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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-08-01 · Heft 31 (1.8.1889) · p. Seite 483

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 31 (1.8.1889)
Date
1889-08-01
Page
Seite 483 (sequence 7)
Language
German
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483 und die Eintragung wünschen. Für die Gemeindemitglieder, welche an ihre Jahrzeiten erinnert zu werden wünschen, ist ein Namensregister angelegt, und wird namentlich darauf geachtet, daß Gaben, welche man bei dem Gottesdienste, an Jahrzeiten oder bei anderen Gelegenheiten, spenden will, nicht direct vertheilt werden, sondern in die dazu aufgestellte Büchse zu legen sind. — Es ist diese Einrichtung in Uebereinstimmung mit der Armenverwaltung getroffen, damit der Unwürdigkeit öffentlicher Bettelei gesteuert werde. Die Religionsschule weist in Leipzig für das Jahr 1888 den Besuch von 364 Kindern auf, nämlich 191 Knaben und 173 Mädchen, welche, in den von der Stadtverwaltung freigestellten Klassenzimmern der I. Bürgerschule A, unentgeltlich, am Sonntag Vormittag 8—12 Uhr, Mittwoch Nachmittag 2-6 Uhr und Sonnabend Nachmittag 2—5 Uhr, von Rabbiner vr. Porges, zwei ständigen und drei Hilfslehrern unterrichtet werden. — Wenn wir nicht umhin können, das Friedhofs- und Beerdigungswesen als eine musterhafte Einrichtung hervorzuheben, so muß besonders der Aufopferung jener Männer gedacht werden, die leibliches und geistiges Wohl unentgeltlich in den Dienst ihrer jüdischen Brüder gestellt haben, um durch eine wohlgeordnete Gesellschaft, unter Controle des Gemeinde-Borstandes, Nahe- und Fernstehenden die letzte Ehre zu erweisen. — Es erübrigt noch, neben der Fürsorge für das Schächtungswesen — Schechita — welchem in Leipzig in ausgedehntestem Maße genügt wird, jene mühsame Aufgabe in Betracht zu ziehen, welche menschliches Elend, welche Armuth bannen will. Die Steigerung des Armenwesens, innerhalb der Gemeinde selbst, und das Herandrängen der Armuth von Außen, welche neue Zuzüge wandelnder Mitglieder vermehren, hatten zwar die Anforderungen an die Wohlthätigkeit in erhöhtem Maße gestellt; es ist, jedoch einer ergiebigen Armenpflege, durch das Entgegenarbeiten zur Beseitigung der Wanderbettelei, gelungen, da-, heim den Ansprüchen möglichst zu genügen und nach Außen vorübergehend zu helfen. Innerhalb der Gemeinde bemühen sich, neben dem Armen-Unterstützungs-Verein, 19 verschiedene Stiftungen mit großen und kleinen Gaben, unter Verwaltung des Gemeinde-Vorstandes selbst, nach den verschiedensten Richtungen einzugreifen, während unter eigener, selbständiger Verwaltung 8 Stiftungen außerdem sich bethätigen. — Auf die allgemeine Wohlfahrt innerhalb der Gemeinde ist jedes Bemühen des leitenden Vorstandes gerichtet. Mit Wort und That weist derselbe vor Allem darauf hin, daß nur der allgemeine, ungetrübte Frieden die Einheit und die Kraft, Alles zu vollbringen, erhält. — Mit dem Grundsätze des Friedens, welcher alle Kräfte liebevoll wirkend erweist, hat der leitende Vorstand — als das Gewissen der Gemeinde — im Jahre 1888, in seinen 24 Vorstandsfitzungen, 8 Gemeindesitzungen, 2 Sitzungen der Verordneten und 6 Sitzungen des Schätzungsausschusses abgehalten und für allgemeines Wohl seiner jüdischen Brüder sich bethätigt! Bern. B o d e k. Posen, 18. Juli. (Privatmitth.) Die aus Mitgliedern des Vorstandes und der Repräsentanteu Versammlung unserer Gemeinde bestehende Schechita-Commission hat für ihre Beschlüsse Souveränität beansprucht. Die Repräsentanten-Versammlung hat dieser Anschauung beigestimmt, der Vorstand aber die Forderung abgelehnt. Die königl. Regierung hat im Sinne des Vorstandes entschieden, indem sie erklärte, daß die Fachcommissionen lediglich als dem Vorstande unterstellte Organe anzusehen seien. — Die Ritsche Flatau'sche Waisen- Mädchen-Anstalt hat von der Stadtgemeinde das Grundstück Königsstraße No. 6 für den Kaufpreis vou 74,000 Mark erworben. S. Nürnberg, 18. Juli. (Frank. Kur.) Wie wir zu unserem großen Bedauern erfahren, ist Herr Landtagsabg. und Gemeindebevollmächtigter Justizrath Wolf Frankenburger heute Morgen um */25 Uhr nach längerem schmerzhaften Leiden sanft entschlafen. Trotzdem der Tod schon seit längerer Zeit zu erwarten war, berührt die Nachricht doch geradezu erschütternd. Frankenburger war nach jeder Hinsicht eine Zierde des Nürnberger Bürgerstandes, ein liebenswürdiger freundlicher Mensch im Privatleben, ein Mann voll Energie und Gewissenhaftigkeit in seiner öffentlichen Thätigkeit. Er war zu Obbach, AG. Werneck in Unterfranken geboren am 27. März 1827, hat also ein Alter von 62 Jahren erreicht. 1861 wurde er zum königl. Advokaten in Nürnberg ernannt, von dessen Gemeindecollegium er seit 1869 ständiges Mitglied war. Dem bayerischen Landtag gehörte er ebenfalls seit 1869 an, und wer die Verhandlungen dieses Parlaments verfolgt hat, weiß, daß Frankenburger nicht nur einer der bedeutendsten Redner, sondern auch als Referent namentlich über den Militäretat eines der emsigsten Mitglieder war. Im Reichstag vertrat er von 1874—78 Nürnberg; im letzteren Jahr lehnte er eine Wiederwahl ab. Frankenburger ist Otto Erhard bald gefolgt, die Freisinnige Partei in unserer Stadt, unserem engeren und weiteren Vaterlande hat mit seinem Tode den gleichen Verlust erfahren wie mit dem seines langjährigen Freundes Erhard. Wir werden auf den Lebensgang des hochverdienten Mannes noch näher zurückkommen. Nürnberg, 21. Juli. Die Beerdigung des Landtagsabgeordneten und früheren Reichstagsabgeordneten Frankenburger hat heute Vormittag unter großer Betheiligung hiesiger und auswärtiger Deputationen stattgefunden. Auch der Justizminister von Leonrod wohnte dem Leichenbegängniß bei. Im Aufträge des Prinzregenten legte der Bürgermeister v. Stromer einen Kranz am Grabe nieder. — Es ist in der That bemerkenswerth, wie sehr die Organe aller Parteien im

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