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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-06-13 · Heft 24 (13.6.1889) · p. Seite 369

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 24 (13.6.1889)
Date
1889-06-13
Page
Seite 369 (sequence 5)
Language
German
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369 und Maschinennähen, Kleidermachen, Sticken, Plätten und Weben dazu erzogen werden, später als Mütter und Hausfrauen die ihnen zukommende Stellung in ihren Familien auszufüllen." In gleicher Weise berichtet Herr Zoest über die Schulen der Alliance in Tanger, Constantinopel, Brussa und Smyrna, die er mit Ausnahme der in Constantinopel persönlich besucht und geprüft hat. Er fand in allen diesen überraschende Leistungen, in der Türkei werden in diesen Schulen fünf Sprachen gelehrt. Mit den wärmsten Worten erkennt er die rein civilisatorischen und humanen Ziele der Alliance an. Wir heben noch einmal hervor, daß Herr Joest durchaus als unparteiischer Beobachter sich erweist, durchaus nicht etwa als einen Gönner der Juden. Man lese z. B., wie er aus den jetzigen Zuständen der Juden in Nordafrika über die Vertreibung der Juden aus Spanien spricht. Er vertheidigt die Alliance gegen etwaige Einwände, daß sie jüdische und französische Propaganda treibe. Das erstere verneint er entschieden, denn die Juden befaßten sich überhaupt nicht mit Proselytenmacherei, und die Schulen der Alliance werden auch von mohamedanischen und christlichen Kindern besucht, deren Eltern gewiß empfindlich wären, wenn in diesen Schulen auch nur das Geringste gegen andere Religionen geäußert würde. Da die Alliance ihren Sitz in Paris hat und ihre Direktoren, Lehrer und Lehrerinnen in Paris vorgebildet werden, sei es natürlich, daß sie französisch unterrichten. Berührt fänden sich hiervon nur die Spanier, welche in Marokko und Algerien die große Mehrheit der Europäer bilden und desgleichen die Italiener in Tunis und Tripolis. Warum, fragt der Berf., gründen die Spanier und Italiener nicht selbst Schulen und überlassen vielmehr ihre Landsleute sich selbst? Antideutsches käme in diesen Schulen nicht vor und die Alliance unterhält auch eine deutsche Schule in Constantinopel für die dortige 3000 Seelen Zählende, meist aus sehr armen Leuten bestehende deutsche Colonie. Zum Schluffe sagt er: „Fassen wir zum Schluß unser Urtheil, so weit wir nach dem Besuche mehrerer Schulen der Israelitischen Allianz in Marokko und Kleinasien, sowie nach vielfachen Unterhaltungen mit dort lebenden Europäern zu einem solchen berechtigt sind, noch einmal zusammen, so müssen wir wiederholen, daß die Allianz auf ihre bisherigen Erfolge auf dem Gebiet der geistigen, moralischen und auch körperlichen Veredlung der dortigen Juden, ebenso wie auf ihre Erfolge in Betreff einer Besserung der Lage ihrer Glaubensgenossen in materieller Beziehung mit Recht stolz sein darf, und daß derselben für die Uebernahme dieser hohen und edlen Culturaufgabe und für den Eifer, mit welchem sie sich der Lösung derselben hingiebt, auch von jedem unbefangenen Andersgläubigen die vollste Anerkennung nicht versagt werden kann." Es ist dies unseres Wissens die erste anßerjüdische unparteiische Würdigung der Alliance in Deutschland, gegen welche letztere die Antisemiten unaufhörlich ihr Gift spritzen, wie sie sich ja überhaupt vor den ungeheuerlichsten Unwahrheiten nicht scheuen — was übrigens der Alliance noch nicht das Geringste geschadet hat. Gewiß, die Wahrheit siegt immer! Brüx, im Juni. Briefe an einen jungen Theologen. Von Rabbiner Dr. Deutsch. III. Verschiedenartige Störungen haben die Fortsetzung meines in Nr. 9 erschienenen Briefes hinausgeschoben. Ich muß Sie daher daran erinnenn, daß ich, um mich gegen den Borwurf einseitiger Beurtheilung unserer alten, rabbinischen Literatur zu vertheidigen, eine ■nu Predigt Jecheskel Landaus citiren wollte, weil dieser Mann, zusammengehalten mit seinem, von ihm verketzerten Gegner Joathan Eibenschitz, von dem er selbst in der Gedächtnißrede, die er ihm in Prag hielt, euphemistisch sagt: „Glaubet ja nicht, daß ich R. Jonathans Vorzüge nicht zu würdigen wüßte, weil zwischen uns kein freundschaftlichesBerhältniß bestanden hat", ein klares Bild von den Musterpredigern des vorigen Jahrhunderts giebt. R. Ezechiel beginnt: Wir lesen im Traetat Baba Bathra (Fol. 74): Rabba bar bar Chana hörte eine göttliche Stimme, die sprach: „Wehe mir, daß ich geschworen habe, jetzt aber, nachdem ich geschworen habe, wer wollte mein Gelübde lösen?" Als er seinen Collegen dieses Erlebniß mittheilte, sagten sie ihm: „Du bist ein rechter Esel, warum hast du nicht gesagt: Ich löse dein Gelübde?" Darauf bemerken die Tossafot: Wozu braucht Gott einen Rabbiner zur Lösung seiner Gelübde, kann er sie nicht selbst lösen? Heißt es doch im Talmud (Chagiga 10 a): Die Lösbarkeit der Gelübde ist ausgesprochen in den Worten des Psalms (95, II): „Ich habe geschworen in meinem Zorne", 8c. und bereue den in Uebereilung gethanen Schwur. Allerdings versuchen die Tossafot auch die Beantwortung dieser „schwierigen" Frage (not), aber R. Ezechiel übergeht das mit Stillschweigen, wie es überhaupt Sitte der Darschanim war, das, was ihren Ausführungen entgegenstand, zu verschweigen, wovon der Volkswitz uns in einem Zwiegespräch zwischen einem Darschan und einem Zuhörer eine klassische Schilderung aufbewahrt hat. Darschan: Warum beginnt das fünfte Buch Moses mit einem rtan? Zuhörer: Das ist doch nicht wahr, es heißt ja .-&«! Darschan: Das könnte man auch sagen. Ich weiß aber etwas Besseres. Kehren wir jedoch zu unserem R. Ezechiel zurück. Wir sind, beginnt er seine Ausführungen, im Exile und Gott der

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