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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-06-06 · Heft 23 (6.6.1889) · p. Seite 357

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 23 (6.6.1889)
Date
1889-06-06
Page
Seite 357 (sequence 9)
Language
German
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357 Werthe und nachhaltiger Wirksamkeit wären, erscheint doch zweifelhaft. Uebrigens sind von den oben angeführten Schriften einige in schöner typographischer Ausstattung erschienen, ohne deshalb den angegebenen Weg gefunden zu haben. Wir besitzen z. B. in der Hallberg'schen Prachtausgabe der heiligen Schrift in unsrer Uebersetzung und der Apokryphen von Kassel mit den Dors'schen Illustrationen ein typographisches Meisterwerk, das den Anforderungen' des höchsten Luxus genügt. Ob es aber auf den Salonüschen vieler Reichen sich vorfindet, kann sehr bezweifelt werden. Die wahre Unterlage für alle jüdischen Bestrebungen liegt in der Mittelklasse, und auf diese haben wir unsere Bestrebungen stets zunächst zu richten. Nein, mit Klagen und Anschuldigen richten wir nichts aus. Strengen wir alle unsre Kräfte an, um das Judenthum belebt zu erhalten oder frisch zn belebe», seine Bekenner zu wecken und zu beeifern, nach unsrem besten Wissen Gutes zu leisten und zu fördern — dies ist unsre Pflicht und unser Beruf! Oppeln, 27. Mai. „Saul und Jonathan". Die unter diesem Namen zum 18. October v. I. erschienene und gleich nach ihrem Erscheinen beschlagnahmte Broschüre ist, obwohl von der Oppelner Strafkammer und auch vom Reichsgericht bereits vor Monaten freigegeben, durch irgend einen ilmstand erst in dieser Woche dem Berleger, Herrn G. Fock in Leipzig, verabfolgt worden. Bei der Sensation, die die peinliche Affaire zur Zeit erregt hat, wird es die Leser gewiß interefsiren zu erfahren, daß der Verfasser die fragliche Broschüre an die vier fürstlich gekrönten Häupter weiblichen Geschlechts, deren in der zweiten Rede Erwähnung geschieht, zur Zeit eingeschickt hatte und darauf Danksagungen erhielt. Diese Majestäten fanden also in den fraglichen Reden nichts Anstößiges, wohl aber eine pietätsvolle Gesinnung gegen die Hochseligen. Beim Herannahen des Sterbetages des unvergeßlichen, über das Grab hinaus allgeliebten und allverehrten Kaisers Friedrich dürfte vielleicht mancher Leser Ihrer geschätzten Zeitung nach der Lectüre dieser Reden Begehr haben. Deutschland. Bonn, 2. Juni. (Privatmitth.) Schon nach dem Abdruck zweier Absätze der Abhandlung des Herrn Leroy-- Beaulieu, Mitgliedes des Instituts yon Frankreich, über die Juden in Rußland, erhielten wir eine Zuschrift „von der russischen Grenze", welche die Sachkunde und Unparteilichkeit des Verfassers anerkennt, der, wenn er auch bisweilen eines scharfen Ausdrucks sich bediene, doch seine Vorurtheilslosigkeit hinlänglich bethätige. Daß die Freizügigkeit das wesentlichste Mittel sei, um der elenden Lage der Juden in Rußland abzuhelfen, sei eine durchaus richtige Ansicht, von deren Verwirklichung die ganze Zukunft der russischen Juden abhänge. Wir können darauf Hinweisen, daß wir derselben Ansicht seit 1840 in diesen Blättern unermüdlich Ausdruck gegeben haben, ohne freilich eine dauernde Verwirklichung erlebt zu haben. Es kam uns übrigens in diesen Tagen ein Buch zur Hand, die „Erinnerungen an mein Leben von Friedrich Bodenstedt" (Berlin, 1888, 2. Aust.), in welchem der bekannte Dichter, der eine Reihe von Jahren in Petersburg, Moskau und Tistis zugebracht, über die russischen Völkerschaften und Zustände — ohne die Juden zu berühren — aus eigenen Beobachtungen ausführlich handelt und zwar so, daß sich das Bild, welches der französische Schriftsteller entwirft, genau einfügt. Berlin, 29. Mai. (Privatmitth.) Zu unserer Befriedigung bemerken wir, daß jüngst, als bei dem hiesigen Land- und Amtsgericht I vierzehn Richterstellen zu besetzen waren, zwei derselben Richtern jüdischer Religion zuertheilt wurden, welche bisher in kleinen Provinzialstädten amtirt hatten. — Bekanntlich brachten in jedem Semester die Wahlen für den Ausschuß der Studentenschaft eine große Erregung unter den Studenten hervor, unter welchen sich der antisemitische Verein und die Liberalen die Wahl streitig machten. Duelle, sogar mit tödtlichem Ausgaug, waren die Folge. Für das laufende Semester hat deshalb der Unterrichtsminister diese Wahlen untersagt, so daß der bisherige Ausschuß wei-! ter fungirt. | — Es interessirt wohl auch uns, daß, nachdem sich der! von Friedrich Wilhelm IV. mit der englischen Hochkirche abgeschlossene Vertrag zur Herstellung eines gemeinschaftlichen! Bisthums Jerusalem im Laufe der Zeit als unhaltbar erwiesen und 1886 gekündigt worden, die anglikanische Kirche auch zur Wahl eines eigenen. Bischofs von Jerusalem und zwar in der Person eines dem deutschen Protestantismus! feindlich gesinnten Geistlichen geschritten ist, nunmehr auch j ein eigener deutscher Bischof von Jerusalem eingesetzt werden soll, für welchen jetzt eine Kirche auf einem alten Fun-! dament erbaut wird. Jedenfalls erhalten hierdurch die Orientalen eine Vorstellung mehr von der Zersplitterung der christlichen Kirchen. Franlsurl a. M., 28. Mai. Die von hiesigen Glau- 23

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