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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-06-27 · Heft 26 (27.6.1889) · p. Seite 400

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 26 (27.6.1889)
Date
1889-06-27
Page
Seite 400 (sequence 4)
Language
German
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400 man zur Beseitigung des Judenthums aufbringt. Als Mittel bedient man sich des Umstandes, daß Juden in der Finanzwelt eine nicht unbedeutende Rolle spielen, und daß eine auch noch so geringe Zahl von Juden Grundbesitz erworben haben. Sofort behauptet man, die Juden, um zur Weltherrschaft zu gelangen, streben danach, alles Capital und allen Grundbesitz an sich zu reißen. Das, glaubt man, wird der christlichen Welt einleuchten. Und um es nicht als bloße Voraussetzung erscheinen zu lassen, erlügt man Circulare einer jüdischen Autorität,wie der Alliance isr. uni v., schmiedet also Doeumente,die vonJuden verfaßt sein sollen, welche der ganzen jüdischen Masse die Wege vorschreiben soll, die zum erwünschten Ziele führen würden. So geschehen, und die „Germania" und die von ihr abhängigen Blätter denunciren ein solches Document der Welt. Jndeß unsere Zeit möchte für eine solche Jntrigue doch nicht sehr geeignet sein. Gelang es auch den gewaltigen Anstrengungen der Antisemiten, eine Entfremdung der Gemächer, eine Voreingenommenheit gegen die Juden wieder hervorzurufen, so können sie doch den kritischen Verstand nicht in Fesseln schlagen, um nicht alsbald die ganze künstliche Procedur und die Erlogenheit solcher Schriftstücke erkennen zu lassen. Schließlich fallen solche Manöver auf die Urheber selbst zurück und vermindern nur das Ansehen einer Partei, die zu solchen Mitteln ihre Zuflucht nimmt, ooer doch in ihrer Mitte duldet. Die Spaltung, die in der Gegenwart schon so tiefgehend ist, wird hierdurch nur noch erweitert. Am 11. d. fand in Bochum der schon seit so langer Zeit angekündigte „internationale Antisemitentag" statt, wozu auch einige Genossen aus Oesterreich, man nannte den Abg. Türk, und aus Frankreich gekommen sein sollen. Aus Deutschland werden nur die gewerbsmäßigen Antisemiten, wie Dr. Förster, Liebermann von Sonnenberg, Dr. König, Fritzsch. (Leipzig), Dr. Böckel als anwesend genannt. Sie hielten am 10. eine Art Volksfest, zu welchem sich einige Hundert wohl Neugierige eingestellt hatten, am 11. die Versammlung des engeren Kreises in zwei Sitzungen. Doch geben wir zuerst einen Bericht, welchen wir mehreren Zeitungen entnehmen. Es handelte sich zunächst um die Feststellung eines gemeinsamen politischen Programms der Antisemiten und eines Namens der Partei. Dr. Paul Förster aus Berlin begründete Zunächst einen Vorschlag, den Namen „Deutsche sociale Partei" anzunehmen; in der Benennung müsse das socialmonarchische Princip deutlich ausgeprägt werden. Deutsch bezeichne das bisherige „Antisemit", social sage, daß die Partei sich völlig im Fahrwasser des von den Hohenzollern geleiteten Staatsschiffes befinde. Die weitere Erörterung über den Namen wurde ausgesetzt und nun ein von den Herren Dr. Förster, Liebermann von Sonnenberg, Stehlich in Cassel, Fritzsch in Leipzig und Dr. König ausgearbeiteter Entwurf eines Parteiprogramms zur Berathung gestellt. Dr. Böckel vermißte in dem Programm die Erklärung gegen die Judentaufe; wenn die Bestimmungen des verlesenen Programms zur Durchführung kämen, würden die meisten Juden sich taufen lassen und dann wären sie die Gefoppten. Redner wünscht die Judenfrage als nationale Frage zu behandeln. -Oberlehrer Dr. Barth aus Dortmund erklärte sich Namens des von ihm vertretenen Dortmunder Vereins gegen jede Aufstellung eines gemeinsamen Parteiprogramms und gegen die Namensänderung. Es würde zu weit führen, die Namen all der Redner — von dem verhältnißmäßig zahmen, auf dem orthodoxen Standpunkte des Herrn Stöcker stehenden Antisemitismus bis zu dem radicalen des Herrn Böckel — zu veröffentlichen. Es wurde versucht, die zum Ausdrucke gelangenden Gegensätze durch die Annahme einer Resolution zu beschwichtigen. In langer, sich bis nach 8 Uhr Abends hinziehender Erörterung wurde das Programm der Partei, . welche den von Herrn Förster vorgeschlagenen Namen erhielt, festgesetzt. Dasselbe verlangt eine christliche Weltanschauung, eine starke kaiserliche Gewalt bei gewissenhafter Achtung der Rechte der Bundesfürsten, eine starke Heeresmacht zu Lande und zu Wasser, bescheidene Diäten für die Reichstagsabgeordneten, und stellt eine Reihe socialer Forderungen. Die Quintessenz liegt indessen im § 7, welcher lautet: „7. Die Partei sieht in der Judenfrage keine bloße Rassen- oder Religionsfrage, sondern eine Frage internationalen und nationalen, socialpolitischen und sittlich-religiösen Charakters. Die Deutschsociale Partei erachtet es daher für ihre Pflicht, den volksschädlichen und staatsgefährlichen Einfluß des internationalen Judenthums aus allen Gebieten des öffentlichen, gesellschaftlichen und wirthschaftlichen Lebens mit gesetzlichen Mitteln zu bekämpfen, das deutsche Volk über die Judengefahr aufzuklären und die Regierung zum Abschlüsse internationaler Vereinbarungen, insbesondere gegen die gefahrdrohende Anhäufung des jüdischen Capitals zu drängen. Um Licht darüber zu verbreiten, ob in den für die Juden verbindlichen Religionslehren Staatsgefährlichkeit enthalten ist, müßte baldigst von Staatswegen eine wissenschaftliche Untersuchungsbehörde zur Uebersetzung der im Talmud und in der rabbinischen Literatur niedergelegten religiösen, rituellen und moralischen Vorschriften eingesetzt werden. Die sociale Neu-Ordnung auf dem Boden der Berufskreise und Erwerbsstände soll es diesen ermöglichen, sittlich untaugliche Bestandtheile von sich fern zu halten, insbesondere sich von dem Eindringen des Judenthums durch das Recht der freien Aufnahme und durch Ehrengerichte frei zu halten. Als ihr Ziel faßt die deutsch-sociale Partei die Aufhebung der Gleichberechtigung und Stellung der Juden unter Fremdeurecht in

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