Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1889)
- Date
- 1889-05-09
- Page
- Seite 298 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227771-3227791--46191-3265740- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
298 "*Vrv Verehrung getragen und ist ein Zeugniß von dem ehelichen Glücke, das der Heimgegangene lange Zeiten hindurch genossen. Es folgt die Trauerfeier mit sämmtlichen Grabreden. Wir begrüßen dieses Denkmal der Anhänglichkeit und Hochachtung für einen jüdischen Seelsorger und Lehrer mit aufrichtiger Befriedigung. — Das Buch der Religion. Nach christlichen und jüdischen Quellen bearbeitet von A. Franz. (Stuttgart, Pfautsch, 1889.) Diese Schrift entspricht ihrem Titel insofern, als in ihr das Judenthum, das Christenthum, der Islam, die Religionen der Perser, Indier und Chinesen behandelt werden. Jndeß nimmt das Judenthum den größten Theil des Buches ein, nämlich 100 Seiten, während das Christenthum auf 12, der Islam auf 14 und die übrigen Religionen auf 8 Seiten abgethan werden. Aber auch inhaltlich giebt sich die Darstellung des Judenthums als eine Apologie desselben kund, wie denn der Vers, die Lehren und Institutionen desselben nach jeder Richtung hin rühmt und vertheidigt, wie z. B. ausführlich die Beschneidung, wobei er die Grenze der Wahrheit nicht immer streng einhält. Der Berf. spricht zwar über die anderen Religionen kein Nrtheil aus, aber wie er sie darstellt, bieten sich ihre Schwächen von selbst dar. Herr Franz ist ein unterrichteter Dilettant. Dies erweist sich aus dem Buche selbst theils durch die wenig systematische Darstellung, theils durch mancherlei Irrungen. So unterscheidet er z. B. zwischen dem aufgeklärten Maimonides und dem orthodoxen Rambam, beide also für verschiedene Personen haltend; in der Statistik der Juden giebt er übertriebene Zahlen, so daß er 12 Millionen Juden ausrechnet; in der kurzen Charakterisirung des Christenthums übergeht er „den heiligen Geist" (S. 11) und in der des Islam den Fatalismus. Gerade deshalb, weil diese Schrift nicht aus der Feder eines gelehrten Fachmannes geflossen, ist sie für viele Laien um so genießbarer, und wir hielten es für recht nützlich, wenn dieselbe von recht vielen unserer Glaubensgenossen gelesen würde. Uebernimmt sie doch oft auch die Bertheidigung nicht blos des Judenthums, sondern auch der Juden. Ieuit Proben aus einer Aeberfetzung -er Fuchsfabeln des Serachja HannaK-an. Von Rabbiner Vr. Landsberger in Darmstadt. (Schluß.) Fabel 3.») Die Hausmaus und die Feldmans. Wer nur nach Großem strebet immer dar. Wird jammernd bald verarmen ganz und gar. Ihre Geburtsstätte, ein freundlich Haus, — verließ einst eine Maus, um nach einer Stadt, einer andern, — zum Besuche von Mäusen zu wandern. — Als sie den ganzen Tag war dahin gezogen — und Abends in einen nahen Wold hatte eingebogen, — wo vergnügt lebten viele Mäuse, — übernachtete sic in deren Kreise, — bei einer Feldmaus, die sie aufnahm gütlich — und mit ihr plauderte gar gemüthlich. — Sie zeigte ihr ihren Trank und ihre Speise, — gab wie sich so ihr in kärglicher Weise — Kräuter und Wurzeln, die Alle aßen, — die mit ihr zusammen saßen. — Da sprach zur Feldmaus der städtische Gast: — „Wenn du Lust mir zu folgen hast, — nehme ich dich mit mir morgen, — um dich mit meiner Nahrung zu versorgen. — Du findest bei mir in einem Tage mehr Behagen, — als hier bei Mühsal und Sturm in tausend Tagen. — Nahrungsmangel herrscht im Wald, — und wie kannst du hier finden Unterhalt, — im Winter, wenn die Kräuter sind trocken? — Die armen Waldbewohner stehen dann gewiß erschrocken! I e t o n. — Du schauest dann überall dich um, — dürres Gras, welke Blumen rings herum. — Komm' mit mir, fasse Muth, — ich gebe dir Speisen fein und gut." — Ueberredet zog aus dem Walde die Maus, — in die Stadt, in's getreidevolle Haus. — Und als sie in's Haus gezogen ein, — sprach die Hausmaus: „Ich erbarme mich Dein; — sieh', ich stell' mein Haus zu deiner Verfügung, — iß nach Belieben zu deiner Vergnügung." — Als sie aber aßen schwelgerisch — Mehl und Brod, Fleisch und Fisch, — trat in die Kammer ein menschlich Wesen, — um nach Bedarf Brod auszulesen, — da floh die Hausmaus rasch in ihr Loch, — wohin ihr nach die Feldmaus kroch; — die sich nie hatte so geängstigt noch — und als die Kammer vom Menschen ward frei, — hastete die Hausmaus wieder herbei; — beide kamen aus dem heimlichen Ort, — wo sie sich hatten verborgen dort. — Ueber Korn und Mehl fiel die Hausmaus her — und aß davon nach eig'nem Begehr, — während die Feldmaus von der Ferne wollt' sehen, — was mit ihrer Freundin werde geschehen; — denn noch hatte sie vor dem Menschen Bangen, — den sie geschaut, und hegte Verlangen — nach der Straße, auf welcher sie gekommen. — Reue und Trauer hatten ihr Herz eingenommen. — Und als sie kehrten in's Schlupfloch zurück, — sprach sie zur Hausmaus: „Welches Glück, — wenn ich von hinnen wäre, lebendig, — und nicht mehr fürchten müßte beständig! — Seit ich aus der Heimath geschieden, — fand ich zur Strafe keinen Frieden. — Behalte dein Haus, deine S) Im Original Fabel 10.