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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-05-16 · Heft 20 (16.5.1889) · p. Seite 306

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 20 (16.5.1889)
Date
1889-05-16
Page
Seite 306 (sequence 6)
Language
German
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ganze Weltordnung verdunkeln, wenn man in der Leitung der menschlichen Geschicke nicht eine Erfüllung von Zwecken, also eine Weltordnuug selbst anerkennt. 38, 2: „Wer ist es, der den Weltplan verdunkelt mit Worten ohne Erkenntniß?" Das große Naturgemälde hebt dann mit der Schöpfung der Erde, ihrer Maße und Gründe an, mit dem Meere und seinen Grenzen, Thoren und Riegeln, mit der Tagesordnung, dem Frühroth, den Wegen des Lichtes und der Finsterniß. Es wendet sich dann zu den meteorologischen Erscheinungen, zu den „Schatzkammern" des Schnees, des Hagels, des Regens, des Donners und des Blitzes, des Eises und des Reifes. Der Blick erhebt sich dann zum Sternenhimmel. „Hast du geknüpft die Bande der Plejaden, oder des Orions Bande lösest du? Führst du zur Zeit die Sternbilder herauf, den Bär mit seinen Jungen leitest du? Kennst du des Himmels Satzungen und seine Herrschaft auf die Erde setzest du ein?" Von hier aus geht der Dichter zur Thierwelt über: „Erjagst du für die Löwin Raub, der jungen Löwen Hunger stillst du, so sie in Höhlen sich strecken, in Dickicht auf der Lauer liegen? Wer schafft dem Raben seine Aetzung, wenn seine Jungen schreien zu Gott, flattern ohne Speise?" In der großen Gliederung der Schöpfung ist für Alles gesorgt, was in ihr Raum erhalten. Zunächst wird die Aufmerksamkeit auf die genaue Zeitordnung, in welcher die Thiere tragen und ihre Jungen werfen, gelenkt. Dann kommen die mächtigen Thiere an die Reihe, die in Freiheit und Wildheit leben, ohne daß der Mensch sie zu seinem Dienst bezwingen könne, wodurch erwiesen sei, daß ihr Dasein ihren Selbstzweck in sich trage. So der wilde Esel in der Salzsteppe, der Büffel: „Kannst du den Büffel binden an die Furche mit dem Seil? egget er Fluren hinter dir her?" Dann kommt der Strauß, der „der Erde überläßt die Eier und läßt sie im Sande brüten, und vergißt, daß sie ein Fuß zertritt, des Feldes Wild zerstampft." „Denn nicht mit Weisheit hat ihn Gott bedacht und nichts von Einsicht zugetheilt. Spornt er sich in die Höhe, lacht er des Rosses und des Reiters." Unübertroffen ist das Bild vom Roß, das der Dichter hier entwirft, und wir bedauern den Mangel an Raum, es hier wiederzugeben. Der Habicht und der Adler, der auf Felsen horstet und von da den Fraß in lveiter Ferne erblickt, folgen. Die nächste Schilderung betrifft das Nilpferd, das in all' seiner Kraft gezeichnet wird, und doch nur „Gras frißt gleich Rind." „Unter Lothusstauden ruht es im Versteck von Rohr und Sumpf, Baches Weiden umdecken es. Sieh, der Strom schwillt und es eilt nicht, ruht, strömt auch ein Jordan in den Mund ihm." Das Krokodil schließt die Reihe. „Ziehest du das Krokodil am Hamen? senkst seine Zunge in die Schnur, durchbohrst den Kiefer ihm mit einem Ring?" Allen Angriffen des Menschen und seinen Waffen wiedersteht es. Hierauf erwidert Hiob: „Ich habe erkannt, daß Alles du vermagst und tiefer Plan ist nimmer dir benommen." Wir haben es unternommen, mit wenigen Strichen und Citaten dieses großartige Monument des Alterthums vor unseren Lesern zu skizziren, und gewiß werden von denen, welche dem Buche bis jetzt fern geblieben, viele es aufsuchen und genauer kennen zu lernen sich aufgefordert fühlen. Ja, es werden „Lichtstrahlen" aus ihm in jedes leidende Gemüth tröstend und aufrichtend fallen, und wer den Inhalt desselben zum Gegenstände seines Nachdenkens macht, wird von der Betrachtung seines eigenen Wehs und von den Gefühlen der Verzweiflung abgeleitet. Deshalb empfahlen es unsere Weisen allen Leidtragenden zum Lesen, hiermit aussprechend, daß das Buch zur Tröstung und Wiedererlangung religiöser Zuversicht zu dienen vermag. Pest, 1. Mai 1889. Ein Erlaß des ungarischen Cultusministers. Minister Trefort hat die israelitischen Gemeindeverhältniffe mittelst Circularverordnung vom 21. Juni 1868 geregelt, in welcher ausgesprochen wurde, es gebe dem Gesetze nach und auch vom Standpunkte des Judenthums nur eine israelitische Confession im Lande. (S. vor. Jahrg. S. 454 ff.). Die Bestimmungen der Verordnungen entsprachen jedoch nicht den Wünschen der Orthodoxen, demzufolge richteten dieselben Eingaben an den Minister Csaky, in welchen sie um die Zurücknahme der Trefort'schen Berfügungen petitionirten. Diese Eingaben wurden jedoch abgewiesen und theilen wir den Erlaß des Cultusministers seiner Wichtigkeit wegen dem Wortlaute nach mit. Derselbe lautet: „Präs.-Z. 2304. An den Präsidenten der isr. orthodoxen Durchführungs-Commission in Budapest. Im Circularerlaffe vom 15. November 1871 Z. 26915, mittelst dessen den israelitischen Cultusgemeinden die Annahme des damals veröffentlichten orthodoxen Organisationsstatuts gestattet wurde, heißt es ausdrücklich: Das Ministerium könne sich in die Beurtheilung der religiösen Codices, auf die in dem gedachten Statute Berufung geschieht, nicht einlassen; in dem gleichzeitig an die orthodoxe Durchführungs- Commission unter gleicher Zahl ergangenen Erlasse aber wurde hervorgehoben, die Gutheißung und Promulgirung des orthodoxen Organisationsstatuts sei nur in der sicheren Hoffnung erfolgt: „es werden durch diese Verfügung diezwischen der jüdischen Congreß- und der orthodoxen Partei entstandenen Zwistigkeiten ein Ende nehmen". Die Erwartung jedoch, es werden nunmehr alle israelitischen Cultusgemeinden des Landes ohne Ausnahme entweder die Congreßstatuten oder das orthodoxe Organisation^

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