Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1889)
- Date
- 1889-06-20
- Page
- Seite 385 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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385 sehr erfreut waren. Es schien, als ob eine gerechtere und humanere Gesinnung gegen uns Platz gegriffen hätte. Sollen die Artikel der Germania das Signal zu einer neuen Hetze, der Kanonenschuß vor einem abermaligen Gefechte sein? Literarischer Wochenbericht. Bonn, 7. Juni. Die Lieferung Nr. 35 (Januar bis März 1889) der Revuo äos Etudes Juives enthält abermals recht viele interessante Abhandlungen. Den Anfang macht James Darmesteter mit Pehlvitexten bezüglich des Judenthums. Diese erste Serie enthält Auszüge, welche sich pole-- misch gegen Ausdrücke in der mosaischen Schöpfungsgeschichte und in der Erzählung vom Paradiese richten, allerdings nur, indem sie die buchstäbliche Auffassung zu Grunde legen. I. Halsvy kritisirt die Quellen, uns welchen die legendenartigen Berichte über die Verfolgung der Christen von Nedjran durch den jüdischen König der Himyariten entsprungen. Isidore Loeb bespricht die christlichen und jüdischen Polemiker in Frankreich und Spanien. I. Derenbourg giebt Fortsetzung der Glossen des Abu Zakariya ben Bilam über Jesaias. Israel Levy spürt christlichen Elementen in den Pirke Rabbi Eliesar nach. Theodor Rainach bietet uns Aufschlüsse über den Kalender der babylonischen Griechen und den Ursprung des jüdischen Kalenders. In der Nähe von Jerusalem wurde ein römischer Meilenstein, allerdings zertrümmert, aufgefunden. R. Cagnat erklärt und erläutert die verstümmelte Inschrift; sie giebt uns nur einen abermaligen Beweis, daß die römischen Kaiser sich auch auf jedem Meilenstein verewigen ließen, sich und ihre Ahnen. Da nicht einmal sicher ist, daß der Meilenstein an der Stelle sich befand, wo er einst aufgestellt worden, hat er keine weitere Bedeutung. Salomon Rainach bringt von Geographen und Reisenden früherer Zeit Notizen über die Juden des Orients. Einige derselben interessiren, weil sie sich auf Sabbathai Zewi beziehen, namentlich auf dessen Benehmen, nachdem er den Islam angenommen. M. Schwab beendigt seine Mittheilungen über den Magre Dardege. Es folgen Noten und Vermischtes, Bibliographie und Mittheilungen aus der Gesellschaft. Hier finden wir den Vortrag A. Francs „der orientalische Pantheismus und der hebräische Monotheismus", der in diesem Blatte wiedergegeben worden. — Das Heft bringt uns aber noch eine andere Vorlesung von Herrn Maurice Vernes, zweitem Tirector an der Schule für höhere Studien, welche den Titel führt.- Jephle, das Völkerrecht und die Vertheilung Palästinas unter den Stämmen. Der Redner geht vom 11. Capitel des Buches der Richter aus, in welchem der berühmte diplomatische Zwischenfall zwischen dem Richter Jephta und dem Ammoniterkönig ausführlich berichtet wird. Er findet hier und in dem Verhalten Mose's zu den Edomitern, Moabitern und Amonitern den Beweis, daß die Israeliten sich nicht mit dem Rechte des Siegers begnügten, sondern auch andere Rechtstitel für ihre Eroberungen suchten. Weiterhin stellt er aus dem vierten Buche Mosis, dem Buche Josua und den letzten Capiteln des Propheten Ezechiel dar, daß bei den Israeliten zweierlei Ansichten über die geographische Ausdehnung ihres Landes vorhanden gewesen, die eine, die er als die ideelle bezeichnet, und welche das Land Israel innerhalb des Jordans und seiner Seen und des Mittelmeeres erscheinen läßt, so daß einerseits das ostjordanische Land der drittehalb Stämme ausgeschlossen ist, dagegen die Meeresküste, von der den Südtheil die Philister, den nördlichen die Phönizier besaßen und behielten, als zum Lande Israel gehörig angesehen ward. Die andere thatsächliche Ansicht schloß das Land östlich vom Jordan ein- und erkannte den Besitz der Meeresküste seitens der Philister und Phönizier an. Dies wäre nun Alles gut und richtig, wenn nicht Herr Vernes der jetzt üblichen Kritik seinen Zoll gebe. Er setzt die Abfassung gerade der Texte, derer er sich bedient, in eine so späte Zeit nach dem babylonischen Exil, daß sie unter solchen Umständen jedes historischen Werthes entbehren würden, nur als Einfälle schriftstellernder Geschichtsschreiber erschienen und somit die ganze Untersuchung gegenstandslos wäre. In gleichen Hypothesen ergeht er sich über die Einwanderung der Israeliten in Canaan und die Eroberung dieses Landes. Nach ihm sollen die Israeliten in drei Heerhaufen und zwar einer nach dem anderen in langen Zwischenräumen in das Land eingedrungen sein. Den ersten sollen die dritthalb Stämme gebildet haben, welche das Land östlich vom Jordan in Besitz nahmen. Später kam der größere Heerhaufen und eroberte das nördliche und mittlere Canaan. Nach längerer Zeit endlich brach Juda in das südliche Canaan ein. Wo diese Heerhaufen in der Zwischenzeit gesteckt haben mögen, fragt der Redner nicht einmal. Dagegen macht es ihm viel Kopfzerbrechens, wie Moses, als er mit dem Volke von der Grenze Edoms zum ailanitischen Busen zog, hier durch die Südecke des edomitischen Landes gekommen sei, und ebenso durch die moabitische Ecke, als er in das Land zwischen dem Arnon und dem Jabbok gegen die Emoriter drang — als ob damals die Grenzen der Völkerschaften so genau gezogen und von Grenzwächtern bewacht gewesen wären! Es ist wahr, diese Herren bethätigen recht vielen Scharfsinn, um die Räthsel zu lösen, die sie selbst aufgestellt. Wenn sie sich aber einbilden, Geschichte zu schreiben, so irren sie doch sehr, da sie mit eigener Hand Alles, was von Geschichte übrig geblieben, zerbröckeln und zu Atomen auflösen. Andere sehen die geschichtlichen Nachrichten als Legenden an, in welchen feste