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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-06-27 · Heft 26 (27.6.1889) · p. Seite 408

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 26 (27.6.1889)
Date
1889-06-27
Page
Seite 408 (sequence 12)
Language
German
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408 öffentlich mittheilte, sich der Regierungspräsident von Rosen persönlich zu vr. König bemüht hat, um eine Aendernng in dem ursprünglich für den Antisemitentag aufgestellten Programm herbeizusühre»; man meint, Herr von Rosen habe keine Verpflichtung, bei der Aufstellung eines solchen Programms mitzuwirken. Oesterreich-Ungar». Wien, 17. Juni. (Boss. Ztg.) Im Schoße der Wie- »er „Deutsch-nationalen Antisemitenpartei" sind heftige Zwistigkeiten ausgebrochcn. Bekanntlich hat der Abgeordnete Türk anläßlich der neuerlichen Verhandlung des Wehrgesetzes im Abgeordnetenhause Aeußerungen gethan, welche die Bundestreue unserer Monarchie gegenüber Deutschland verdächtigten und herabsetzten und welche im Abgeordnetenhause einen solchen Sturm der Entrüstung erregten, daß die Obmänner aller Parteien des Hauses sich veranlaßt sahen, in kräftigster Weise dagegen Stellung zu nehnien. Auch Abgeordneter Fiegl, als damaliger Vorsitzender des „Verbandes der Deutschnationalen", gab eine Erklärung ab, worin er betonte, daß Türk nur im eigenen Namen gesprochen habe. An diesen Vorgang wurde in der Versammlung des Mariahilfer „Deutschen Bezirksvereins" angeknüpft und gegen Fiegl der Borwurf erhoben, daß er sich gegen Türk aufgelehnt und das Parteiprogranun verletzt habe. Gegen den letzteren Vorwurf vertheidigte sich Fiegl und wies klar nach, daß das Parteiprogramm Anhänglichkeit an das Kaiserhaus nicht ausschließe. Professor Schnarf unterstützte ihn; beide fanden aber keine Gnade, die Majorität beschloß vielmehr, daß sie aus dem Verein oustreten müssen. — In Wels hielt gestern der oberösterreichische Bauernverein eine Versammlung, bei welcher es zum endgiltigen Bruche mit den Antisemiten gekommen ist. Die anwesenden Vertheidiger des Antisemitismus mußten die für sie unerfreuliche Wahrnehmung machen, daß sie unter der unabhängigen Bauernschaft zunächst der Provinz Oberösterreich ihre Rolle ausgespielt haben. Fünskirchen, 16. Juni. Wir berichteten bereits über den großartigen Empfang des Nuntius Galimberti in Fünfkirchen. Nachträglich theile ich Ihnen noch eine Episode mit, die weitere Kreise intercssiren wird. Am Sonntag, 1 Uhr Mittags, gab Bischof Dulünßky seinem hohen Gaste zu Ehren ein Festmahl, dem in Folge der beschränkten Räumlichkeiten in der bischöflichen Residenz außer den in Fünskirchen weilenden höheren Geistlichen nur die Vorstände der Militär- und Civilbehörden beiwohnte». Damit aber der Bischof seinen Liberalismus auch bei dieser Gelegenheit documentire, wurde auch ein Mitglied des jüdischen Repräsentantenkörpers, Herr Josef Engel de JLnosi, geladen. Nach Verrichtung des Nachtischgebetes hielt der Nuntius Cercle, bei welcher Gelegenheit Bischof Dulünßky Herrn Engel als Sohn eines jüdischen Großgrundbesitzers vorstellte, der auf seinen Gütern eine katholische Schule errichtete und das Patronat über die Kirche einer Gemeinde ausübe. Erfreut drückte Nuntius Galimberti dem Vorgestellten die Hand und bemerkte Folgendes: „Unsere Kirche steht Ihrem Glauben keinesfalls feindlich gegenüber, da sie doch aus demselben hervorging und viele Berührungspunkte, wie die Bibel, die Propheten, Psalmen rc. mit demselben hat. Jede positive Religion ist dem Atheismus vorzuziehen, der die sociale Ordnung zerstört, daher sollen alle Confessionen einig sein und friedlich unter einander wirken." Zum Schluffe der in französischer Sprache geführten Conversation bemerkte Galimberti: „Versichern Sie, ich bitte Sie darum, Ihre Glaubensgenossen meiner dauernden Sympathie!" Diese liberale Aeußerung des Nuntius, die mit dem Gedankengange und den Handlungen eines Theiles, insbesondere des niederen Clerus nicht ganz harmonirt, wird um so tieferen Eindruck machen, da in den Worten des Nuntius zweifellos auch die Ansicht des Papstes Ausdruck fand. Aus Ungarn, im Juni. Graf Gsza Teleki der künftige Minister des Innern, der die Feiertage im Szatmärer Comitat zubrachte, hat eine Deputation der Nagysomkuter Jsraelitengemeinde empfangen, in deren Namen der emeritirte Rabbiner Horowitz eine ungarische Begrüßungsansprache an de» Grafen hielt. In einer halbstündigen Rede dankte dieser für die Ovation und bemerkte u. A., daß die ungaririschen Juden in jeder Beziehung mehrfach bewiesen haben, daß sie treue Söhne dieses Landes und opferbereite, pflichteifrige Staatsbürger seien. Nicht nur meinerseits, sagte er, sondern auch seitens der ganzen Regierung kann ich Ihnen die Versicherung geben, daß Sie stets auf den wirksamen Schutz und auf die Würdigung seitens der Regierung zäülen können. Diese Enunciation rief große Begeisterung hervor. Nach dem Empfange sprach Graf Teleki noch längere Zeit freundlich mit den Deputations-Mitgliedern. Preßburg, 16. Juni. (Privatmitth.) Mit Befriedigung registriren wir, daß Graf Josef Zichy, der neuernannte Obergespan des Preßburger Comitats, das bekanntlich von jeher ein Herd des Antisemitismus ist, in seiner Jnstallationsrede besonders hervorhob, daß er einen Unterschied der Confession nicht kenne. Er wird, versicherte er, ohne Unterschied der Religion und Sprache in der Frage der Bürgerrechte und der Sicherung des Familienlebens jedes Bestreben, jeden Fortschritt fördern. „Ungarn ist stark genug, um seinen Bürgern mit wahrem Liberalismus zu gestatten, zu ihrem Gott in welchem Glauben immer zu beten." Veßprim, 11. Juni. (Privatmitth.) Gestern verschied im Alter von 73 Jahren der hiesige Oberrabbiner Abraham Hochmuth, einer der angesehensten Rabbiner Ungarns. Zur Zeit des Congresses war er eine der hervorragendsten Stützen der Fortschrittspartei und war sein Wort, besonders in Schul-

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