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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-06-27 · Heft 26 (27.6.1889) · p. Seite 410

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 26 (27.6.1889)
Date
1889-06-27
Page
Seite 410 (sequence 14)
Language
German
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410 Vortrage gelangte. Namens der beiden Commissionen für die Schule und den Jugendgoitesdienst überreichte hierauf Herr S. Oelsner dem Leiter der Anstalt, der bereits 1882 sein 40jähriges Lehrerjubiläum gefeiert hat und nunmehr mit dem Jubiläum der Anstalt zugleich die Dauer der 25jährigen Direction beging, ein kostbares Geschenk. Bereits vorher hatte ein Comite ehemaliger Schüler der Anstalt den Jubilar in seiner Wohnung durch eine Adresse und werthvolles Angebinde beglückwünscht. — Man berichtet aus Rotterdam, daß der dortige Stadtrath eine Subvention von 9,700 Florins für das Comits der israelitischen Armen votirt hat. — Man berichtet aus Philadelphia (Nordamerika): die Anzahl der russich-polnischen Juden ist am hiesigen Orte sehr groß geworden und steht sich gewerblich nicht übel. Der Beweis hierfür ergiebt sich wohl daraus, daß sie sich einen besonderen Theatersaal geschaffen hat mit einem gut organisirten Orchester. Die Stücke, die hier aufgeführt werden, sind ausschließlich aus dem biblischen oder jüdischen Leben gezogen und werden so trefflich dargestellt, daß sie auch christliche Zuhörer anziehen. Ein Zugstück ist betitelt: „Kain, oder der Brudermörder". — Die israelitische Ieuit Erinnerungen aus der Belagerung von Metz 1870. Von Hyppolite Levy. In deni „Annuaire des Arcliives Israelites“ für das Jahr 5650, das Herr H. Prague bereits zum sechsten Male herausgegeben, finden sich Erinnerungen aus der Belagerung von Metz, welche in ihrem einfachen Stil so recht das Gepräge der Wahrheit an sich tragen und ein Bild der Bedrängnisse geben, welche die Bewohner der vielumstrittenen Stadt zu ertragen hatten, besonders auch vom israelitischen Standpunkte interessante Notizen enthalten. Wir entuehnien deßhalb diese Erinnerungen dem trefflichen Jahrbuch. Die erste Episode, die ich schildern will, ist sehr traurig und zeigt, zu welchen Excessen sich die Menge Hinreißen läßt, wenn sie zügellos und sich selbst überlassen ist und blindlings handelt, ohne sich ihrer Handlung bewußt zu sein. — Bei der Nachricht unserer ersten Niederlagen, beniächtigte sich aller Geister eine große und wohlberechtigte Aufregung, und viele konnten sich diese Niederlagen nur dadurch erklären, daß sie überall Verräther und Spione erblickten. — Am Sonntag den 7. August stürzte sich gegen sechs Uhr Abends eine große Menge, meistens aus Soldaten bestehend, auf das Haus eines unglücklichen Porzellanhändlers, Namens Gustav Mayer, eines Mannes von 29 Jahren, der aus Köln gebürtig, aber schon lange in Metz wohnte und den einige unbedachte Worte wahrscheinlich ungerechter Weise der Spio- Jugend von Algier hat unter dem Namen l'Avenir Algerien einen Verein für Fechten und gymnastische Uebungen gebildet, der gute Fortschritte macht. Er schließt übrigens keinen Cultus, keine Nationalität oder politische Meinung aus. Dies hat auf die öffentliche Meinung einen sehr guten Eindruck gemacht, und die Zeitschrift gleichen Namens erinnert daran, welchen guten Empfang und ausgedehnte Gastfreundschaft die Franzosen 1830 bei den einheimischen Juden gefunden, wie schnell die jüdische Jugend damals französisch lernte und den Franzosen die wichtigsten Dienste leisteten, da unter den Franzosen nur wenige etwas von der Landessprache verstanden. Einem Einweihe-Punsch, welchen der Verein am 9. Mai in seinen Sälen gab, wohnten der Generalsecretär der Regierung, der Präfect von Algier und eine große Anzahl von Civil- und Militärbeamten bei. — Man schreibt uns aus Ratibor: Der Vorstand und die Repräsentantenversammlung haben den Herrn vr. Adolf Blumenthal aus Berlin einstimmig zum Rabbiner gewählt und zwar unter 27 Bewerbern. Herr Blumenthal hat sich bereits durch mehrere Schriften einen Ruf erworben. te 1 on. nage verdächtigt hatten; man zertrümmerte Alles, nicht nur in seinem Magazin, sondern auch in den oberen Etagen des Hauses, wo die Räume, welche von anderen Miethern bewohnt wurden, der Schauplatz derselben Scenen der Verwüstung wurden. — Während des Ueberfalls seines Hauses verschwand der Unglückliche und man fand 'ihn erst sechs Tage später in seinem Alkoven, wo er sich erhängte, während seine Wohnung verwüstet wurde. Erst kurz verheirathet, hinterließ er eine Wittwe und ein kleines Kind. Bei der Durchsuchung seiner Papiere und seiner Corresspoudenz stellte sich seine vollkommene Unschuld an dem Verbrechen heraus, dessen eine bethörte Menge ihn beschuldigte. Ein Echo dieses beklagenswerthen Ereignisses findet sich in jener albernen Depesche der Agence Havas, unter der Rubrik: Metz 8. August, welche durch alle Journale ging: „Man beschuldigt mehrere Israeliten, Preußen von Herzen wie von Geburt zu sein, aber es ist etwas Uebertreibung dabei." Vielen Dank dieser Entenfabrik, in dieser Nachricht Uebertreibung gesehen zu haben; aber wenn sie eine Uebertreibung darin erblickte, wer nöthigte sie, sie zu veröffentlichen? Hingegen bin ich sicher, daß keines der Journale, welche diese falsche Beschuldigung gebracht, mitgetheilt hat, daß unter den Offizieren, die verwundet wurden, als sie tapfer ihre Pflicht in den zahlreichen Kämpfen um unsere Stadt herum thaten und nach Metz zurückgebracht wurden, der erste

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