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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-05-23 · Heft 21 (23.5.1889) · p. Seite 328

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 21 (23.5.1889)
Date
1889-05-23
Page
Seite 328 (sequence 12)
Language
German
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328 Briefe empfing, erhielt einen solchen auch vonP.K. Rosegger, dem berühmten Romancier. Der Dichter schreibt: „Wer die Ideale des Freisinns und der Humanität hegt, der könnte sich unter der heutigen akademischen Jugend Oesterreichs vielleicht einsam fühlet,, hätte er nicht andere Kameraden, nämlich die bedeutendsten Dichter, Denker und Humanisten aller Zeiten. Freiheit und Brüderlichkeit sind keine Phrasen für den, der sie ernst nimmt, sondern Leitsterne, nach denen die Menschheit sich entwickelt und durch die allein ein menschenwürdiges, geselliges Zusammenleben auf dieser Erde möglich ist. Wie jede gute Sache mißbraucht, zu einer schlechten werden kann, so auch der Liberalismus, durch dessen Ausschreitung Menschen verdarben, Stände zu Grunde gegangen sind. Ich verdamme diese Ausschreitungen und bekämpfe sie, bleibe aber in Lied und Leben den hohen Ideen der Freiheit und des Wohlwollens treu, ohne viel zu unterscheiden zwischen Nation, Konfession und Race. Auf diesem Wege nur findet man für Leben und Sterben den Frieden des Herzens." —. Wir theilen auch als Nachrichten Folgendes mit: Das Abgeordnetenhaus erklärte mit 135 gegen 71 Stimmen die vielumstrittene Wahl des Abg. Rabbiner Bloch, gegen welchen insbesondere die Antisemiten auftraten, für gültig. Dafür stimmten die Rechte, die Klerikalen einschließlich des Prinzen Liechtenstein und ein Theil der deutschen Linken. (Dies ist freilich eine sonderbare Gesellschaft für einen Rabbiner!) —. Die von sämmtlichen antisemitischen Gemeinderäthen für Sonntag in die Volkshalle des Rathhauses einberufene Volksversammlung zur Besprechung der Petition betreffs des Saatenmarktes und des Fremdenverkehrs wurde polizeilich verboten. Pest, 11. Mai. Im Abgeordnetenhause sprach Komlossy (katholischer Priester) sich gelegentlich der Budgetdebatte in antisemitischem Sinne aus. Minister Baroß protestirte als Katholik gegen die Geschmacklosigkeit Komlossy's, tadelte dessen Auftreten als für einen katholischen Priester unpassend, und verwahrte sich gegen solches Vorgehen, damit man nicht glaube, daß die Regierung es billige. Auch der Präsident rügte Koinlossy's Verhallen. Pest, 11. Mai. (Privatmitth.) Der Antisemitenpater Komlossy wurde heute unter allgemeiner Zustimmung des Abgeordnetenhauses von dem Minister Baroß in einer Weise gezüchtigt, wie ihm das wohl niemals passirt sein dürfte. Herr Komlossy zerrte nämlich in die Debatte über die Dotation des hiesigen königl. Opernhauses, dessen Director seit mehreren Monaten ein Jude und noch dazu ein Nichtungar ist, die Judenfrage mit hinein. Er erzählt, weshalb er nicht in die Oper geht. Er wollte einmal die Oper besuchen, aber die Preise waren auf das Dreifache erhöht und man wies ihn an jüdische Dienttmänner, die ihm nur um 1 bis 2 fl. theurer eine Karte überlassen wollten. Bei der heutigen Beschaffenheit des Opernhauses findet er es überflüssig, so hohe Preise zu bezahlen; denn wenn er einen Genuß dieser Art haben will, geht er in die Synagoge in der Rombachgasse oder Tabakgasse, wo er unentgeltlich dasselbe hören kann, was in der Oper für theures Geld zu hören ist. So lange es andere Direetoren gab, fand sich Niemand, der ihr Wirken gelobt hätte; endlich ist der Messias in der Person des gegenwärtigen jüdischen Directors gekommen und das ungarische Publicum ist geneigt zu glauben, daß dieser Mensch, der niemals Ungar gewesen, unsere Oper zu einer ungarischen und nationalen gestalten werde. Ich fürchte, er wird sie nicht zu einer national-ungarischen, sondern zu einer national-jüdischen machen. Derr Herr Abgeordnete Franz Fenyvessy beklagt sich, daß die Aristokratie sich von der Oper fern halte, während sie das Nationaltheater besuche. Gott sei Dank, daß demffo ist; denn dies beweist nur, daß die ungarische Aristokratie Sinn hat für die ungarische Kunst, während sie von der jüdischen Atmosphäre nichts wissen will, die es in der Oper giebt. Minister Gabriel Baroß: Geehrtes Haus! (Hört! Hört!) Ich bitte mir zu gestatten, daß ich mich kurz äußere. (Hört!) Die Debatte war ernst und objectiv, von einem Redner abgesehen, welcher ein bedauernswerthes Comicum der ganzen Debatte bildete. (Zustimmung rechts.) Ich verwahre mich als Katholik gegen diese Geschmacklosigkeit und rüge entschieden (Lebhafte Zustimmung rechts), daß ein katholischer Priester in diesem Hause so auftrat. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Das habe ich zu bemerken für meine Pflicht gehalten, denn ich kann mich unmöglich enthalten, jenem Gefühle Ausdruck zu geben, welches mich erfaßte, als ich jene Worte vernahm. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Komlossy verwahrt sich dagegen, daß der Minister sich mit ihm in seiner Eigenschaft als katholischer Priester beschäftige. Der Minister möge die Principien in ihm achten, denn diese gehen Hand in Hand mit dem Glauben. (Widerspruch und großer Lärm rechts). Wenn der Minister ihn rüge, so habe auch er ein Recht ihn zu rügen, weil dieser als Ungar und Christ ein Judenfreund ist. (Lärm rechts.) Bei der Oper sind 150 Juden angestellt. Im Uebrigen soll sich der Katholik auf den katholischen Priester berufen; insolange hinter dem Minister Wahrmann die Rolle des heiligen Geistes spielt, giebt Redner nichts auf ihn. (Großer Lärm rechts.) Präsident: Auch ich habe auf die Worte des Herrn Abgeordneten eine Bemerkung zu machen. Der Herr Abgeordnete hat auch aus dieser Sache, die mit dem Antisemitismus ganz und gar nicht zusammenhängt, eine Judenfrage

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