Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1889)
- Date
- 1889-08-01
- Page
- Seite 486 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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486 dürft stolz sein darauf, daß Ihr deren Pioniere seid. Haltet Euch versichert, daß Euch unter dem milden Scepter Sr. apostolischen Majestät und in einer Nation, welche Euch liebevoll ausgenommen in einer Zeit, da Ihr von allen übrigen Nationen verfolgt wurdet, kein Härchen gekrümmt werden wird." Frankreich. Paris, 21. Juli. Vor dem Schluß der Session ist noch zwischen dem Senat und der Deputirtenkammer über das neue Militärgesetz ein Compromiß zu Stande gekommen, dahin gehend, daß die Seminaristen aller Kulte, also die zukünftigen Rabbiner, Priester und Pastoren ein Jahr unter den allgemeinen Bedingungen dienen sollen. Man kann dies nur gerecht finden, namentlich vom jüdischen Standpunkte aus, da die Rabbiner keinen priesterlichen Charakter haben. — Aus den jüngsten Verleihungen der Ehrenlegion heben wir hervor, daß zum Commandeur der Bngadegeneral Adolf Hinstin, 44 Dienftjahre, ernannt worden, zum Officier der Ehrenlegion der Artillerie-Oberst Wolf, 37 Dienstjahre, und Emil Levy, Oberarzt des Militärhospitals von Belfort, 37 Dienstjahre, sowie der Oberarzt Jakob Weill, 36 Dienstjahre. Unter den Rittern befinden sich ebenfalls mehrere Militärs jüdischer Religion. Großbritannien, London, 17. Juli. Man schreibt von hier: Der Erzbischof von Canterbury wird einer Einladung des Obersheriffs von Kent, Joseph Sebag Montefiore (Israelit), folgen und einige Tage, begleitet von seiner Gemahlin, auf dessen Landsitz in East-Cliff, bei Ramsgate, zubringen. Zu gleicher Zeit werden die Rabbiner Dr. H. Adler und Dr. Gaster Gäste des Obersheriffs sein. (In England ist der gesellige Verkehr zwischen der Aristokratie und hochstehenden Israeliten keine Seltenheit. Hat doch vor langen Jahren die Königin mit dem sel. Prinzen Albert in der Laubhütte des Sir Moses Montefiore einen Besuch abgestattet und daselbst das Frühstück eingenommen. Die Anwesenheit der beiden Rabbiner ist gewiß nur zufällig und wird die geistlichen Herren miteinander bekannt machen. Auf gegenseitige Bekehrung ist es sicherlich nicht abgesehen.) Nordamerika. Colorado (Trinidad), im Juni. Im Jahre 1883 constituirte sich Hierselbst eine jüdische Gemeinde, und am 18. Juni d. I. wurde der Grundstein zu einer Synagoge gelegt, welche ein recht schönes Bauwerk zu werden verspricht. Die Gemeinde hat auch bereits einen Rabbiner in dem Dr. Freudenthal gewonnen, der natürlich bei dieser feierlichen Ceremonie, welcher auch viele christliche Honoratioren anwohnten, functionirte. Das Eigenthümliche war, daß die Ceremonie in freimaurerischer Weise vorgenommen wurde, so daß nach dieser der Stein geschwungen und gelegt ward und der Meister vom Stuhl Jaffa über den Stein das „Korn der Nahrung, den Wein der Erfrischung und das Oel der Freude" aus silbernen Schalen ausgoß. Selbstverständlich traten auch andere Redner auf, von welchen einer sich ganz besonders begeistert über das Judenthum aussprach. Bonn, 28. Juli. (Notizen.) In Adrianopel ist vor Kurzem der Großrabbiner Giron, und in Bosnien der Großrabbiner dieses Landes Finzi verstorben. — Aus Pest wird uns geschrieben: Wie dem „P. Lloyd" geschrieben wird, wurde vr. H. L. Reich, derzeit Rabbiner in Bonyhad, von der ungarischen Gemeinde „Oheb Zedek" in New' Jork zu ihrem Rabbiner berufen. — In Wien verschied am 18. d. M. im Atter von 48 Jahren der Kammerrath Bernhard Singer, der Mitglied des Vorstandes der Wiener Cultusgemeinde und ein eifriger Förderer der Zwecke der „Alliance israelite universelle“ war. Mainz, 18. Juli. (Literarische Notizen.) Einer der edelsten und begabtesten Vertreter des Judenthums, ein bewährter, zündender Kanzelredner, der Großherzogliche Landesrabbiner Dr. Jul. Landsberger zu Darmstadt, feiert am 110. Aug. (S. Nachmu) seinen 70. Geburtstag. Die Allg. Zeitung des Judenthums will diesen Ehrentag nicht vorübergehen lassen, ohne ihrem geschätzten Mitarbeiter, welcher erst jüngst wieder durch meisterhafte Uebersetzungen Berachja'scher Fuchssabeln die Leser dieser Zeitung erfreut hat, den Tribut der Hochachtung zu zollen und seinen vielen Freunden eine Skizze seines Lebens zu bieten. — Geboren in dem oberschlesischen Städtchen Zülz, wurde Landsberger von seinem Vater, einem hochgeachteten, mit seltenem talmudischen Wissen ausgerüsteten Kaufmanne, schon im 5. Lebensjahre in das )veite, fruchtreiche Gebiet der Bibel und des Talmuds eingeführt, widmete sich dann vom 14. Jahre ab in Proßnitz und Leipnik (Mähren) unter den gediegensten Gelehrten weiter den rabbinischen Studien, so daß er als 18jähriger Jüngling bereits das Rabbinatsdiplom (Morenu) erhielt. Im Februar 1844 bestand ec am Friedrichs-Gymnasium zu Breslau als Extraneus das Abiturientenexamen, nachdem er seit April 1842 an dortiger Universität extra orclinem immatrikulirt war und unter Prof. Bernstein Orientalia studirt hatte. Später besuchte er die Universitäten zu Berlin und Halle. Hier erwarb er 1846 die philosophische Doctorwürde. Die erste Frucht seiner wissenschaftlichen Thätigkeit offenbarte seine gediegenen Kenntnisse orientalischer Sprachen und ihrer Literatur. Mehr aber noch als durch die lateinische Dissertation „"Fabulae