Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1889)
- Date
- 1889-07-18
- Page
- Seite 457 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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457 stellen zu citiren und die Autoren der biblischen Bücher zu bezeichnen. Die darauf zunächst folgenden drei Capitel geben in knappen Auszügen solche Erklärungen biblischer Stellen, die für die Beurtheilung der exegetischen Leistung unseres Autors besonders ausschlaggebend sind und die namentlich als Proben aus den über das Sprachliche hinausgehenden Bestandtheilen eines Bibelcommentars, wie ihn Abulwalid hätte verfassen mögen, genauere Aufmerksamkeit verdienen. Dasselbe gilt auch von dem XIII. und XIV. Capitel. für welche jedoch nur sehr geringes Material zur Verfügung stand. Von Interesse ist die Wahrnehmung, daß Abulwalid die beiden astronomischen Wunderberichte der biblischen Geschichte (Josua 10 und II. Kön. 20) ohne weiteres als solche erläutert und dabei keinerlei rationalistische Regung zu Tage treten läßt. Als Sammlung exegetischer Curiositäten mag das XV. Capitel gelten, in dem besonders auffallende Einzelheiten, auch grammatischer Art, oder offenkundige Jrrthümer aus Abulwalid's Schrifterklärung mitgetheilt sind. Das XVI. Capenthält nur zum geringeren Theile wirkliche Varianten zum Bibeltexte; im Uebrigen erhärtet sein Inhalt nur die bekannte Beobachtung, wie sehr auch der von der Massora geschützte Bibeltext noch in später Zeit durch die Unachtsamkeit der Abschreiber, durch das Citiren aus den« Gedächtnisse und durch den unwillkürlichen Einfluß der Exegese auf die Textgestalt zu leiden hatte. Was das letzte, umfangreichste Capitel betrifft, so sind die darin zusammengestellten Erklärungen zu nahezu vierhundert Versen aus allen Büchern der heiligen Schrift von sehr mannigfaltigem Inhalte und verschiedenem Werthe. Es dürfte auch solche darunter geben, die man füglich zu den oben erwähnten Curiositäten reihen könnte, andere werden vielleicht als zu unbedeutend und der Aufnahme in die Sammlung unwerth erscheinen. Aber der Gesichtspunkt, der mich bei Jeuit Corresponden;. Wittlich, 8. Juli. Lehrerronferenz. Am 9. und 10. Juni er. hatten sich zu St. Johann a. d. Saar die Mitglieder des Verbandes isr. Lehrer und Cultusbeamten Süddeutschlands zur Abhaltung der jährlichen Generalversammlung zahlreich eingefunden. Programmmäßig um 11 Uhr eröffnete der I. Vorsitzende Herr Eppstein-Hoppstädten die Verhandlungen, die Anwesenden, besonders auch die Herren Rabbinen vr. Goldschmidt- Hoppstädten, Dr. Mayer-Zweibrücken und Dr. Zuckermandel- Trier herzlich willkommen heißend. In dem auf das Werder Anlegung dieser exegetischen Chrestomathie geleitet hat, war derselbe, der für die ganze vorliegende Arbeit maßgebend war, nämlich für die Erkenntnisse Abulwalrd's als Schrifterklärer eine möglichst reiche und möglichst vielseitige Grundlage zu schaffen. Es sollte ein Beitrag zur Geschichte der Bibelexegese geboten werden, nicht ein unmittelbar zu benützender Beitrag zur Schrifterklärung selbst, obwohl diese natürlich auch heute noch aus Abulwalid mannigfachen Nutzen ziehen kann. Ich halte es nicht für überflüssig zu bemerken, daß diejenigen Erklärungen Abulwalrd's, welche auf Sprachvergleichung, namentlich der des Hebräischen mit dem Arabischen beruhen, — zum Theile wichtige und interessante Einzelheiten seiner Exegese — aus dieser Sammlung ausgeschlossen sind, da ich dieselben in früheren Arbeiten eingehend behandelt habe. Indem ich mit der gegenwärtigen Schrift für die Geschichte der jüdischen Bibelexegese ein zu Weiterarbeit anregendes und Stoff bietendes Hilfsbuch zu schaffen mich bemühte, enthielt ich mich des naheliegenden Versuches, den Zusammenhang von Abulwalid's Schrifterklärung mit der seiner Vorgänger, sowie ihren Einfluß auf die Nachfolger in den Bereich meiner Arbeit zu ziehen. Die Grenzen derselben wären dadurch zu sehr erweitert worden. Nur hie und da glaubte ich auf Einzelnes bei Menachem und Dunasch, sowie bei Hajjüg Hinweisen zu müssen. Noch auf ein negatives Ergebniß meiner Arbeit sei hier hingewiesen. Die Dürftigkeit des Materiales, welches aus Abulwalid's Schriften für gewisse wichtige Seiten der Bibelerklärung zusammengetragen werden konnte, beweist, wie vieles seinen Nachfolgern, die doch sonst auf der von ihm geschaffenen Grundlage das Gebiet der Schrifterklärung in eigentlich exegetischen Werken, in fortlaufenden Commentaren, anbauten und zur Blüthe brachten, zu thun übrig blieb." I e t o n. einsjahr geworfenen Rückblick gedachte er mit warmen Worten des geliebten, unvergeßlichen, hochseligen Kaisers Friedrich, zu dessen Andenken sich die Anwesenden ehrfurchtsvoll von den Sitzen erhoben. Ebenso ehrten die Versammelten das Andenken des verstorbenen Collegen Baum-Bosen. Der Unterzeichnete gab alsdann über die Vereinscasse Rechenschaft, worauf ihm Decharge ertheilt wurde. Alsdann ward der bisherige Vorstand wieder gewählt und besteht demnach aus den Herren Eppstein-Hoppstädten als I., Nußbaum-Trier als II. Vorsitzender und Nußbaum-Wittlich als Eassirer und Schriftführer. Inzwischen erschienen Herr E. Lyon mit zwei Vorstandsmitgliedern der Gemeinde St. Johann-Saarbrücken. Ersterer begrüßte die Versammlung, wünschend, daß die Ver--