Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1889)
- Date
- 1889-05-30
- Page
- Seite 345 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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345 daß fast Alle goldene Galons trugen, denn sie waren Korporale, Sergeanten, Sergeantmajore re. Wenn man ihre geschmeidige Gestalt sah, so sagte man sich, wie ungerecht das Gesetz der rumänischen Armee verfahre, wenn es sich dem entgegensetzt, daß die vortrefflichen und tapferen jüdischen Soldaten den Offiziersrang erlangen können. Ich füge hinzu, daß dies eine Schande für die rumänische Nation ist welche sich für die civilisirteste Nation im Orient hält, die aber von Serbien und Bulgarien in religiöser Toleranz weit übertroffen wird. Hoffen wir, daß die Rumänen sich bald überzeugen werden, daß dieses ungerechte Gesetz, das dem General Mano, gegenwärtigen Kriegsminister, zu verdanken ist, das Land in den Augen Europas entehrt und ihm großen moralischen und materiellen Schaden thut. Die gute rumänische Nation und ihre tapfere Armee, berühmt durch die Einnahme von Plevna, könnte nur durch das Abschaffen dieses Gesetzes gewinnen. Amerika. New-Hark, im Mai. Der neue Präsident der Union, Herr Harrison, hat bei Neubesetzung der diplomatischen Posten abermals einen Juden, Herrn Salomon Hirsch, zum nordamerikanischen Gesandten in Konstantinopel gewählt, und diese Wahl ist vom Senat bestätigt worden. Marokko. Fez, im April. Ein kleines aber bezeichnendes Bild von den Zuständen in Marokko bringt das jüngste Bulletin der Alliance isr. univ. In Fez versuchte ein eingeborener Beamter der amerikanischen Gesandtschaft in Tanger einen Israeliten, Namens Moses Benassouli, der unter amerikanischem Schutze steht, vermittelst seiner amtlichen Functionen Geld abzupressen. Da Benassouli es verweigerte, klagte er ihn an, einen Araber getödtet zu haben. Benassouli wurde ins Gefängniß geworfen und eine Untersuchung gegen ihn eröffnet. Dies geschah im Juli 1868. Der Director der Schule der Alliance in Fez, Herr Benolien, wandte sich an den nordamerikanischen Gesandten Reeb Lewis, vor welchen die Sache gehörte, und dieser antwortete, daß er Befehl gegeben, den Jnhaftirten freizulassen, und das Verfahren des Beamten zu untersuchen. Unter Anderem schrieb Herr Lewis: „Die Verfolgung, deren Opfer die Israeliten in Marokko sind, verdient die strengste Verurtheilung, und in den Angelegenheiten meiner Schützlinge werde ich bis zur äußersten Grenze gehen, um ähnliche Handlungen zu bestrafen." Dies war am 14. September. Nichtsdestoweniger wurde Benassouli im Gefängniß zurückbehalten. Endlich begab sich Herr Benolien selbst nach Tanger, um die Sache des Unschuldigen bei dem Consulargerichtshof zu verfechten. Hier wurde Benassouli als unschuldig erkannt und endlich aus dem Gefängniß entlassen. Aber seine Lage blieb immer noch kritisch und er wandte sich an den amerikanischen Minister des Auswärtigen. Derselbe beauftragte den Gesandtschaftssekretär in Madrid, sich nach Fez zu begeben, um die Angelegenheit daselbst zu untersuchen. Dies führte zur völligen Anerkennung der Unschuld des Mannes, der so Schweres erlitten. Bonn, 26. Mai. (Notizen.) Man schreibt uns aus Hamburg vom 20. d. M.: Ich theile Ihnen mit, daß zum zweiten Prediger am israel. Tempelverbande vr. Caesar Seligman mit überwiegender Majorität der Repräsentanten gestern gewählt worden ist. — Man schreibt uns: Den 14. d. M. verschied der Kreisrabbiner I. Wießner in Nachod im 75. Lebensjahre. Derselbe verfaßte Scholien zu einigen Tractaten des Talmud und eine Schrift über den Bann, welche vom „Institut zur Förderung der jüdischen Literatur" herausgegeben wurde. Ieuit Ein Vehmgericht. Schilderung aus Galizien. Bon S. Horowitz. (Schluß.) Sie konnten und wollten den Worten des R. Bensch keinen Glauben schenken, denn dagegen sträubte sich ihre Erziehung, ihre Lebensweise, welche den Rebben zum Anfangs¬ und Ausgangspunkte all ihrer Handlungen nahm und von den vermeintlichen, seiner Person entströmenden Strahlen sich in ihrem Lebenslabyrinthe leiten ließen. Sie konnten also mit ihrem alten Systeme nicht brechen, da sie nichts hatten, an dessen Stelle zu setzen und wenn ihnen auch dieser t e t o n. in ihr Dunkel hineinleuchtende Stern erlöschen sollte, mußte sie in ein finsteres Chaos verfallen. Aber das Nachdenken war bei ihnen wachgerufen worden und dies kam schon einem Siege gleich. Wenn man zu wagen begann, über das wirkliche Wesen des Wundermannes Betrachtungen anzustellen, war dessen falscher Nimbus im Erblassen begriffen, und mit der Zeit mußten sich die heilsamsten Folgen einstellen. Der Autorität des Rebben drohte eine eminente Gefahr und hell loderte dessen Zorn auf. Freilich, wenn der Gegner nicht von so schwerem Kaliber wäre, so wäre auch nicht viel zu befürchten, denn man würde seinen Worten gar keine Aufmerksam-