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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-08-01 · Heft 31 (1.8.1889) · p. Seite 484

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 31 (1.8.1889)
Date
1889-08-01
Page
Seite 484 (sequence 8)
Language
German
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484 Lobe Frankenburger's und in der Anerkennung seiner Verdienste übereinstimmen und sie ihm alle den ehrenhaftesten Charakter und die uneigennützigste Gesinnung zuschreiben. Herr Districts Rabbiner Lebrecht schreibt uns: „vr. Frankenburger hat das ihm gespendete Lob vollkommen verdient, was allgemein anerkannt wird; auch als Jude hat er treu zu seinen Glaubensgenossen gehalten, und bei jeder Gelegenheit sich ihrer und ihrer Rechte angenommen." Dennoch haben viele deutsche Zeitungen in ihren langen Artikeln über Frankenburger nicht zu bemerken vermocht, daß er Jude war und nicht bloß äußerlich, und doch lag es nahe, da sie seinen Geburtsort notiren. Man muß es tief bedauern, daß ein gewisser Parteigeist, wenn es das Verdienst von Juden gilt, ihre Religion zu notiren vergißt, hingegen damit immer bei der Hand ist, wenn ein Jude eine schlechte Handlung begangen oder begangen zu haben verdächtig ist. Auch hierin begegnen sich alle Parteien, denn es traf dies bei der Münchener Allg. Ztg., der Köln. Ztg. und der freisinnigen Würzb. Ztg. u. A. diesmal zu. Fürth, 18. Juli. (Privatmitth.) Es giebt kein entscheidenderes Zeugniß, als wenn selbst Gegner die Tugenden und Verdienste eines Verstorbenen anerkennen. So herrscht nur Eine Stimme über die Befähigung und Wirksamkeit des heute früh 4^ Uhr verstorbenen Justizraths Herrn Wolf Frankenburger in Nürnberg, Advokat und Landtagsabgeordneten. Die Blätter aller Parteirichtungen bringen würdige Nekrologe und bezeugen, daß durch den Tod F.'s eine empfindliche Lücke in den vielseitigen Stellungen, die er einnahm, entstanden. Zwei Punkte, die in der Presse ungenügend besprochen wurden, gestatte ich mir hervorzuheben, nämlich die erste Wahl F.'s in den bayerischen Landtag und das Eintreten F.'s für seine Glaubensgenossen. In dem bayerischen Landtage saßen seit 1818 zwei Israeliten, vr. Arnheim-Bayreuth und vr. Morgenstern-Fürth. M. trat 1855 freiwillig aus der Kammer, A. starb 1864. Seit 1864 war kein Jsraelite in der bayerischen Abgeordnetenkammer. Als im Mai 1869 die Erneuerung der Wahl stattfand, übernahm es Herr Landgerichtsdirector Herz in Nürnberg, der Volksversammlung in der Turnhalle die Candidatur F.'s mit warmen Worten zu empfehlen. Herz sagte: Wir müssen Männer wählen, denen die Wohlfahrt des Landes, denen die Freiheit das höchste Ideal ist. Zu diesen Männern zählt außer unserem Crämer und Brater auch der von uns vorgeschlagene Frankenburger. Ein trefflicher Bürger, ein scharfsinniger Jurist, ein eminenter Redner, ist er in Bezug auf seine bürgerliche Stellung ebenso unabhängig, wie lauter in seinem Charakter. Durch die Wahl F.'s müsse eine jener! Mauern zusammenbrechen, die aus alter finsterer Zeit übrig geblieben. Angesichts einer solchen Candidatur müsse jedes religiöse Bedenken fallen, die Wahl sei das Zeugniß völliger politischer Reife, und wer an der geistigen und politischen Emancipation der Völker Mitarbeiten »volle, habe zu zeigen, daß er selbst von allen Vorurtheilen emancipirt sei. Die Versammlung beschloß die Wahl F.'s, und außer ihm kamen noch zwei Israeliten in den bayerischen Landtag: Rentier Levy aus Landau, gewühlt in Edenkoben, und Notar vr. Adler in München, gewählt in Speyer. Für seine Glaubensgenossen trat F., der Nürnberg ununterbrochen bis zum Tode vertrat, eifrig ein. Er bewirkte, daß jenen Rabbinern, die unter einem gewissen Einkommen stehen, Zuschüsse aus Staatsmitteln bewilligt wurden, er trat später mit Erfolg für die Erhöhung der Zulagen ein und ihm ist die Abschaffung des lästigen und ungerechten Judenzolls an die Kirchen zu verdanken. Das Leichenbegängniß findet Sonntag den 21. Juli früh 10 Uhr statt; es wird sich zu einer imposanten Kundgebung gestalten. Der Prinzregent läßt durch Herrn Bürgermeister Freiherr v. Stromer einen Kranz legen, die Abgeordnetenkammer wird durch Delegirte vertreten sein. Der Tod F.'s zeigt, wie die Städte in ihren jüdischen Mitbürgern die kräftigsten, thätigsten und aufopferndsten Theilnehmer an den großen Aufgaben der öffentlichen Wohlfahrt besitzen. Wenn wir an Männer wie Rieffer, Jacobi, Kosch, Lasker, Magnus, Straßmann, Arnheim, Ludwig Loewe, Morgenstern und jetzt an Frankenburger denken, so ist dies ein sichtbares Zeichen, in welcher Anzahl die jüdischen Gemeinden ihre Angehörigen in den Dienst der Oeffentlichkeit stellen. Wir schließen mit dem lebhaften Wunsche, daß es unserer Glaubensgenossenschaft nie an Männern fehlen möge, welche, mit reichem Wissen und durchdringender Denkraft ausgestattet, furchtlos und bewußt, besonnen und versöhnend, voll edler Humanität, in den errungenen Ueberzeugungen fest wirken und schaffen zum Wohle der Gemeinden, zum Segen des Staates, zur Ehre des Judenthums! Sigmund Heumann. Bruchsal, 19. Juli. (Privatmitth.) Der Vorstand des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogthum Baden hat ein Exemplar seines Jahresberichtes auch an Se. Königliche Hoheit den Großherzog gesandt und darauf aus Karlsruhe, den 12. Juli 1889, folgendes Schreiben erhalten: „Dem Vorstand des Landesvereins zur Erziehung israelittischer Waisen im Großherzogthum Baden, zu Händen des Vorsitzenden Herrn Rabbiner vr. I. Eschelbacher in Bruchsal, sprechen wir für den mit unmittelbarer Vorlage vom 1. d. M. ' eingesandten ersten Jahresbericht des Vereins im höchsten Aufträge den Dank Seiner Königlichen Hoheit mit dem Anfügen aus, daß Höchstdieselben mit großem Interesse von dem Inhalt des Berichts Kenntniß genommen haben. Seine

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