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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-07-25 · Heft 30 (25.7.1889) · p. Seite 473

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 30 (25.7.1889)
Date
1889-07-25
Page
Seite 473 (sequence 13)
Language
German
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473 Familie. Auf dem israel. Friedhof hielt Herr Rabbiner Dr. ©übemann dem dahingeschiedenen College» die ergreifende Grabrede, in der er dessen Tugenden und Talente gebührend würdigte. Die Gesänge und Gebete wurden von Herrn Obercantor Singer und dem Tempelchor ausgeführt. Mit Elias Karpeles scheidet aus dem Kreise der österreichischen Rabbinen, der sich in der letzten Zeit so arg gelichtet, wiederum einer der tüchtigsten und bravsten, ein Mann, dem sein Beruf sein Alles auf Erden war und blieb bis ans Lebensende, der das Amt eines Predigers als ein ideales betrachtete und mit Fleiß und Liebe pflegte, der Frömmigkeit, echte, alte, ungeheuchelte Frömmigkeit mit moderner Wissenschaft zu vereinigen wußte und jene Toleranz in Lehre und Leben verkündete, die die Blüthe des modernen Culturideals ist. Sein Andenken wird unter uns ein gesegnetes bleiben! — Dem außerordentlichen Professor an der orientalischen Academie Dr. Edmund Singer wurde der Titel Regierungsrath verliehen. Bonn, 3. Juli. (Literarische Notizen.) Annuaire des Archives Israelites pour l’an du monde 5650. (Paris 1889.) Seit sechs Jahren giebt Herr H. Prague dieses Jahrbuch heraus und weiß den Inhalt desselben anziehend und belehrend zu machen. Außer dem Kalender und einer Uebersicht über die Ereignisse des vorigen Jahres auf unserem Gebiete wird der 26. August 1789 gefeiert, indem ausführlich die Lage der Juden in Frankreich bis zum genannten Datum, die Kämpfe, welche die Gleichstellung derselben kostete und der Akt dieser selbst besprochen und in lebhafter Sprache dargestellt werden. Es folgen die Erinnerungen an die Belagerung von Metz, die wir in unserem Feuilleton wiedergegeben, einige Züge des Antisemitismus unter Ludwig XIV. und die Tabelle aller den israelitischen Kultus betreffenden Einrichtungen, der Consistorien, Kultusbeamten, Schulen und wohlthätigen Anstalten in Frankreich. Daß hier auch Algerien nicht fehlt, ist selbstverständlich, immerhin aber ist es auffällig, daß der Friedensvertrag von Frankfurt 1871 nicht anerkannt, sondern Elsaß- Lothringen noch als französische Provinz behandelt wird. Man sieht, daß dieses Jahrbuch insonders das französische Judenthum interessirt, jedenfalls aber ist es mit Geschick redigirt und nimmt seinen Platz würdig ein. Jeuil Eine Reliquie von Serthold Äuerbach. Den folgenden Artikel geben wir hier wieder, um die Erinnerung an den Geist zu wecken, welcher in den Jahren 1870/71 alle Deutschen beseelte und vereinigte, und der sicherlich die heute herrschende Parteisucht, den Classen- und confessionellen Hader nicht erwarten ließ. Mögen die Antisemiten eine Mahnung daraus ziehen. Ein Brief, den Berthold Auerbach an Gustav Freytag geschrieben, gelangt jetzt erst, nach neunzehn Jahren und nur durch Vermittelung der öffentlichen Blätter zur Kenntniß des Adressaten. Denjenigen, dem der Brief zur Bestellung übergeben war, trifft dennoch kein Vorwurf. Der Brief enthielt eben nur eine Empfehlung, die zu bestellen der Empfohlene — ein journalistischer College, Ernst Cloß in Karlsruhe — verhindert war. Er erzählt darüber in der „Neuen Freien Presse" u. A.: Als vor einiger Zeit in einem Städtchen des badischen Oberlandes der Standort einer Postbrieflade gewechselt wurde, fand man zwischen ihrer Rückwand und dem Hause, an welchem sie bisher angebracht war, einen Brief, der siebzehn Jahre vorher durch das Ungeschick des Einwerfenden oder l e f o n. sonst einen Zufall dorthin gerathen war. Der Adressat konnte noch ermittelt werden und gelangte nun, allerdings sehr verspätet, in den Besitz von Mittheilungen, auf welche er schon vor siebzehn Jahren Anspruch gehabt hätte. Aehnlich geht es dem hochverehrten Manne, dem diese Zeilen gewidmet sind, nur ist der Brief, der ihm heute übergeben werden soll, schon vor 19 Jahren von einem seiner Freunde geschrieben, der seit dem Jahre 1882 im Grabe ruht. Es handelt sich nämlich um einen Brief, den Berthold Auerbach unterm 12. August 1870 an Gustav Freytag richtete. Die Situation war folgende: Die Gefechte von Saarbrücken und Weißenburg und die Schlachten von Wörth und Spicheren waren geschlagen. Gustav Freytag folgte im Hauptquartier des Kronprinzen von Preußen dem Siegeszuge der dritten Armee nach Westen. Berthold Auerbach befand sich in Karlsruhe und bereitete sich dort zum Abgang in das Elsaß vor, auf dessen Bevölkerung er im deutsch-nationalen Sinne erwecklich einzuwirken gedachte und hoffte. Herr Cloß, im Begriffe, als Berichtserstatter in's Feld zu ziehen, erbat von Auerbach, der in Jugendjahren seiner Familie nahe gestanden, Empfehlungen an Freytag. Er er-

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