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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-05-09 · Heft 19 (9.5.1889) · p. Seite 289

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 19 (9.5.1889)
Date
1889-05-09
Page
Seite 289 (sequence 5)
Language
German
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289 und nicht als Gegner — verzehren meine Nieren sich auch in meinem Schooße." Wie bemerkt, die Lehre in ihren allgemeinen Umrissen ist klar ausgesprochen, doch aber noch mit schwachen Farben, ohne eigentlichen Inhalt. Die Worte wollen sagen: auch wenn der Mensch sein Erdenleben als ein verlorenes ansieht und die Hoffnung für dasselbe aufgiebt, muß ihn die Zuversicht — „ich weiß" — trösten, daß Gott ihn mit dem Tode erlösen werde, daß er nach dem Tode „Gott schauen", d. h. daß ihm alle diese Näthsel gelöst werden. Dann hört sein Leid auf und das unendliche Heil im Schauen Gottes ergießt sich über ihn. Wir werden später sehen, wie dies weiter ausgeführt wird. — Eines der herrlichsten Kapitel des Buches ist das 28. Man lese es. Es beginnt: „Einen Fundort hat das Silber, eine Stätte das Gold, das man läutert; Eisen wird dem Staub enthalt, Stein zu Kupfer geschmolzen;" dann folgt eine Beschreibung des Bergbaues in kühnen Bildern, wie man die Berge von ihrer Wurzel umwühlt, Kanäle durch die Felsen öffnet, aus dem Träufelnden man Ströme vereint und Verborgenes zu Tage gebracht wird — „doch die Weisheit, wo ist sie zu finden? und wo ist der Einsicht Stätte?" Auf der Erde, in ihren Tiefen und Höhen wird sie nicht gefunden, und doch ist ihr Werth weit über Gold und Edelsteine. Nur „Gott kennt ihren Weg, er weiß ihre Stätte! Denn zu den Säumen der Erde schaut er, siehet unter dem ganzen Himmel hin. Als er Gewicht dem Winde gab und die Wasser nach Maßen geordnet, da er Gesetz dem Regen gab, Bahn dem Wetterstrahl: da sah er sie und maß sie ab, verwirklichte, erforschte sie und zu dem Menschen sprach er: Sieh, die Furcht des Herrn ist Weisheit, das Böse meiden Einsicht!" — Hiermit endet die erste Hälfte des Buches. Die beiden Parteien haben sich in Reden und Gegenreden erschöpft; sie sprachen aus Ueberzeugung, vermochten aber nicht zu überzeugen und ihre Gegner verstummen zu machen. Die Andeutung auf die richtige Lösung des Problems ging, weil eben nur oben hin erwähnt, unbeachtet vorüber. Da wird denn als Resultat aufgestellt, daß die höhere Weisheit vom Menschen nicht begriffen werde und die für ihn geeignete Weisheit in der Gottesfurcht, in der Ausübung des Guten und im Unterlassen des Bösen besteht. Hiermit kann sich die Menge begnügen, denn sie hat hierin eine ausreichende Richtschnur, um das Ziel im Erdenleben nicht zu verfehlen. Für die Geister aber, die nach höherer Erkenntiß verlangen und streben, muß sich die Arena noch einmal öffnen, die über das gewöhnliche Leben hinaus liegt und die höchsten Instanzen als ihre Kämpfer umfaßt. Hiob hebt nun seine Klage von neuem an. Er will sich diesmal nicht blos auf seine Unschuld berufen, sondern sie nachdrücklich erweisen. Er knüpft dabei — ohne daß es gesagt wird — an den obigen Schlußsatz an, indem er sich darauf stützt, daß er stets in Gottesfurcht und in der Uebung des Guten gewandelt sei. So wird in den nächsten Capiteln in dichterischer Form eine practische Sittenlehre entwickelt, aus welcher wir einige Hauptstellen Herstellen wollen. Nachdem Hiob mit warmen Worten das Ansehen und den Ruhm geschildert, den er während seines Glückes besessen, sagt er 29, 12: „Denn ich rettete den Armen, der da schrie, und die Waise, die ohne Beistand; des Zugrundegehenden Segen kam auf mich und das Herz derWittwe machte mich jubeln. Auge war ich Blinden, Fuß dem Lahmen, Vater war ich Dürftigen, den Rechtsstreit des, den ich nicht kannte, untersuchte ich. Da zerbrach ich das Gebiß des Ungerechten, riß den Raub aus seinen Zähnen." Da vertraute er auf seine Gerechtigkeit, daß das Glück ihm treu bleiben werde, und nun ist von alle dem das Gegentheil eingetroffen. Er fährt fort 31, 1: „Einen Bund hatt' ich mit meinen Augen geschlossen: wie hätte ich auf die Jungfrau da geblickt!" Niemals sei er mit Lug und Trug umgegangen. Die Ehe habe er stets heilig gehalten, die Rechte seines Knechtes und seiner Magd habe er geachtet, auch wenn sie im Streite mit ihm gewesen. V. 15: „Hat nicht im Mutterschooß mein Schöpfer ihn geschaffen, im Mutterleib nicht Einer uns bereitet?" B. 16: „Versagte ich den Wunsch der Armen, ließ ich der Wittwe Augen schmachten, aß ich mein Brod allein und aß die Waise nicht davon — sie wuchs von Jugend an mir ja wie Eines Vaters auf, und wie von meiner Mutter Schooß leitet ich sie — wenn ich Verlorenen ohne Kleidung sah, den Dürftigen ohne Decke, und seine Hüften segneten mich nicht, von meiner Lämmer Schur gewärmt; wenn meine Hand ich gegen Waisen schwang, weil ich im Thore meinen Beistand sah: so müßte meine Schulter aus der Achsel fallen, mein Arm in seiner Röhre brechen." In seiner Gottesfurcht wankte er niemals und hat sich Götzen nie zugewandt. V. 24: „Wenn mein Vertrauen auf Gold ich setzte und zum Metall sprach: meine Zuversicht! wenn ich mich freute, wie mein Schatz so groß, wie meine Hand soviel erworben — auch das war strafbar vor dem Richter, dem Gotte droben hätte ich geheuchelt — wenn id) an meines Hassers Sturz mich freute, ich jauchzte, daß ihn Unheil traf, — nein, nicht zu sündigen ließ ich meiner Zunge zu, in Fluch zu fordern seine Seele!" V. 32: „Kein Fremdling übernachtete mir draußen und meine Thüren hielt ich offen auf die Straße." Hatte er gefehlt, so bekannte er dies und scheute nicht den Tadel der Menschen. Und er endet mit den kraftvollen Worten V. 38: „Wenn über mich mein Acker schreit, und seine Furchen klagen allzumal, (darunter sind überhaupt die Wege seines Lebens zu verstehen); wenn unbezahlt ich seine Kraft verzehrte und seinen Herrn verschmachten ließ: statt Weizens mußten Dornen aufgehen, statt Gerste Lolch!" — Der Dichter schildert alle diejenigen Tugenden des Men-

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