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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-06-20 · Heft 25 (20.6.1889) · p. Seite 390

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 25 (20.6.1889)
Date
1889-06-20
Page
Seite 390 (sequence 10)
Language
German
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390 gesäet worden wäre. An diese Mahnung an die schwankenden Elemente knüpfte Plener den Dank für den verfassungstreuen Großgrundbesitz, der sich von seinen Stammes- und Parteigenossen nicht trennen lasse. Pest, den 7. Juni. (Privatmitth.) Der Jahresbericht der hiesigen „Landes-Rabbinerschule" für das Schuljahr 1887—88 ist erst in diesen Tagen, kurz vor Schluß des Schuljahres 1888—89, erschienen. Die Anzahl der Hörer und Schüler der Anstalt hat auch in diesem Jahre zugenomine», und zwar waren in der unteren Abtheilung 102 Schüler, in der oberen 23 Hörer eingeschrieben. Als Rabbiner wurden nach bestandener Prüfung 7, welche in vaterländischen Gemeinden amtliche Wirksamkeit fanden. Herr Prof. S. L. Brill, der seit dem Bestehen der Anstalt den Talmud lehrte, schied gegen Ende des vorigen Schuljahres mit Rücksicht auf sein vorgeschrittenes Alter aus dem Lehrkörper. Die Bemühungen der leitenden Commission und des Lehrkörpers, Herrn Prof. Brill zur Zurücknahme seiner Abdankung zu bewegen, blieben erfolglos, was aus mehrfachen Gründen sehr zu bedauern ist. — Die Bibliothek der Anstalt wurde auch in diesem Jahre durch Schenkungen und Ankäufe vermehrt, und dem Unterstützungs-Vereine „Ez-Ehajim" flössen wie in früheren Jahren Schenkungen zu. Dem Jahresberichte voran geht eine größere Arbeit des Prof. vr. D. Kaufmann über „die letzte Vertreibung der Juden aus Wien und Niederösterreich, ihre Vorgeschichte und ihre Opfer", auf die wir demnächst zurückkommen. Lemberg, 7. Juni. Der Ministerpräsident, Graf Ta affe, empfing gestern in Lemberg auch den Vorstand der jüdischen Kultusgemeinde und sagte: mit Vergnügen habe er die Wahrnehmung gemacht, daß in diesem Lande der Antisemitismus nicht in solchem Grade aufgetreten sei, wie in einem anderen Kronlande, wo, wie ihnen bekannt, brdauernslverthe Ausschreitungen vorgekommen seien; aber auch dort sei diese Störung nicht so sehr auf Judenhaß zurückzuführeu, als vielmehr darauf, daß der Antisemitismus einigen kleinen Fraktionen als Deckmantel für ihre mannigfachen Bestrebungen diene. Uebrigens habe diese Strömung auch dort ihren Höhepunkt bereits erreicht. Man habe der Regierung nahegelegt, die antisemitische Bewegung durch Ausnahmsmaßregeln zu bekämpfen; aber sie würden einsehen, daß mit solchen Mitteln gegen den Antisemitismus nichts ausgerichtet werden könnte. Auch in Böhmen habe die antisemitische Bewegung, Dank dem Takte der Judenschast, keine große Ausdehnung genommen. „Nehmen Sie die Versicherung entj gegen," so schloß der Ministerpräsident, „daß die Regierung darauf bedacht ist, Ihnen die staatsgrundgesetzlich gewährten Rechte zu schützen." Frankreich. Paris, 11. Juni. Man kann voraussetzen, daß die hundertjährige Feier der Revolution von 1789 in allen Synagogen Frankreichs, Algeriens und Tunis durch besonderen Gottesdienst begangen wurde, und daß dabei begeisterte Reden, insbesondere Danksagungen für die Befreiung der Juden von schmählichem Druck und für ihre Erhebung zu gleichberechtigten Bürgern aus dem Munde der jüdischen Kanzelredner flössen. Wie sich die Dinge in jener Zeit entwickelten und wie das Verhältniß zwischen Staat und Kirche gegenwärtig in Frankreich liegen, ist es natürlich, daß gerade die jüdische Geistlichkeit — von einer solchen kann man nach den französischen Gesetzen reden — die ungeheuchelste Dankbarkeit hegen und aussprechen kann. Zwar nicht durch die Revolution, sondern erst durch deren Sohn und Erben, den Kaiser Napoleon, wurde in Frankreich die Synagoge wieder aufgerichtet und organisirt, sowie unter der Julimonarchie mit einem Kultusetat versehen. Daß die Emanzipation von Frankreich aus auf die übrigen europäischen Staaten — mit Ausnahme der östlichen — ihren Reflex warf, brauchen wir hier nicht weiter auszuführen. Genug, die französischen Israeliten haben vollen Grund, die Centennarfeier mit ganzem Herzen zu begehen, und ihren Patriotismus mit dem Bewußtsein als Juden in unbedingten Einklang zu fühlen. — Trotz allem Wühlen antisemitischen Gesindels in Algerien macht sich doch auch hier die richtige Erkenntniß der Thatsachen Raum. So mögen wir, giftigen Beschuldigungen gegenüber, folgende Stelle aus dem „Aveniv Algerien“ anführen : „Man klagt die Juden des Wuchers an. Ach! schreien wir nicht zu hoch, wir sind in Wirklichkeit mindestens ebenso stark in diesen Dingen wie sie. In Algerien wie in Tunis üben sehr orthodoxe Christen, soweit es nur in ihrer Macht steht, den Wucher aus. Wir kennen glühende Katholiken, und nennen ihre Namen nur aus Rücksicht nicht, welche den Wucher mit einer ungestörten Gewissensruhe und einer rührenden Heiterkeit ausüben, was sie nicht hindert, jeden Morgen in die Messe zu gehen und als sehr ehrenfeste Leute den Kopf hoch zu tragen. Lassen wir also die Juden in Ruhe und suchen wir nicht den Strohhalm in den Augen anderer, während der Balken in den unsrigen steckt." Rußland. In Jekaterinosslaw, berüchtigt durch frühere Vorgänge, ist wieder einmal der Versuch zu einer Judenhetze gemacht worden. Der Tumult begann auf drei Stellen: auf dem Ostroshny Platz, der Peterburgskaja Straße und bei der Holzbörse. Auf dem Ostroshny Platz hatte der Cirkus Suhr ein

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