Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1889)
- Date
- 1889-05-09
- Page
- Seite 293 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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293 findet der Verweis in dem Verhalten des Herrn Stöcker, auf dessen bisherige außeramtliche Thätigkeit näher eingegangen werden mußte, weil hieraus die Briefangelegenheit erst ihre vollständige Erklärung gewinnen konnte. Der Verweis spricht das lebhafte Bedauern darüber aus, daß die geistliche Würde schwer geschädigt worden sei, wodurch zugleich berechtigte Ansprüche der christlichen Kirchengemeinschaft verletzt worden seien. Der Verweis ist, wie es heißt, in jedem Satze so gehalten, daß er dem Hosprediger den Gedanken nahe legen konnte, ob er unter solchen Umständen nicht vorziehen sollte, aus dem Amte ohne Weiteres zu scheiden. Auch auf Herrn Slöcker's Freunde mußte der Verweis verblüffend wirken. — Die Vorsitzenden, Bezirksmänner und Obmänner der christlich-socialen Partei veröffentüchen eine Erklärung der Treue und Anhänglichkeit an den Hofprediger Stöcker. Berlin, 30. April. (Privatmitth.) Das Curatorium der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin" hat seinen siebenten Bericht ausgegeben. Voran geht eine wissenschaftliche Beigabe von Dr. Joel Müller: „Die Responsen der spanischen Lehrer des 10. Jahrhunderts R. Mose, R. Chanoch, R. Joseph ibn Abitur", die an einer anderen Stelle dieser Zeitung besprochen werden wird. Der Lehrkörper besteht gegenwärtig aus Dr. David Cassel, Prof. Dr. Steinthal, Rabb. Dr. Müller und Rabb. Dr. Maybaum. Wir heben hervor, daß der letztere über die „Theorie der jüdischen Homiletik" wöchentlich eine Stunde las und „Homiletische Hebungen" 2 Stunden wöchentlich vornahm. Wir halten dies, da gegenwärtig die Predigt zu den wichtigsten Functionen des Rabbiners gehört, für sehr nützlich, und da Maybaum als tüchtiger Kanzelredner anerkannt ist, werden die Zöglinge der Anstalt aus dieser seiner Thätigkeit großen Vortheil ziehen. Die Zahl der Hörer der Anstalt betrug im Sommersemester 1888 — 30, im Wintersemester 1888/89 — 26. Die Prüfung bestand Dr. Taglicht; von den früheren Schülern der Anstalt haben mehrere Rabbinerstellen erhalten oder sind nach anderen Gemeinden berufen worden. Der Gemeindevorstand hat den reiferen Hörern der Anstalt das Recht zugestanden, bei dem sabbathlichen Nachmittags-Gottesdienst in der alten Synagoge zu predigen, was schon öfters der Fall war und jenen zu großem Nutzen gereicht. Die Theilnahme für diese Anstalt bezeugt sich auch durch die Spenden, welche ihr zufließen. So erhielt sie im Jahre 1888 für ihren eisernen Fond ca. 3000 M. und für ihre laufenden Ausgaben über 7000 M. Auch die Stipendiencaffe erhielt ansehnliche Beiträge. Die Einnahmen betrugen 19,517 M., wovon 5956 M. Cassenbestand verblieb. Das Vermögen der Anstalt beträgt gegenwärtig 127,041 M. Selbstverständlich kann die Anstalt die jährlichen Beiträge ihrer Freunde noch lange nicht entbehren, und wir können daher nur den Wunsch aussprechen, daß die Theilnahme eine rege bleibe und immer neue Gönner erwerbe. Berlin, 1. Mai. (Bekanntgebung.) Auf das unter dem 1. December 1888 veröffentlichte L. Stein'sche Preisausschreiben sind bis zum 1. März d. I. 31 Arbeiten eingegangen. Nachdem diese Arbeiten bei den Preisrichtern circulirt hatten, wurde in der Commissionssitzung am 24. April 1889, welcher die Herren Di-. Berliner, Rabbiner Dr. S. Cohn, Dr. G. Karpeles und Prof. Dr. H. Steinthal als Preisrichter beiwohnten, einstimmig beschlossen, daß der mit dem Motto: „Soll der Palmenzweig dir winken, Darfst dich nicht der Kleinste dünken." eingegangenen Arbeit Nr. 21 als der besten der Preis zuzusprechen sei. Die Eröffnung des Couverts ergab den Namen: Arnold Budwig in Berlin. Es wurde ferner beschlossen, die mit dem Motto: „Taurossi al taasauwu“ eingegangene Arbeit Nr. 30 einer ehrenden Erwähnung für würdig zu erklären. Da die Commission zur Eröffnung des betr. Couverts nicht befugt war, so stellt sie es dem Herrn Verfasser anheim, die Erlaubmß hierzu an die Preisrichtercommission zu Hunden des Herrn Dr. Gustav Karpeles, W. Winterfeldstr . in Berlin gelangen zu lassen. Die Verfasser der nicht gekrönten Arbeiten wollen gefl. bis zum 1. August d. I. dem Bureau des Deutsch Israelitischen Gemeindebundes unter Angabe des betr. Mottos eine Adresse mittheilen, an welche ihre Arbeiten zurückgeschickt werden sollen. Die bis zum 1. August d. I. nicht zurückgeforderten Arbeiten und Couverts werden gemäß den unter dem 1. Dezember 1888 bekannt gemachten Bestimmungen vernichtet werden. Berlin, 1. Mai 1889. Die Preisrichtercommission I. A.: Dr. Gustav Karpeles, als Schriftführer. Breslau, 1. Mai. (Privatmitth.) Der „Verein israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen" ist gegenwärtig der bedeutendste in Deutschland, denn er zählt 139 Lehrer als Mitglieder. Mit ihm ist auch eine Uuterstützungscasse verbunden. Auf den 9. und 10. Juni d. I. hat er seine elfte ordentliche Generalversammlung nach Breslau ausgeschrieben und wird der Hauptgegenstand der Verhandlungen die Discussion über die Behandlung des geschichtlichen Unterrichts in der Religionsschule sein. Fürth, 30. April. (Privatmitth.) Vor einigen Jahren ging vom deutsch-israelitischen Gemeindebunde der Versuch aus, die jüdischen Gemeinden von Landschaften zu vereinigen, um den gewohnheitsmäßigen Bettel entgegenzuarbeiten. Durch die Herstellung von Centralkassen zur Unterstützung der Durch- 19