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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-06-13 · Heft 24 (13.6.1889) · p. Seite 374

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 24 (13.6.1889)
Date
1889-06-13
Page
Seite 374 (sequence 10)
Language
German
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374 harren, die Ueberzeugung, daß diese sich über kurz oder lang nur in dem hier vorgezeichneten Verlauf abfpieteu könne, vermag uns in dem zeitweiligen Ungemach zu trösten und uns, im Verein mit kindlicher Ergebung in die göttliche Fügung, zur standhaften Ausdauer bis auf bessere Tage zu kräftigen. Darum „fürchte dich nicht, Israel!" re. (Jesaiä 43, 1 ff.) Dr. M. Stern. Berlin, 1. Juni. Berlin zählt gegenwärtig nach einer Schätzung, welche Kommerzienrath Friedlünder, der Bicevorsteher des Repräsentantenkollegiums der jüdischen Gemeinde, am Donnerstag in einer jüdischen Versammlung kundgab, 90000 Inden. Bei der Volkszählung des Jahres 1885 wurden 64000, bei der des Jahres 1880 53000 Juden in Berlin festgestellt. (Auf diese „Schätzung" können wir, da sie sich nicht auf eine wirkliche Zählung stützt, nichts geben, da sie in runder Zahl verläuft und ein so übermäßiges Anwachsen binnen vier Jahre angiebt. Redakt.) — Tie Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks und des Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staate, welche seit 1813 Hierselbst besteht, hielt am 30. v. M. in der Aula der jüdischen Knabenschule ihre Jahresversammlung ab. Die Gesellschaft, die zur Zeit 415 Mitglieder zählt, darunter 45 Handwerker, beschäftigt sich mit der Unterstützung von ärmeren Juden, wetche Lust und Fähigkeit haben, ein Handwerk oder technisches Gewerbe zu erlernen. Augenblicklich sind 77 Lehrlinge in dauernder Pflege der Gesellschaft gegen 89 im Vorjahre. Verausgabt wurden für die Pfleglinge insgesannnt 7172 Mk., vereinnahmt wurden u. A. an Zinsen 3297 Mk., an Beiträgen 4296 Mk., an Geschenken 11030 Mk. Berlin, 4. Juni. (Privatmitth.) Der „Ausschuß des Deutsch - Israelitischen Gemeindebundes" veröffentlicht soeben Nr. 22 seiner Mittheilungen. Dieselbe berichtet über die äußeren Verhältnisse des Bundes und heben wir folgende Notizen hervor. Das Gesammtvermögen betrug am 1. April 1889: 114,286 M., worin die verschiedenen Stiftungsfonds enthalten sind. Die Bibliothek und das Mobiliar werden auf ca. 9000 M. geschätzt. Im verflossenen Jahre betrugen die Gesammteinnahmen, einschließlich der Beiträge, Sammlungen und Zinsen 46,001 M., von welchen 13,542 M. auf Ankauf von Effecten verwendet wurden. Zu Gunsten des Religionsunterrichtes und der Ausbildung von Religionslehrern wurden 4131 M., für Fürsorge für Gemeindebeamte, namentlich an die Friedrich-Wilhelm-Victoriastiftung 11,290 M., für Förderung des Handwerks 1984 M. verausgabt. Der Gemeindebund zählte 399 Gemeinden, darunter fast sämmtliche Großgemeinden Deutschlands. Von Personen wurden 3000 M. gespendet. Die vorliegende Nr. giebt dann die Liste der Bundesgemeinden, der persönlichen Mitglieder, des Bureaus, der Delegirten, sowie einige Mittheilungen aus dem Bureau. Aus dem ganzen Berichte geht, gewiß zu allgemeiner Befriedigung, die rüstige Thätigkeit der Verwaltung und die nach allen Seiten gerichtete Aufmerksamkeit derselben hervor. Witten, 1. Juni. (Franks. Ztg.) Dr. König hat es vorgezogen, die von der hiesigen Polizeibehörde verbotene, aber von der Regierung in Arnsberg erlaubte antisemitische 'Versammlung bis auf Weiteres aufzuschieben. In einer Anj spräche, in der er erklärte: „Wir sind treue Staatsbürger i und treue Unterthanen Sr. Majestät und wissen, daß wir ' uns einem polizeiliche Befehle zu fügen haben", (wie verdrießlich!) bat er seine Myrmidonen, in aller Ruhe nach Hause zu gehen und wiederzukommen, wenn er sie rufe. vr. König ist zu diesem Verhalten offenbar durch den Regie-! rungspräsident von Rosen selbst bestimmt worden, der sich ' gestern Morgen hier einige Stunden aufhielt und bei seiner; Abreise von dem Bruder des Dr. König, dem hiesigen Superintendenten, zur Bahn begleitet wurde, j Nach anderweitigen Mittheilungen soll die Versammlung am Psingsten in ein Volksfest umgewandelt, und sollen die Verhandlungen am Dienstag den 11. d. geführt werden. Paderborn, 4. Juni. (Privatmitth.) Die hiesige „Israelitische Waisen-Erziehungs-Anstalt für Knaben und Mädchen aus Westfalen und Rheinland" hat ihren 29. Jahresbericht ausgegeben. Die Anstalt besteht nunmehr 32 Jahre und ist noch immer im Wachsthum begriffen. Im verflossenen Jahre befanden sich 60 Zöglinge in der Anstalt, acht wurden neu ausgenommen und zwölf, nämlich zehn Knaben und zwei Mädchen wurden entlassen. Zwei der ersteren erlernen ein Handwerk, und der Bericht sagt: „Dem Streben unserer Zeit, das Handwerk unter unseren Glaubensgenossen zu fördern, bringen wir völliges Verständniß entgegen und werden wir auch in Zukunft den Sinn unserer Knaben dem Handwerk und den ihm verwandten Berufszweigen zuzuwenden suchen." Dies kann aber in Wirklichkeit nur dadurch geschehen, daß die Anleitung zu Handarbeiten lehrplanmäßig von der Anstalt hergestellt wird. Erwägen wir die materiellen Verhältnisse dieser Waisenknaben, so können wir nicht annehmen, daß die Anstalt vollkommen ihre Aufgabe löst, bevor sie nicht diesen Handarbeitsunterricht hergestellt hat. Dient derselbe ja doch auch zur körperlichen Ausbildung der Zöglinge. — Der als Aufsichtsbehörde die Anstalt coutrolirende Landrath stellte auch in diesem Jahre ein günstiges Zengniß aus. Einer der treuesten Förderer des Waisenhauses, Sanitätsrath Dr. Bamberger in Berlin, hat ihm letztwilligst 20,000 Mark vermacht, zahlbar nach dem Tode seiner Gattin. Auch sonst hat sich die Theilnahme des Publicnms im verflossenen Jahre bethätigt, da sich die freiwilligen Spenden auf 5758 M. beliefen. Die Einnahmen des verflossenen Jahres betrugen 36.071 M., von welchen 5221 M. ver-

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