Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1889)
- Date
- 1889-06-27
- Page
- Seite 409 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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409 angelegenheiten von maßgebendem Einflüsse. Dem Landes- Rabbiuerseminar gehörte er seit der Gründung desselben als Mitglied des Directionsrathes an; seit dem Tode Steinhardt's war er Präsident der Prüfungs-Commission. Hochmuth veröffentlichte eine Religionslehre in deutscher und ungarischer Sprache und wurde von den Gegnern Löw's gedungen, das Buch: „Leopold Löw als Theologe, Historiker und Publizist gewürdigt" zu schreiben, ein Werk, das weder seinen Namen, noch seinem Charakter zur Ehre gereichte. Das Begräbniß des Rabbiners Hochmuth fand den 12. d. unter großer Betheiligung statt. Die Behörden, die Gymnasialjugend mit dem Professorenkörper, zahlreiche anderen Confessionen angehörende Geistliche und viele Deputationen nahmen an der Leichenfeier, die zwei Stunden dauerte, theil. Die Rabbiner aus Stuhlweißenburg und Raab, sowie die Professoren des Landes-Rabbiner-Seininars vr. Bacher und vr. Bänöczi hielten Leichenreden. Frankreich. Paris, 15. Juni. Man wird sich aus der vorige» Pariser Weltausstellung erinnern, wie in derselben die Judenmissionäre ein besonderes Kiosk hatten und von da aus eine eifrige Thätigkeit zur Verbreitung zahlloser Tractätchen und zu nicht geringer Belästigung des Publicums trieben. In der gegenwärtigen Weltausstellung findet dies noch in erhöhtem Maße statt. Ein witziger Correspondent der „Frkf. Ztg." schildert dies mit folgenden Worten: „Den größten Geschäftseifer entwickeln auf der Ausstellung entschieden — nächst den Pickpvckets — die Agenten der Judenbekehrungsmissionen. Wer sich rühmen kann, mit einem adlerhaften Riechorgane ausgestattet zu sein, und wäre er auch ein rechtgläubiger Abessynier, ein Afghane oder einfach ein Südfranzose — thut nichts, er wird, zwar nicht verbrannt, aber so mit Tractätchen tractirt, daß ihm nur die schwierige Wahl bleibt, sein Heil in der Taufe, beziehentlich Wiedertaufe, oder in der Flucht zu suchen. „D’oü vient l’argent?“ möchte man, wie beim Boulangismus, bei diesem denkbar undankbarsten Unternehmen fragen, für welches offenbar nicht einmal im Jenseits den Aquisiteuren erhebliche Tantiemen gezahlt werden dürften, während sie im Diesseits und namentlich in den Gängen der Ausstellung nur den schnödesten Abweisungen, ja sogar, wenn sie sich den wirklichen oder vermeintlichen Semiten geschickt nähern, um ihnen das Evangelium Matthäi in hebräischer Übersetzung von „Ha-chochom Professor Franz Delitzsch" in die Rocktasche zu practiziren, den unangenehmsten Mißverständnissen ausgesetzt sind." Großbritannien. London, im Juni. Das Wohlthätigkeits - Comiis für die Israeliten Londons hat seinen 13. Jahresbericht ausgegeben. Im verflossenen Jahre hat es 339 l fremde Juden unterstützt, von welchen 769 in ihr Vaterland zurückgefördert wurden. Die große Mehrzahl der Unterstützten waren russischpolnische Juden. Man muß jedoch nicht glauben, daß alle dieser Nationalität Angehörigen mittellos sind, denn 35 °/„ der aufzuwendenden Kosten wurden aus der Mitte derselben getragen. Palästina. Konstantinopel, 10. Juni. Der britische Consularagent in Jaffa erwähnt in seinem Bericht über den Handel seines Bezirkes, daß der Sultan einem türkischen Unterthanen Namens Joseph Navon für 71 Jahre eine Concession für den Bau einer Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem gewährt habe. Zur Ausführung des Projectes hat sich eine englischfranzösische Gesellschaft gebildet und der Bau der Bahn soll bald in Angriff genommen werden. Der Consul erwähnt gleichzeitig, daß die jüdischen Colonien in Palästina sich wesentlich bessern; eine derselben, Rischon le Zion genannt, hat etwa 2,000,000 Weinstöcke gepflanzt, die alle viel versprechend sind. Die Colonisten, größtentheils türkische Unterthanen, sind gute Arbeiter. Bonn, 23. Juni. (Notizen.) Man schreibt aus Breslau: Am Donnerstag, den 5. Juni, beging die unter Leitung des Herrn Rabbiner vr. P. Neustadt steheude „Hebräische Unterrichtsanstalt" im Anschluß an die Prüfung der Zöglinge die Feier ihres fünfundzwanzigjährigen Bestehens, zu welcher sich im Saale der städtischen katholischen höheren Bürgerschule die Schuleommission, der Vorstand des Jugendgottesdienstes, Deputirte von Synagogen und Corporationen, sowie auch der Herr Rabbiner vr. Rosenthal und der Stadtschulinspector Herr vr. Handloß eingefunden hatten. Nachdem von den 7 Knabeuelassen 4 Classen durch 4 Lehrer geprüft waren, schloß hieran der Dirigent der Anstalt, Herr vr. P. Neustadt, die Festrede, in der er der Geschichte der Jubelanstalt Worte der Erinnerung weihte. Hervorgehoben j zu werden verdient, daß es dem rastlosen Eifer des Leiters! der Anstalt gelungen ist, dieselbe aus kleinen Anfängen in I dem verflossenen Zeiträume zu einer zehnclassigen Schule j (7 Knaben- und 3 Mädchenclaffen) zu erheben, an welcher > 5 Lehrer und 2 Lehrerinnen wirken, während durch Unterj richtslocale in drei Stadttheilen den Schülern Ersparniß an j Weg und Zeit für ihre Schularbeit gewährt wird. Endlich J wird auch Der besonders gepflegte Jugendgottesdienst noch in j diesem Jahre in einer bereits im Bau befindlichen Anstalts-! Synagoge seine Heimstätte finden. Specielle Cassen sorgen! für die verschiedensten Zwecke der Ausbildung von befähigten! Schülern. Auch der zahlreichen Gönner wurde dankend ge- , dacht, während für die bereits verstorbenen ein Gebet zum