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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-06-20 · Heft 25 (20.6.1889) · p. Seite 388

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 25 (20.6.1889)
Date
1889-06-20
Page
Seite 388 (sequence 8)
Language
German
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388 richtung dieser oft schwierigen Angelegenheit zu überzeugen.! Ein gleiches Streben, fachgemäßer Organisation immer näherj zu kommen und die angestrebten Ziele möglichst zu erreichen, zeigt sich übrigens auch in den Abschnitten über Synagoge, Religionsunterricht, Friedhof und Armenpflege. Die Ge meinde zählt jetzt 1059 steuerpflichtige Mitglieder, welche 33,269 M. Cultussteuer bezahlen. Die sämmtlichen Einnahmen, worunter ein Beitrag der Stadt Leipzig mit 600 M., betrugen 50,701 M., von welchen 2700 M. zur Tilgung der Anleihen verwendet wurden. Merkwürdig entwickelt ist das Wohlthätigkeitswesen in unserer Gemeinde, wobei zu erwägen ist, welchen kurzen Zeitraum sie hinter sich hat. Wir zählen hier 28 Stiftungen und Vereine zu wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken, die meisten mit recht ansehnlichen Fonds. Im verflossenen Jahre wurde von der Gemeinde auch die „Brodyersynagoge" in ihre Verwaltung übernommen mit dem Vorbehalt, daß in derselben der orthodoxe Ritus beibehalten werde. Die Gemeindevertretung war hiermit einverstanden, indem sie aussprach, daß es die Pflicht der Gesammtgemeinde sei, den religiösen Bedürfnissen aller Richtungen zu genügen. So können wir nur wünschen, daß die Gemeinde auf diesem Wege der Eintracht verharre; daun werden gewiß die besten religiösen und sittlichen Früchte gezeitigt werden. Stuttgart, 12. Juni. (Privatmitth.) Außer dem bereits von der Kammer der Abgeordneten genehmigten Staatsbeitrag zur israelitischen Centratkirchenkasse mit 27 500 M. hat dieselbe heute eine weitere Ergänzung für dieselbe mit 3000 M. verwilligt. Es soll den Beamten der israelitischen Oberkirchenbehörde nach dem für die Zivilstaalsdiener vorgelegten Maßftab aufgebesseO werden; Jahresbedarf 350 M.;! sodann sollen die Gehalte der Rabbiner in Stuttgart und! Ulm aufgebessert werden; Jahresbedarf 350 M. Die pen* | sionsberechtigten Alterszulagen der israelitischen Konfessions- - schullehrer wie bei den Volksschullehrern entsprechend erhöht 1 werden; Jahresbedarf 995 M. Die Vorsänger sollen hin-i sichtlich der Alterszulagen den Lehrer-Vorsängern gleichgestellt > werden; Jahresbedarf 950 M. Die Exigenz wurde einj stimmig genehmigt. j — Anläßlich des am 25. d. M. stattfindenden Regierungs-Jubiläums unseres Königs Karl hat die israelitische Oberkirchenbehörde eine entsprechende Feier in der Synagoge j des Landes angeordnet. Aus Baden, 2. Juni. Während die Israeliten in Württemberg ein Waisenhaus in Eßlingen besitzen, ermangelten die Badischen eines solchen. Dies gab Veranlassung,! daß im Vorjahr eine Anzahl der angesehensten Männer des Landes zusammentraten und die Errichtung einer Waisen-! anstatt beschloß. Zum Vorort wurde Bruchsal gewählt und! vorerst ein Aufruf an die Israeliten Badens in Umlauf gej setzt, um die nöthigen Mittel zusammenzubringen. Dieser Aufruf hatte schönen Erfolg. Es kamen an 33000 Mark zusammen, außerdem hat sich eine Anzahl Gemeinden des Landes mit etwa ein Viertel der Mitglieder zur Zahlung jährlicher Beiträge ä 4 Mk. verpflichtet, wodurch alljährlich 10000 Mk. feste Einnahmen gewonnen wurden. Statutengemäß muß die Hälfte der jährlichen festen Beiträge als Grundstock angelegt werden, bis dieser 500000 Mk. beträgt. Es soll nun ein Anfang in der Art gemacht werden, daß aus der zur Verfügung stehenden Summe von alljährlich 5000 Mk. eine Anzahl Waisen unterstützt, und diese in guter Familienpflege untergebracht werden. Auch aus Württemberg und Bayern, wie aus Amerika sind Spenden zu diesem Zwecke eingelaufen. Mannheim, 5. Juni. Die „Neue Badische Landeszeitung" giebt einen Bericht aus der l. Civilkammer des Großh. Landgerichtes, der auf den neuesten „Reformator der Welt", den Reichstagsabgeordneten Dr. Böckel, den fanatischen Führer der Antisemiten und auf dessen sittlichen Lebenswandel ein grelles Streiflicht wirft. In die Details des Prozesses haben wir uns hier nicht einzulassen. Genug, Böckel hat mit einer Dienstmagd, der er die Ehe versprochen, 3 Kinder gezeugt, von welchen 2 gestorben sind. Er hat jedoch sein Wort gebrochen und eine andere geheirathet. Darauf ein Plozeß über die Alimentationsgelder, der schließlich durch Zahlung derselben beendet ward. Jetzt wieder ein Prozeß, ob der Papa oder die Mama den lebenden Sohr^ haben soll. Es schließen sich hieran nun die beiden Fragen: Sind diejenigen sittlich besser, welche einem solchen Führer Gefolgschaft leisten? und zweitens: Wird bei den nächsten Wahlen das Volk diesen Mann wieder wählen? Wandßbeck, 7. Juni. Ein angesehener Kaufmann in Wandsbeck hatte am Eingang seines Gartens eine Tafel anbringen lassen, auf welcher mit großen Buchstaben die Worte gemalt waren: „Juden dürfen hier nicht eintreten." Die Wandsbecker Polizei hatte demselben auferlegt, die Tafel fortzunehmen und ihm außerdem einen Strafbescheid zugehen lassen, durch welchen er in eine Geldbuße genommen wurde. Gegen diesen hatte der Kaufmann Einspruch erhoben und auf gerichtliche Entscheidung provozirt. Die Sache kanl heute vor dem Schöffengerichte zu Wandsbeck zur Verhandlung. Der Kaufmann wurde nach eingehender Beweisaufnahme, dem Antrag des Amtsanwalts gemäß, wegen „groben Unfugs" zu der erstverfügten Geldstrafe verurtheilt. Bochum, 12. Juni. Gestern fand die Antisemitenversammlung statt. An derselben nahmen nur die bekannter! Antisemiten Theit, neue Namen, also neue Kräfte fanden sich nicht ein. Was da ausgemacht wurde, war ein Ausfluß des aus Furcht und Neid geflossenen Hasses. Zuletzt trenn-

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