Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1889)
- Date
- 1889-08-01
- Page
- Seite 487 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3227771-3227803--46392-3265953- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
487 aliquot aramaeae“ (1846) offenbarte er sich als tüchtiger Orientalist und durch sein Buch „Die Fabeln des Sophos", die von ihm aufgefundene syrische Quelle der griechischen Fabeln des Syntipas. Das syrische Original erschien hier in berichtigtem, vocalisirtem Texte zum ersten Male vollständig mit Noten, einem Glossar, einer Uebersetzung, nebst literarischen Vorbemerkungen herausgegeben und mit einer einleitenden Untersuchung über das Vaterland der Fabel (Posen 1859). Von seinen späteren kleinen Schriften, theils populärtheils streng-wissenschaftlichen, oder jüdisch-theologischen Inhalts und Aufsätzen in verschiedenen Zeitschriften, nennen wir hier nur: „Liebe, Traum und Teufel oder Eros und Psyche, den Traum und Samicl oder die Teufelsidee in der Geschichte" (Darmstadt 1869), „Heidnischer Ursprung des Brauches, zwischen Passah und Wochensest nicht zu heirathen" (1869); „Zur Abwehr" gegen Angriffe auf das Judenthum (1871); „Das Buch Hiob und Goethes Faust" (1882). Mit diesem letzteren fast zugleich erschien von ihm die Uebersetzung des „Iggeret baalö cbajim“ von Kalonymos ben Kalonymos, eines arabischen Märchens, das einen Rechtsstreit zwischen Mensch und Thier vor dem Gerichtshof des Königs der Genien enthält. Die beigegebenen Noten corrigiren den hebräischen Text nach dem arabischen Originale, liefern wichtige und interessante Beiträge selbst für die Kritik des arabischen Textes, des Tochfet-Icbwan-oos-suffa, d. h. Gabe der lauteren Brüder und viele lehrreiche sachliche Bemerkungen. — Des Druckes harrt eine kritische Ausgabe der „llioebls schualim, Fuchsfabeln des Barachja hanakdan." — Einen gleich großen Ruf wie als Gelehrter, hat sich indessen L. als Kanzelredner erworben. Ein kräftiges, sympathisches Organ und eine einfache, zum Herzen dringende Vortragsweise zeichnen ihn vortheilhaft aus und der gedankenreiche Inhalt seiner Predigten, verbunden mit einer gehobenen, aber von allem Schwulst fernen Diction und originellen Erklärungen talmudischer und midraschiger Stellen, die er in seine Kanzelvorträge einzuweben versteht, fesseln seine Zuhörer wie seine Leser. — In Darmstadt von 1859 ab thätig, wirkte er 1849—54 als Rabbiner in Brieg (Schlesien), von 1854—59 an der Brüdergemeinde zu Posen, überall niit Würde und Entschiedenheit für den gemäßigten Fortschritt eintretend. Möge Gott — das ist unser Wunsch — dem verdienstvollen Manne leibliche und geistige Kraft zu weiterer heilvoller Berufsthätigkeit spenden, ihn seiner treuen Familie, der dankbaren Gemeinde und der Wissenschaft noch lange erhalten. Ieuil Wolf Frankenburger?) Nürnberg, 18. Juli. Weit über Nürnbergs und auch über Bayerns Grenzen hinaus wird die Trauerkunde, die Nachricht von dem Tode unseres Frankenburger mit inniger Theilnahme, mit aufrichtigem Schmerz vernommen werden. Nürnberg hat einen seiner besten Bürger, Bayern eine erste Kraft seines Parlamentes, das deutsche Vaterland und die Sache des Volkes einen aufopfernden, nimmermüden Vorkämpfer, einen selbstlosen Menschenfreund verloren. Ein kleines Oertchen im unterfränkischen Kreise, Obbach im Bezirke Werneck, war es, wo Wolf Frankenburger am 8. März 1827 als der Sohn eines israelitischen Handelsmannes zur Welt kam. Die Eltern sind längst gestorben, aber an der Heimath und den Anverwandten hing F. mit jener rührenden Pietät, die ihm zu eigen war, bis an sein Ende. Von der deutschen Schule zu Obbach kam er auf die Lateinschule, dann auf das Gymnasium und nach glänzend bestandenem Examen auf die Universität zu Würzburg. So leicht, wie es heute den meisten unserer Gymnasiasten und Studirenden gemacht wird, gestaltete sich die Zeit der Ausbildung l) Nach dem „Fränkischen Curier" vom 18. Juli. L e t o n. für Frankenburger freilich nicht, und so manche schwere Entbehrung mußte sich der lernbegierige Jüngling auferlegen, bis er zu seinem Ziele gelangte. Würzburg auch, die unterfränkische Kceishauptstadt, die Bayern so manchen hervorragenden Juristen und Parlamentarier herangezogen hat, war es, wo Frankenburger nach Absolvirung der Vorbereitungspraxis am Kreis- und Stadt- und dann am Landgericht und nach abgelegter Staatsconcursprüfung seine ersten Lorbeeren als forensischer Redner und auch als volksfreundlicher Politiker pflücken durfte. Noch als Student hatte er an der Bewegung des Jahres 1848 als Agitator und Redner in bedeutendem Maße theilgeiloi»- men, wenngleich seine damalige Thätigkeit nicht so sehr an die große Oeffentlichkeit trat. Als die Reactionsperiode dem Traum von 1848 ein so trübes Ende gemacht hatte, war es, ohne daß Frankenburger der stillen — und wo es möglich war — der öffentlichen politischen Arbeit Valet sagte, vorzugsweise der Anwalts- und in erster Linie der Vertheidigerberuf, dem er sich mit voller Hingebung widmete, und rasch war der Name des noch ganz jungen Mannes als der eines Gerichtsredners von erstem Range weit über Würzburgs Mauern hinaus rühmlichst bekannt. Sl*