Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-07-25 · Heft 30 (25.7.1889) · p. Seite 471

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 30 (25.7.1889)
Date
1889-07-25
Page
Seite 471 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227771-3227802--46375-3265935
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

471 ner gedachte er des Todes Trsfort's und auch den in diesem Jahre verstorbenen Vereinsmitgliedern widmete der Präses einen warmen Nachruf. Hierauf zollte Herr Libertiny den confessionellen Bestrebungen der israelitischen Lehrer Lob, da die Pflege der religiösen Interessen einer Confession mit dem Staatsinteresse nicht im Gegensätze steht. Er wünscht der Versammlung, daß ihre Berathungen vom besten Erfolge gekrönt sein und sowohl der Glaubensgenossenschast, als auch dem gesammten Vaterlande zu Nutz und Frommen gereichen mögen. Seine Worte wurden lebhaft acclamirt. Nachdem noch Herr Samuel Vidor, israelitisches Schulstuhlmitglied, bewillkommnende Worte gesprochen, hielten Vorträge: Dir. Lehrer Max Weiß „lieber den Religionsunterricht in der Simultanschule"; Leopold Erdölyi (Neutra) „Die herrschen» den Principien der Pädagogik der Gegenwart"; ferner Ignaz Schwarz (Neutra) „Mittel zur Vermehrung des Vereinsvermögens". Nachdem alle Punkte der Tagesordnung programmmäßig erledigt und dein Präses der hiesigen israelitischen Gemeinde und deren Lehrkörper Dank votirt worden, hatte Bürgerschuldirector Lövany die Freundlichkeit, einen interessanten naturwissenschaftlichen Bortrag zu halten. Rußland. Petersburg, 11. Juli. Das Gesetz, welches denjenigen Israeliten, die nicht als ständige Einwohner notirt sind, verbietet, innerhalb 50 Werst von der Grenze zu wohnen, wird gegenwärtig mit aller Strenge im Gouvernement Wolhynien i zur Ausführung gebracht. Wie aus der in diesem Gouverne-! ment gelegenen Stadt Luck gemeldet wird, haben gegen 500 Familien dieser Kategorie den Befehl erhalten, die Stadt unverzüglich zu verlassen. Von demselben Schicksal sind viele Israeliten in Kremenetz und Wladimir-Wolhynski betroffen worden. Palästina. Jerusalem, im Juni. Im Jewish Chronicle macht Mark Samuel darauf aufmerksam, daß die Juden in Palästina nicht am Aussatze leiden, während die übrige» Bewohner des heiligen Landes davon befallen werden. Der Grund dieser Erscheinung läge darin, daß die Juden nur Fische mit Schuppen und Floßfedern äßen, da diese dank ihren Floßfedern sich gesundes Wasser und Nahrung aussuchen und zugleich durch die Schuppen unreine Bestandtheile von sich abhalten könnten. In Nova Scotia, deren Einwohner meist von Hummer lebten, gebe es daher eine Colonie von Aussätzigen. Nordamerika. New Park, im Juni. Nach den Berichten amerikanischer Blätter fand am 7. Juni in der portugiesischen Synagoge, deren Gemeinde die älteste in unserer Stadt ist und von portugiesischen Flüchtlingen gegründet worden, eine Versammlung statt, welche darüber berieth, ob und wie eine Feier der beiden, auf ein Datum fallenden großen Ereignisse von 1492, der Austreibung der Juden aus Spanien und der Entdeckung von Amerika, stattfinden solle. Man beschloß, auf den Herbst eine Versammlung aus allen organisirten jüdischen Körperschaften Amerikas einzuberufen, um einen endgiltigen Entschluß zu fassen. (Wir gestehen offen, daß wir diesem Gedanken keinen rechten Geschmack abgewinnen können. Die beiden geschichtlichen Momente haben nur ein zufälliges Zusammentreffen, durchaus aber keinen inneren Zusammenhang. Wenn Nordamerika später für Tausende unserer Glaubensgenossen eine neue Heimath geworden, die ihnen volle Freiheit gewährt, so fand und findet dasselbe für alle Nationen der Erde statt, und die Entdeckung Amerikas böte zu einer 400 jährigen Jubelfeier für alle Völker Veranlassung dar, aber keine besondere für die Juden. Was das andere Moment, die Austreibung der Inden aus Spanien durch Ferdinand und Jsabella betrifft, so wäre es allenfalls zu einer Trauerfeier angethan. Jndeß hat diese Vertreibung bei all ihrer Wichtigkeit doch keine allgemeine Bedeutung, selbst nicht für uns Juden. Die jüdische Wissenschaft und Gelehrsamkeit hatte sich damals bereits in Frankreich, Deutschland und darüber hinaus verbreitet und war in Spanien selbst — trotz Don Isaak Abarbanel — im Niedergange begriffen. Man kann der Vertreibung also nicht jene Wirkung beilegen, wie der kurz vorher stattgefundenen Eroberung Konstantinopels durch die Türken, durch welche griechische Gelehrte nach Europa versprengt wurden, die die Kenntniß der griechischen Sprache und Literatur verbreiteten und dadurch wesentlich zum Wiedererwachen der Wissenschaft und zum Entstehen des Humanismus beitrugen. Die vertriebenen spanischen Juden gründeten in mehreren Ländern Gemeinden, die sich jedoch von ihren übrigen Glaubensgenossen durchaus getrennt hielten, und in deren Schooße die jüdische Wissenschaft nur noch eine schwache Pflege fand, deren bedeutende Träger an den Fingern herzuzählen sind. Ob die Absicht jener Versammlung großen Anklang finden werde, erscheint uns deshalb zweifelhaft. Redaction.) Nrw-Nork, im Juni. (Privatmitth.) Wir haben schon berichtet, daß außer dem, jetzt schon 14 Jahre bestehenden und blühenden Rabbiner-College zu Cincinnati auch in hiesiger Stadt im vorigen Jahre ein Rabbiner-Seminar gegründet worden, welches sein erstes Jahr mit gutem Erfolge bestanden hat. Um seine Wirksamkeit auszudehnen und das Interesse des Publikums sich zuzuwende», wurde die Einrichtung getroffen, daß während des Sommersemesters öffentliche Vorlesungen über Gegenstände gehalten werde», welche mit den Studien der Zöglinge in Verbindung stehen. Sie 30*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.