Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1889)
- Date
- 1889-07-18
- Page
- Seite 456 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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456 setzt worden: wir kennen eine holländische, amerikanische und | hebräische Uebertragung. — Den diesjährigen Jahresbericht der j Landes-Rabbinerschuke in Budapest, aus welchem unser Pester Correspondent bereits die Daten gegeben hat, geht eine umfangreiche Abhandlung von Prof. Dr. Wilhelm Bacher voran: „Aus der Schrifterklärung Abulwalid Merwän ibn Ganäch (R. Jona)." Diese sorgfältige Arbeit bringt für die Bibelexegese sehr viel Interessantes, und wir glauben daher manchem Leser einen willkommenen Wink zu geben und zugleich dem Verfasser gerecht zu werden, wenn wir hier seinem Vorwort eine Stelle einräumen. Er sagt darin: „Grammatik und Wortforschung bilden den Gegenstand von Abulwalids' Werken; aber indem er die Gesetze und Erscheinungen der hebräischen Sprache, die Bedeutung ihrer Wurzeln und Wörter erforschte und feststellte, hatte er stets als bewußtes und mit religiös zu nennendem Eifer angestrebtes Ziel die Erklärung der heiligen Schrift im Auge. Mit Recht darf man ihn, den Classiker der hebräischen Sprachwissenschaft, obwohl er kein bibelexegetisches Werk hinterlassen hat. auch unter die Meister der Schrifterklärung zählen. Wie würde ein von Abulwalrd verfaßter Bibelcommentar beschaffen sein? Darauf ließe sich auf Grund seiner erhaltenen Schriften eine ziemlich genaue Antwort geben; und es tväre eine dankenswerthe und mit Hinblick auf die Stellung Abulwalids in der Geschichte der jüdischen Bibelexegese besonders lehrreiche und interessante Arbeit, aus jenen Schriften einen fortlaufenden Commentar zu den biblischen Büchern zusammenzustellcn. Ein solcherweise constrnirter Bibelcommentar Abulwalids würde zwar sehr beträchtliche und wesentliche Lücken bieten, aber für die Erläuterung und Bestimmung der Wortformen und Wortbedeutungen ließe er nur wenig an Vollständigkeit zu wünschen übrig. Indessen auch über die Erläuterung des einzelnen Wortes hinaus findet sich in dem reichen Inhalte von Abulwalids Werken eine Fülle exegetischen Stoffes. Diesen außerhalb des rein grammatischen und lexikographischen Gebietes liegenden Theil seiner Schristerklärung habe ich in den einzelnen Capiteln der vorliegenden Arbeit zur Darstellung gebracht. Es war keineswegs meine Absicht, den Gegenstand zu erschöpfen; den» sowohl könnte der Inhalt der hier gebotenen verschiedenen Capitel noch bereichert und eingehender besprochen, als auch die Zahl dieser Capitel selbst vermehrt und Abulwalids Bibelexegese auch noch von anderen Seiten betrachtet werden. Doch glaube ich immerhin, ein quantitativ und qualitativ hinreichendes Material zusammengetragen zu haben, um auch Solchen, denen der Zutritt zu Abulwalids Werken (zu dem Wörterbuche namentlich dadurch, daß es nur im arabischen Original vorliegt) erschwert ist, die Möglichkeit zu einem genauern Einblicke in den Umfang und die Art seiner Schrifterklärung zu bieten. j Die ersten vier Capitel schließen sich an einige der wichtigsten Abschnitte im grammatischen Theile von Ab.'s Hauptwerk an, deren Inhalt übersichtlicher darstellend und besonders aus dem Wörterbuche ergänzend. Wir sehen in demselben, mit welcher Gewandtheit, Schärfe und Consequenz Abulwalrd einige Principien, auf denen nach ihm gewissermaßen die Mechanik des sprachlichen Ausdruckes beruht, als wirksame Hilfsmittel bei der Erklärung des Bibeltextes, namentlich zur Beseitigung der verschiedenartigsten Schwierigkeiten desselben, benützt hat. Diese Principien der Kürzung und Erweiterung, der Umstellung und Stellvertretung sind nicht von Abulwalid zuerst in die Bibelerklärung eingeführt worden, man kann ihre ältesten Spuren zum Theil schon in der Exegese des Midrasch und des Targums finden, aber er war der Erste, der sie folgerichtig und allseitig anwendete und dadurch vor Allem seiner Schrifterklärung den Stempel der Kühnheit und Originalität aufdrückte. Und so fremdartig auch die sozusagen rein äußerliche, zuweilen willkürlich erscheinende Geltendmachung dieser Principien auf uns wirken mag, so finden sich dennoch gerade hier die meisten Berührungspunkte zwischen Abulwalids Schrifterklärung und der modernen Behandlung des Bibelwortes, da jene Principien, wie sie Abulwalid angewendet hat, Elemente biblischer Stillehre und Rhetorik, aber auch solche der biblischen Textkritik in sich schließen. Zn dem, was schon diese ersten vier Capitel über Abulwalids Auffassung der biblischen Rhetorik bieten, fügt das V. Capitel eine zusammenhängende Darstellung all der zerstreuten Elemente, welche nach dieser Seite hin seine Schrifterklärung anfweist. Der Einfluß arabischer Rhetorik ist nur in beschränktem Sinne wahrzunehmen, aber auch hier bemerkt man, wie Abulwalid seine gründliche arabische Bildung für die Bibelexegese verwerthet hat. Es wird einmal von Interesse sein, dieses Capitel mit der hundert Jahre später verfaßten Rhetorik Moses Ibn Esra's zu vergleichen. Das VI. und VII. Capitel enthalten viel weniger, als ihre Ueberschriften zu erwarten das Recht geben. Einen bedeutenden Theil der „exegetischen Grundsätze" Abulwalids enthalten übrigens auch die ersten Capitel der vorliegenden Arbeit, besonders aber auch diejenigen Capitel meiner früheren Schrift über Ab.'s Leben und Werke und die Quellen seiner Schrifterklärung, in welchen sein Verhalten gegenüber der Massora und der Traditionsexegese dargelegt ist. Das VIII. Cap. schließt sich inhaltlich insoferne dem vorhergehenden an, als die Erklärung biblischer Wörter durch synonyme Ausdrücke ebenfalls zum „hermeneutischen Verfahren" Abulwalids gehört. Ein kurzes Capitel (IX.) scheidet die zweite Abtheilung meiner Arbeit von der ersten; es betrifft ein nebensächliches, i äußerliches Moment in Ab.'s Schriften, seine Art, Bibel-