfermuth, seiner Menschenfreundlichkeit, aber auch seiner Unbeugsamkeit da, wo es gilt, die Schwachen zu schützen gegen die Starken, das Recht zu wahren gegen Vergewaltigung, die Freiheit des Volkes zu schirmen gegen ihre Berkümmerer! Das letzte Wort, welches der damals schon schwer Kranke bei der Nachfeier des Crämer-Jubiläums mit thränenerstickter Stimme am Schluß einer kurzen politischen Rede in Beantwortung eines ihm gebrachten Trinkspruches in unseren Kreis rief: „Ich war der freisinnigen Sache treu mein Leben lang und werde ihr treu bleiben bis zum letzten Athemzug!" — es sott in unsere Herzen mit ehernen Lettern eingegraben sein, denn so werden wir das Andenken des Edlen am Besten ehren, wenn wir gleich ihm mit allen unseren Kräften der Sache dienen, der sein ganzes Leben „bis zum letzten Athemzug" geweiht war! Eine galhische Reminiscen;. Skizze von ©. Horowitz. Vor etwa 2 Jahren begann Frankenburger zu kränkeln. Die ärztliche Kunst vermochte ihm wohl vorübergehend Erleichterung und Kräftigung zu schaffen, aber nicht das lange Zeit verborgene Nebel zu beseitigen. Auch die treueste Pflege seiner inniggeliebten Lebensgefährtin, Mathilde geb. Hartmann aus Würzburg, mit der ihn seit Februar 1862 die — kinderlos gebliebene — Ehe verband, vermochte den Verfall der Kräfte zuletzt nicht mehr aufzuhalten. Vor jetzt ungefähr Jahresfrist war es dem Schreiber dieser Zeilen vergönnt, mehrere Wochen lang mit dem jetzt Verblichenen im heilkräftigen Baden-Baden zu weilen, wobei er im regelmäßigen Verkehr mit tiefem Schmerze den Kampf beobachten mußte, mit dem der gewaltige Geist des herrlichen Mannes den tückischen Feind im Körper niederzuwerfen suchte. Geistig noch ganz der Alte, der liebenswürdige, geistreiche Gesellschafter, litt er schon schwer, doch ohne zu klage». Jetzt hat er den Kampf ausgekämpft — er ist unterlegen. Nachdem ihn die Angehörigen am letzten Montag Abend von Cannstatt, wo er seit Wochen in einer Heilanstalt gewesen, hierher gebracht hatte», war er hier nicht mehr zum vollen Bewußtsein gekommen und verschied heute Morgen >/^5 Uhranscheinend schmerzlos, sanft und friedlich an Urämie, der Folge einer chronischen Nierenentzündung. Mit den unvergeßlichen wohlwollenden Zügen liegt der edle Freund auf der Bahre wie im Schlummer und läßt uns, die wir jüngst erst den Tod eines Erhard zu beweinen hatten, zurück in schwerster, bitterster Trauer! Frankenburger's Tod reißt im Kreise der öffentlich thätigen Männer Nürnbergs eine unersetzliche Lücke, aber er soll uns Jüngeren eine Mahnung sei», dem Geschiedenen nach¬ I Ans dem Schlachtfelde bei Koniggrätz ruhten die Gebeine; der gefallenen Krieger schon ein Jahr in ihren kühlen Gräbern. Venedig war an das, wie ein Phönix aus seiner Asche; neu entstandene vereinigte Italien abgetreten worden, und!das aus dem deutschen Bunde hinausgedrängte Oesterreich! verwandelte sich in einen Doppelstaat, sich nach innen con-! solidirend. j Der alte Zopf fiel gleichzeitig mit der territorialen Am-! putation, das Morgenroth eines neuen Gestirnes ging über Oesterreich auf und die neue, auf Gleichheit basirende Constitution ward proklamirt. Mit Gepolter stürzten die Schranken, daß der alte Moder aufwirbelte, und wie von einerfrischen Brise erfaßt, segelte das Staatsschiff einer schönen Zukunft entgegen. Ins dumpfe Ghetto drang ebenfalls ein frischer Lufthauch und die Emancipation warf den einengenden Schlagbaum über den Haufen. Die territoriale und geistige Einschränkung hörte auf, die traurige, vielhundertjährige Berühmtheit des Judenviertels war ein überwundener Standpunkt, und die „innere Stadt" erschloß den Juden ihre Pforten. Unsere Glaubensgenossen reckten und streckten ihr steifen Glieder, begannen die freiheitliche Luft einzuathmen und bereiteten sich vor, ihren Einzug in die Reihen der Bürger zu halten. Ja, auch wir, nach vielhundertjährigem Drucke und Knechtschaft waren endlich würdig befunden, als Menschen anerkannt, nicht als „Insassen", sondern als ebenbürtige Staatsangehörige betrachtet zu werden, und unter den Strahlen der für uns ausgehenden Sonne stoben die grauen Nebel aus einander, daß in Israel Heller Jubel herrschte. — Nur die Nachteulen schlugen wild mit ihren Flügeln

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