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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-07-18 · Heft 29 (18.7.1889) · p. Seite 449

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 29 (18.7.1889)
Date
1889-07-18
Page
Seite 449 (sequence 5)
Language
German
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449 Wahrscheinlich war es dieser Umstand, der Wahrmann in der heutigen Sitzung der Delegation zu der Frage veranlaßte, ob die Gründe des außerordentlichen Anwachsens der Zahl der Selbstmorde in der Armee nicht erhellt werden können und ob unter den Gründen nicht auch den Geist der Armee berührende Momente, namentlich religiöse und sociale Reibungen eine Rolle spielen. Kriegsminister Baron Bauer bemerkte in seiner Beantwortung dieser Frage, daß Sekaturen, wo dieselben nachgewiesen werden, streng bestraft werden und daß der Betreffende immer einer gerichtlichen Untersuchung unterzogen werde, gleichviel ob er in einem niedrigeren oder höheren Range stehe." Was in dieser Mittheilung enthalten ist, versetzt uns in Schrecken und Trauer. Wir treffen hier auf eine Wirkung der antisemitischen Strömung, wie sie düsterer und gefährlicher nicht gedacht werden kann. Es handelt sich um die Leiden und die Verzweiflung junger Männer, welche sie bis zum Selbstmorde treiben. Der Staat fordert, und zwar mit vollem Rechte, die Jünglinge zum Waffendienste für das Vaterland, schützt sie aber ungenügend gegen körperliche und geistige Mißhandlungen der ärgsten Art. Man frägt zunächst, liegen hier Thatsachen vor? Aus Acten der Militärgerichte dringt nur selten etwas in die Oeffentlichkeit und aus den Gräbern ertönt noch seltener eine Stimme, welche über das Geheimniß Aufschluß gebe. Dennoch haben wir in Nr. 27 einen solchen Fall aus Czernowitz zu berichten, gehabt und leider haben wir über einen ähnlichen aus der % deutschen Armee private Mittheilung erhalten. Auch läßt es sich nicht annehmen, daß der Abg. Wahrmann, ein höchst besonnener Mann, diese traurige Angelegenheit ohne factische Unterlage in der ungarischen Delegation zur Sprache gebracht hätte und zuletzt hat der Kriegsminister sie nicht in Abrede gestellt. Die Verheißung strenger Strafen kann uns hierin nicht genügen, denn in vielen Fällen ist Kränkung und Schabernack zur gerichtlichen Verfolgung nicht angethan, und nicht selten wird es der Fall sein, wo gleichgesinnte Vorgesetzte eine Untersuchung nicht anstellen oder womöglich fallen lassen. — Welch eine Wandlung ist hierin vor sich gegangen! In den Jahren 1870/71 war so etwas in den deutschen Heeren unerhört. Der Geist der Eintracht umschloß alle Confessionen und ein Zwiespalt, auch zwischen Christen und Juden, kam so wenig wie zwischen Katholiken und Protestanten zum Vorschein. Und jetzt! Was mögen wohl bei solchen Nachrichten ein Jstoczy, ein Schönerer, ein Türk, ein Stöcker, ein Förster und ihre Genossen empfinden? Oder läßt nur der Dichter die Geister der Ermordeten um das Lager Richard III. sich versammeln oder den Geist Banco's vor Macbeth und seiner Gattin erscheinen? iw<^>wacßzicljteiv. Deutschland. Berlin, 5. Juli. Das gestern ausgegebene Iuliheft der Preußischen Jahrbücher enthält an erster Stelle folgende Mittheilung an die Leser: „Zum Abschied. Nachdem ich dieser Zeitschrift vor einunddreißig Jahren als ihr jüngster Mitarbeiter bcigetreten bin und seit dem Jahre 1866 bei ihrer Leitung mitgewirkt habe, nehme ich heute von ihren Lesern Abschied. „Während dieser langen Zeit sind die Preußischen Jahrbücher niemals von irgend einer Partei unterstützt, zuweilen sogar, in schwereren Tagen, von der großen Mehrzahl der deutschen Blätter bekämpft worden. „Um so wärmer und herzlicher muß ich also allen denen danken, die mich durch ihr Vertrauen geehrt und ermuthigt haben. Berlin, den 25. Juni 1889. Heinrich v. Treitschke." Als alleiniger Herausgeber ist auf dem Titelblatte Herr Professor vr. Hans Delbrück genannt. Der „B. B.-C." fügt hinzu: „Der Rücktritt des Herrn von Treitschke erfolgt, weil den Preußischen Jahrbüchern allmählich ein Ekel vor dem Antisemitismus angekommen ist. Da konnte freilich Herr von Treitschke nicht bleiben." Ob dies Letztere richtig ist, wissen wir nicht. Indessen steht fest, daß die Preußischen Jahrbücher seit einigen Monaten nichts Antisemitisches enthalten haben. Uebrigens wird Herr v. Treitschke Gelegenheit haben, seine Feindseligkeit gegen uns in der Fortsetzung seiner neueren deutschen Geschichte um so mehr zu bekunden. Berlin, 10. Juli. (Privatmitth.) Niemand wird cs den jüdischen Gemeinden in Frankreich verargen, wenn sie an der 100jährigen Feier von 1789 einen regen Antheil nehmen und das große Ereigniß durch Gottesdienst in ihren Synagogen feiern. Hat doch die Gleichstellung in Frankreich sofort ihre vollständige Erfüllung gesunden und späterhin —

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