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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-05-16 · Heft 20 (16.5.1889) · p. Seite 311

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 20 (16.5.1889)
Date
1889-05-16
Page
Seite 311 (sequence 11)
Language
German
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311 in südafrikanischen Gemeinden, zuletzt in Kimberley versehen hat, zum Seelsorger. In voriger Woche wurde der Rabbi feierlichst von einem Cornits eiugeholt, an dessen Spitze der Vorsteher der Gemeinde, Herr E. Mendelssohn, sich befand. Sie fuhren bis Booysen's Farm, wo sie den Reverend empfingen. Die hier erscheinende Zeitung »Ibe Ltanäarä and Transvaal Mining Chronicle“ enthält einen ausführlichen Bericht über diesen Empfang, dem folgendes entnommen sei. Das Comitä überreichte dem Rabbiner einer Adresse, in welcher die Einigkeit gerühmt würde, die unter den Mitgliedern der Gemeinde herrsche, und welche in so kurzer Zeit so schöne Werke hervorgebracht habe. Die Gemeinde, welche den Namen Witwatersrand Hebrew Congregation führt, sei jetzt die größte und blühendste von Südafrika. Den Rabbiner erwarten sie mit der Zuversicht, daß er diese Eintracht erhalten und stärken, daß er den religiösen Geist nähren, besonders aber die religiöse Erziehung der Jugend, die bis jetzt vernachlässigt sei, zum Gegenstand seiner besonderen Fürsorge machen werde. Unterzeichnet war diese Adresse von den Herrn Mendelssohn, Davis, Zinsberg, Gundelsinger, Miller, Lea, Morris, Danziger, Lappin, Lipinski und dem Ehrensekretär A. Levy. Ich stellte diese Namen hierher, weil man schon daraus erkennen kann, daß die Gemeinde aus sehr verschiedenen nationalen Elementen: Deutschen, Engländern, Amerikanern und Polen besteht, aber das religiöse Bekenntniß und Bedürfniß einen festen Kitt unter ihnen herstellt. Nach Verlesung der Adresse hielt der Rabbiner eine warme Ansprache, in welcher er seinen innigen Eifer für die heilige Sache der Religion und für das Wohl seiner neuen Gemeinde versicherte. Er sprach davon, daß er den Wünschen der Gemeinde stets nachzukommen suchen, sich Gründen, die ihm vorgetragen würden, stets zugänglich zeigen werde, ohne da, wo seine Ansichten auf festen Beweisen ruhe, zu schwanken. Der Erziehung und dem Unterrichte der Jugend werde er sich mit Liebe hingeben, und er mache hierin niemals einen Unterschied zwischen Reich und Arm, weshalb die Gemeinde hinsichtlich des Schulgeldes keine Differenz fühlbar machen dürfe. Er hoffe deshalb, daß es ihm gelingen werde, wie in Kimberley, eine öffentliche Schule gründen zu können. Es wurden hierauf noch mancherlei Willkommsreden gehalten, bis man aufbrach und in Johannesburg seinen Einzug hielt. — Dieser Bericht wird unseren Glaubensgenossen auch in den uns fernsten Gegenden den Beweis liefern, daß auch in Südafrika warme Herzen für unsere Religion schlagen und daß der geschichtliche Prozeß, in welchem das vielzerstreute Juda seine Hütten auf der Oberfläche der Erde immer weiter ausdehnt, jedoch überall seiner religiösen Aufgabe eingedenk ist, noch immer nicht vollendet ist. Bonn, 12. Mai. (Notizen.) Aus Wien wird gemeldet: Hier starb ein interessanter Mann, Baron Ignaz Ko lisch, dessen Name in den Kreisen der Schachspieler der ganzen Welt bekannt ist. Kolisch war im Jahre 1837 in Preßburg als Sohn armer jüdischer Eltern geboren. Schon als Knabe beschäftigte sich Kolisch, welcher in Wien studirte, mit dem Schachspiel, und bald hatte der junge Mann, der sich dem kaufmännischen Beruf zugewendet hatte, ein großes Ansehen als Schachspieler erlangt. Während er in Wien in verschiedenen Handlungshäusern als Comptoirist bedienstet war, wurde er von einem bekannten Finanz-Aristokraten als Schachlehrer engagirt, und die Verbindung mit seinem Schüler übte auf die Carriere des jungen Geschäftsmannes noch oft bedeutenden Einfluß. Er hatte sich unterdessen vollständig dem Schachspiele gewidmet und gewann im Jahre 1867 in Paris den Grancl prix Imperial, welcher Sieg ihm einen Weltruf als Schachspieler sicherte. Auch später noch zeichnete sich Kolisch in mehreren Londoner Schachturnieren aus und errang noch oft bedeutende Preise. Nach einer mit dem Grafen Kuschilew unternommenen Reise um die ganze Welt kehrte Kolisch nach Paris zurück, von wo er im Jahre 1869 wieder nach Wien übersiedelte und hier die „Wiener Börse - Syndicatscasse" gründete. Zn Folge der Unterstützung, welche ihn von Seite seiner Freunde, die er sich durch sein Schachspiel erworben hatte, zu Theil wurde, gelang diese Gründung über alle Maßen und Kolisch zog sich kurz vor der Catastrophe im Jahre 1873 von den Börsengeschäften mit einem nicht unbedeutenden Vermögen zurück. Nach dem Krach begab sich Kolisch nach Paris und errichtete dort nach dem Muster der Wiener Börsencomptoirs das erste Börsen-Commissionsgeschaft, das den noch jungen Mann in kurzer Zeit zum Millionär machte. Im Jahre 1881 übersiedelte Kolisch, der unterdessen Staatsbürger von Sachsen- Meiningen geworden war und in Meiningen in den Freiherrnstand erhoben wurde, nach Wien. Im Jahre 1884 versuchte sich Baron Kolisch als Herausgeber eines politischen Blattes (der „Wiener Allg. Ztg."), in welcher Stellung er zweieinhalb Jahre verblieb. Allein die Aufregung dieses Berufes wirkten auf Kolisch, der schon seit längerer Zeit herzleidend war, schädlich ein, und er sah sich genöthigt, die von ihm herausgegebene Zeitung im vergangenen Jahre zu verkaufen. Kolisch hinterläßt eine trauernde Wittwe. — Man schreibt uns aus Pest vom 5. d. M.: Zum ersten Male wurde vorgestern ein Jude zum ordentlichen Mitgliede der ungarischen Akademie der Wissenschaften gewählt: es ist dies der Mathematiker Prof. Dr. Julius König. Zum Vice-Präsidenten der Academie wurde ein getaufter Jude, Wilhelm Fraknoi alias Frankl, gewählt. — Man meldet aus Warschau vom 6. d. M.: Die Stadt Zwiahylnia im Gouvernement Wilna ist durch eine große Feuersbrunst fast ganz- 20*

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