Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1889)
- Date
- 1889-06-27
- Page
- Seite 405 (sequence 9)
- Language
- German
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405 würden sie dann strenge Strafe erlitten haben. Wirklich versicherte ihm der spanische Diplomat, jene seien in der That Maranen, die einst in Coimbro Christen gewesen; ihre Namen seien Pablo, Hernando und Rny Lopez, sowie Rodriguez, und einer von ihnen sei selbst Doctor der Rechte'). Allein einen Beweis dafür konnte er nicht beibringen, so unwahrscheinlich auch die Ausrede der vier Israeliten war. Inzwischen erging, am 27. November 1573, das dem Nuntius angekündigte Edict des Herzogs. Es lautete: „Emanuel Philibert, von Gottes Gnaden Herzog von Savoyen, Fürst von Piemont u. s. w. „Da man Uns unterrichtet hat, daß unter den Hebräern, denen wir die Erlaubniß bewilligt haben, in Unsere Länder wohnen zu kommen, mn dort Handel und Gewerbe zu treiben, sich einige abtrünnige Maranen, d. h. Leute befinden, die nach erhaltener Taufe später Unfern Glauben verlasse» und das Judenthum angenommen haben, was Unserer Gesinnung durchaus zuwider ist; und da Wir solche Menschen nicht in Unseren genannten Staaten dulden wollen, sowohl weil dies Unserm Gesetze und den heiligen Kirchendekreten zuwider ist, als auch um die Aergernisse und Uebelstände, die daraus erwachsen könnten, zu verhüten, — So befehlen Wir hiermit öffentlich, daß jeder abtrünnige Marane des einen oder andern Geschlechtes, der sich in jenen befinde, 1) Dep. Martoranos v. 6. 19. November 1578. dieselben im Verlaufe von sechs Monaten gegenwärtiger Bekanntmachung verlassen und, bei Verlust des Lebens und aller seiner Güter, niemals in dieselben znrückkehren soll. Zugleich erklären Wir, daß, wenn vielleicht einige dieser Maranen aus Privilegien, die Wir ihnen oder den Hebräern zugestanden, oder aus irgend einer von Uns gethanen Sache den Borwand ziehen könnten, Wir hätten ihnen gestattet, in Unfern Staaten zu verweilen. Wir in solchem Falle derartige Erlaubniß zurücknehmen und als nichtig bezeichnen. Gegeben in Turin u. s. w." Das klang nun recht fürchterlich — aber es klang auch nur so. Den vier Maranen und ihren Angehörigen ließ sich nicht Nachweise», daß sie einst Christen gewesen, und sie fuhren fort, ruhig im Piemontischen zu wohnen. Der Herzog blieb dabei, er werde sie nach dem Wortlaute seines Edictes strafen, wenn sie überführt würden, Renegaten des Christenthums zu sein; bis dahin aber habe er keinen Grund, ihnen Uebles zu thun'). So hatte Emanuel Philiberts Klugheit und Menschenfreundlichkeit über die Unduldsamkeit des päpstlichen Stuhles und seiner Diener völlig den Sieg davon getragen. Der Verlauf der Angelegenheit ist so eigenthümlich und zugleich so charakteristisch, daß es uns der Mühe werth schien, ihn der Vergessenheit zu entreißen. Martin Philipp so n. l) Dep. Martoranos 5. 25. März 1574. Deutschland. Berlin, 16. Juni. (Privalmitth.) Der hier seit 6 Jahren bestehende „Akademische Verein für jüd. Geschichte und Litteratur" hat über das Wintersemester 1888—89 einen Bericht erstattet. Nach diesem zählt der Verein 18 active Mitglieder, 21 alte Herren und drei Ehrenmitglieder. Vorträge wurden neun gehalten, nämlich: 1. st. xli. Samuel: Die Psalmen nach ihrer stofflichen Verschiedenheit. 2. H. Jul. Steinschneider: Die Judenverfolgung unter Chinel. 3. Dr. Taglicht: Gemeindeordnung nach talmudischem Recht. 1. 8t. xd. Ludw. Klein: Paedagogische Aussprüche im Talmud. 5. 8t. xd. Hochfeld: Die Musik bei den Juden. 6. 8t. xd. Pulvermacher: Humanistische Studien der italien. Juden im 16. und 17. Jahrhundert. 7. Herr Di-. D. Cassel: Althebräische Spruchwcisheit. 8. Herr Dr. I. Ritter: Sam. Holdheim. 9. Herr Jul. Steinschneider: Zur vergleichenden Liturgie. Den Vorträgen wohnten zahlreiche Gäste an. Die Vereinsbibliothek ist im Wachsen, und die finanzielle Lage den Bedürfnissen entsprechend. Berlin, 18. Juni. (Privatmitth.) Zur Klärung der Lage dient es, zu erfahren, wie sich die „Kreuzzeitung" zu dem Bochumer Antisemitentag verhält. Diese zögerte denn auch nicht, sich hierüber auszulassen. Sie drückte ihre Freude darüber aus, daß die Stöckerianer den Sieg über die Böckelianer gehabt hätten und meint, die Antisemiten wären so conservativ geworden, daß die Conservativen keinen Anstand zu nehmen brauchten, sich mit den Antisemiten zu verbinden. Dies war aber seitens der Conservativen vom Schlage der Kreuzztg. längst der Fall. Jndeß wird die Kreuzztg. der Welt nichts weiß machen können. Nicht Stöcker hat den Sieg in Bochum erlangt, sondern Böckel, wenn dieser auch mit ein paar Dutzend Leute unkluger Weise den Saal verlassen hat. Denn das angenommene Programm enthält in deni, die Juden betreffenden Art. 7 die von Böckel prokla- 26