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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-07-25 · Heft 30 (25.7.1889) · p. Seite 467

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 30 (25.7.1889)
Date
1889-07-25
Page
Seite 467 (sequence 7)
Language
German
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Element in unserer heil. Schrift nur einen geringen Raum eingenommeu und noch weniger siegreich einen Platz in dem eigentlichen Judenthume gewonnen hat. Möge dies auch fernerhin so bleiben. > vuxofyzio|lew. Deutschland. Berlin, 9. Juli. Großes Aufsehen erregt hier die Kunde, daß das Pflegekind der Stadtmissionar Sandrock'schen Eheleute aus dem Fenster gestürzt und nach kurzem Leiden verstorben sei, daß der Verdacht entstanden, die Frau des Stadtmissionar habe den Knaben zum Fenster hinausgestoßen und sei aus gewichtigen Verdachtsgründen verhaftet. Wie die „Post", welche früher oft für den Hofprediger Stöcker eingetreten, berichtet, seien die zwei Kinder Lindemann dem Sandrock durch einen sehr bekannten Geistlichen, dessen treuer Anhänger der Stadtmissionar sei, mit einem Vertrage übergeben worden, daß, wenn je eines der beiden Kinder stürbe, dessen Vermögen (M. 3000) dem Sandrock zufallen solle. Das Gerücht sagt, daß das eine Kind vor einiger Zeit unter verdächtigen Umständen gestorben sei, und daß der jetzt verunglückte Knabe oft harte Mißhandlung von seinen Pflegeeltern erfahren habe. Das gerichtliche Verfahren wird hoffentlich Licht in das Dunkel bringen und einen Einblick in gewisse Kreise gewähren, welche Religion und Frömmigkeit zu ihrer Devise gemacht und auf ihren Lippen tragen. Allerdings sind auch Stimmen laut geworden, welche für die Sandrock'schen Eheleute eintreten und ihnen ein gutes Zeugniß geben. — Man wird sich des Dr. Bernhard Förster erinnern, welcher einer der Urheber und heftigsten Wühler des Berliner Antisemitismus gewesen, seines Amtes deshalb entsetzt wurde, so daß seine Stellung in Berlin unhaltbar geworden und er nach Paraguay auswanderte. Jetzt trifft die Nachricht von seinem Tode ein. Zum Tode des Dr. Bernhard Förster in Paraguay wird der Berliner Presse aus Asuncion geschrieben, daß derselbe an Strychnin-Vergiftung gestorben sei. Schon seit längerer Zeit hätten sich Zeichen von Geisteszerstörtheit bei ihm bemerkbar gemacht. Der Grund für den Selbstmord wird in finanziellen Beschwerden gesucht. Durch den Tod Förster's werden weite Kreise der deutschen Gesellschaft in Asuncion in finanzielle Mitleidenschaft gezogen. — Zur Beerdigung des Knaben Lindemann trat Hofprediger Stöcker aus der bis jetzt in dieser traurigen Angelegenheit von ihm beobachteten Reserve, indem er sich erbot, die Beerdigung in würdiger Weise zu besorgen. Gegen die verhaftete Frau Sandrock dauert die Untersuchung fort. Hannover, 13. Juli. Die „Franks. Z." schreibt: Der hiesige Verein „Christlicher Geschäftsschutz" hatte vorgestern Abend einige Hundert Personen versammelt, um Borträge der Berliner Antisemiten v. Liebermann und Dr. Aug. Förster entgegenzunehmen. Wir Hannoveraner scheinen für den richtigen Radau-Antisemitismus noch nicht genügend vorbereitet zu sein; wenigstens traten die Herren hier verhältnißmäßig zahm auf. Förster entwickelte das „Deutsch-soziale Programm", während Liebermann über „die Juden-Emanzipation" sprach. Das Interessanteste war die Mittheilung, daß geplant wird, für die nächste Reichstagswahl einen deutsch-sozialen Kandidaten hierorts aufzustellen. Bei Besprechung der einzelnen Parteien hatten sich besonders die Welfen mancher Liebenswürdigkeiten zu erfreuen; natürlich, die Welfen werden hier ja stets von aufstrebenden Parteien (vgl. Freisinnige und Konservative) als die alten Erbonkel angesehen, obgleich sie noch ganz gut auf den Beinen sind und bislang noch immer mehr Lebenskraft gezeigt haben als ihre angeblichen Erben. In wieweit der hiesige Verein „Christlicher Geschäftsschutz" mit der konservativen Parteileitung zusammenhängt, ist nicht recht klarzustellen. Der Verein huldigt anscheinend in ausgiebigster Weise dem Satze „nomina sunt odiosa“; seine Aufrufe und Annoncen sind immer nur der „der Vorstand" unterzeichnet, eine Maske, die bekanntlich Gute und Böse gleich auskömmlich deckt. Wir sind aber doch in der Lage, mittheilen zu können, daß ein Manufakturist, ein Liqueurfabrikant und ein Drechsler den Vorstand bilden und können nicht umhin, anerkennend hinzuzufügen, daß sich deren Namen sämmtlich im hiesigen Adreßbuche finden. Bei solcher Führung kann man nicht umhin, einige Neugier zu empfinden, auch die übrigen Bereinsmitglieder kennen zu lernen. Wir nehmen an, daß alle denselben Horror, den sie davor haben, bei einem Juden zu kaufen, auch empfinden, wenn ein Jude sich erdreistet, bei ihnen kaufen zu wollen, und so müßte es im allseitigen Interesse liegen, das Mitgliederverzeichniß möglichst in die Oeffentlichkeit zu bringen. Stuttgart, 9. Juli. (Privatmitth.) Der Vorstand des israelitischen Waisenhauses „Wilhelmspflege" in Eßlingen, Herr M. H. Goldschmiot von hier, veröffentlichte in dieser Woche den 58. Jahresbericht pro 1. April 1888/9. Die Anstalt hatte sich auch heuer der vielseitigen Unterstützung zu erfreuen, auch von Seiten des Königl. Hauses und der

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