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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-06-06 · Heft 23 (6.6.1889) · p. Seite 361

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 23 (6.6.1889)
Date
1889-06-06
Page
Seite 361 (sequence 13)
Language
German
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361 ginm rabbinicum zu jener Kraft und zu jener Höhe zu erheben, welche zu dessen Bestehen unbedingliche Erfordcrungen sind, so wird man immer sagen können: Das Gedeihen der römischen Gemeinde und der italienischen Rabbiner-Schule ist der Initiative des bewunderungswürdigen S. A. zu verdanken. Der hochgeehrte Greis erreichte das Alter von 84 Jahren, seine Religionsübung war stets nach altüblicher Form, seine Bildung, die des neunzehnten Jahrhunderts, seine Gestalt imposant und Ehrfurcht gebietend. Sein Wohlthätigkeitssinn und seine Liebe zur armen und leidenden Menschheit machten ihn allen Herzen theuer. In seiner Familie waltete er als wahrer Patriarch, und harte Schicksalsschläge ertrug er stets mit gottgläubiger Ergebung. .*jöN Q"nn Tnun mnu wdj *,nn Die Leichenbestattung des hochgestellten und hochgeachteten Mannes war eine der großartigsten. Dem Leichenwagen voran ging eine Compagnie der Munieipalwache mit der municipalen Mustkbande. Der vierspännige Wagen war buchstäblich mit Blumenkränzen bedeckt. Die Cordons des Leichentuches hielten die Repräsentanten der Nationalbank, der Handelskammer, der Vorsitzende der Jsraeliten-Gemeinde, der römischen Bank, der anonymen Versicherungs-Gesellschaft, des Monte di Pieta und der Syndicus der Stadt Rom. Dann folgten die Familien Angehörigen und die Repräsentanten anderer Gemeinden und Corporationen. Zur Seite des Wagens gingen die Wachen der Nationalbank, des Munieipiums, der römischen Bank, der Israel. Gemeinde, der Generalbank, der Bank von Neapel und des Monte di Pieta, mit brennenden Fackeln und Fahnen verschiedener Gesellschaften, und der untergeordneten Postbeamten. Alle erwähnten Repräsentanten halten sehr schöne Blumenkronen geschickt. Unter den vielen Freunden des Verblichenen bemerkte man den Finanzminister, viele Deputirte, Munieipalräthe und eine Menge Beamte des Municipiums und der Banken, Professoren der Universität, des rabbinischen Collegiums, der Talmud-Thora sammt Schülern und eine zahllose Menge von Juden und Christen, welche dem Zuge entweder folgten, oder längs desselben ehrerbietig standen, und so längs des langen■ Ganges bis zum Friedhof, welcher so voll war, das man; kaum durchkommen konnte. Am Grabe angelangt, wurden vier Reden gehalten. Die erste hielt Marchese Guiccioli, Syndicus der Stadt Rom, welcher S. A/s Liebe zu Rom mit der Liebe eines Vaters verglich; er schloß.- Wie Rom ihn beim Leben ehrte, so beweint es ihn im Tode. — Herr Esdra, israel. Gemeinde- Präsident, erwähnte die Wohlthaten, welche der Verewigte seiner Gemeinde leistete und schloß: Wie Du auf Erden uns wohlgethan, so bete für uns dort oben! — Der Rath Venturi des Monte di Pieta erwähnte die großen Dienste, welche S. A. dieser Anstalt erwies, deren sehr herabgekommene Finanzen er mit vieler Umsicht bedeutend hob. Am Schlüsse gab Dr. Ehrenreich dem Verewigten im Namen des rabbinischen Collegiums das letzte Lebewohl und bemerkte, daß der greise betrübte Vater nicht lange seinen geliebten Sohn Giacomo überleben wollte. .njil? 'ct n'DJ x1? omDDi DT-ni cpD'yjn N.-Schr. Sämmtliche Tagesblätter, auch die elericalen, brachten die Trauerkunde und die Beschreibung der Leichenbestattung. vr. M. Ehrenreich. Bonn, 2. Juni. (Notizen.) Man schreibt uns aus Darmstadt 23. Mai: Gestern hat eine Beerdigung hier stattgefunden, welche wohl auch in weiteren Kreisen einiges Interesse finden durfte. Die Wittwe eines vor langer Zeit dahier verstorbenen Israeliten heirathete in späteren Jahren einen Christen und trat selbst durch die Taufe zum Christenthum über. Durch Krankheit in den letzten Jahren stark heimgesucht, gab die Frau oft zu erkennen und drückte dies vor ihrem Tode als besonderen Wunsch aus, auf dem hiesigen jüdischen Friedhof, an der Seite ihres ersten Mannes, bestattet zu werden. Mit diesen Wunsche darf wohl die Reue über den Abfall vom Judenthum und der Wunsch als Jüdin wieder betrachtet zu werden, zu erkennen sein. Von diesen Gesichtspunkten geleitet, ist der Vorstand der Gemeinde, nach eingeholtem Gutachten des Rabbiners, dem Wunsche der Verstorbenen nachgekommen, hat die Beerdigung stattfinden lassen, und wurde die Verstorbene als Jüdin, in streng ritueller Weise, auf dem Friedhofe der israelitischen Religionsgemeiude bestattet. — Aus Lemberg wird geschrieben: In Cießanow hat eine Feuersbrunst den 23. d. M. achtzig Gebäude, barunter die Synagoge, eingeäschert. 150 jüdische Familien wurden brod- und obdachlos. — Der Prinz Aloys v. Liechten stein, der jüngst als Wiener Antisemitenchef bezeichnet wurde und die Brandrede zum Schlüsse des Katholikentages hielt, ist in einem Säbelduell schwer verwundet worden, gerade vom Munde geht die Wunde bis zum Ohr. I e u i t t e 1 o n. Ein kleiner Eebenslaus aus früherer Ieit. dem Rasen — als mein Großvater mir seine Jugendgeschichte Bon SJ. S. : erzählte, hatte er fast das neunzigste Lebensjahr erreicht. Als mein Großvater — des Gerechten Andenken ist! Aber ehrwürdig in seinem Aussehen, aufrecht in seiner Halzum Segen! — jetzt ruht er bereits über 50 Jahre unter | tung, noch immer von bewundernswerthem Gedächtniß und

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