Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1889)
- Date
- 1889-06-13
- Page
- Seite 378 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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378 Ieui 1 Der Commandant G. Halphen. Üi'acf) beit Arch. isr. Die Wissenschaft, die französische Armee und die israelitische Gesellschaft haben einen großen Verlust in der Person des Artillerie-Commandanten Georges Henri Halphen erlitten, der ant Mittwoch den 22. Mai in Versailles verschieden ist. Geboren im Jahre 1844 Zu Rouen, einer Familie aus Metz angehörig, die aber schon lange nach Paris übergesiedelt, trat G. H. Halphen mit achtzehn Jahren in die polytechnische Schule, von welcher aus er in den Dienst der Artillerie überging; als tapferer Soldat, bedeutender Ofsicier, machte er dann den Krieg von 1870 in der Nordarmee mit; seine Tapferkeit bei der Belagerung von BaZaume brachte ihm die Ehrenlegion ein; mit 40 Jahren wurde er zum Escadronchef erhoben und in dieser Eigenschaft dem 11. Regiment zugetheilt. Aber besonders Zog ihn die mathematische Wissenschaft und vorzüglich die Geometrie mit ihren Problemen an. Durch eifrige Studien auf diesem Gebiete erlangte er schon in so jungen Jahren einen Platz unter unseren ausgezeichneten Gelehrten; seine Arbeiten über die Curven, die KepleUschen Gesetze u. s. w. hatten ihn schon früh bekannt gemacht und eröffneten ihm im Jahre 1886 (zu 42 Jahren!) die Pforten der Academie der Wissenschaften. Repetitor an der polytechnischen Schule vor dem Alter von 30 Jahren, wurde er Zehn Jahre später Mitglied der Prüfungseommission für die Zulassung zu dieser berühmten Schule und vor Kurzem Mitglied der Commission für Verbesserungen derselben Anstalt. Das Verdienst von G. H. Halphen war so eetatant, daß die Aeademie von Berlin ihm den großen mathematischen Preis verlieh. Alles bezahlt sich leider hienieden: diese hohe Intelligenz unterlag dem Ilebermaß der intelleetuellen Arbeit, ein frühzeitiger Tod, der eine empfindliche Lücke in diesem Siebengestirn der israelitisch-französischen Mathematiker hervorbringt: Moritz Lovy, Mannheim, Lippmann, Loewy u. s. w. Als Militär von hohem Range, als einer der berühmesten Gelehrten, als Officier der Ehrenlegion erhielt G. H. Halphen die höchsten militärischen und bürgerlichen Ehrenbezeugungen. Dieser ausgezeichnete Mann war aber ebenso bescheiden; er hatte verlangt, wie ein Soldat beerdigt und auf den Schultern von Unteroffieieren zum Friedhof getragen zu werden, wobei er den bestimmten Wunsch aussprach, daß keine 1 Rede auf seinem Grabe gehalten werden solle; um dem Wunsche > l e t o n. eines Sterbenden zu genügen, sollte die Beerdigung zuerst ohne jede officielle Theilnahme vor sich gehen, aber man mußte von dieser antiken und heute so seltenen Einfachheit Abstand nehmen und den Bitten der militärischen Chefs Halphens und denen seiner Collegen der Academie der Wissenschaften nachgeben. In Versailles wurde die Leiche Halphens von der Mannschaft seiner Schwadron bis zum Leichenwagen getragen, und der Rabbiner von Versailles, dann der Oberst Brumet, Commandant des 11. Artillerieregiments, gaben dem edlen Verstorbenen den letzten Scheidegruß. Auf dem Friedhof Montparnasse zu Paris gab eine bedeutende Versammlung, unter welcher man H. Jules Ferry, Raynal, viele Senatoren, Deputationen der Academie, des Institutes und der polytechnischen Schule bemerkte, die letzte Ehre. — Vor dem Grabe las Herr Darboux, Mitglied der Aeademie, eine Rede des Herrn Hermitte, des Vicepräsidenten; dann schilderte Herr Mercadier, Direetor der Studien an der polytechnischen Schule, in edler und ergreifender Rede die Hauptzüge dieser ruhmreichen Laufbahn, die dem Vaterlande und der Wissenschaft gewidmet war. Aber wir würden dem Andenken Halphen's eine mangelhafte Würdigung zu Theil werden lassen, wollten wir nicht hinzufügen, daß bei ihm die Eigenschaften des Herzens und des Charakters auf dem Niveau der geistigen Gaben standen: durch seine Verheirathung trat er in eine Familie elsässischen Ursprungs, wurde Schwiegersohn des Herrn Henry Aron, Beigeordneten des Maires des 2. Arrondissements von Paris und machte das Glück und den Ruhm seines Hauses aus; Vater von sechs Kindern (von denen vier Söhne) genoß er in ihrer Mitte die Familienfreuden, besonders die Freude, sich von den Seinigen verehrt zu fühlen und auf sie den Glanz seines frühzeitigen Ruhmes zu weifen. Ein kleiner Lebenslauf aus früherer Zeit. Von L. S. (Fortsetzung.) Von dieser Erlaubniß des Rabbi machte ich natürlich so vielen Gebrauch, wie mir mein Hausirhandel mit den Blechwaaren des -Oheims gestattete. Ich kann aber nicht sagen, daß trotz alles Eifers dieser Handel sich verbesserte; die Straßen und Häuser, die ich frequentirte, waren wohl bald damit genügend versorgt oder mein Oheim war kein großer Künstler in seinem Fach, kurz, ich brachte immer ge-