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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-05-09 · Heft 19 (9.5.1889) · p. Seite 288

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 19 (9.5.1889)
Date
1889-05-09
Page
Seite 288 (sequence 4)
Language
German
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288 glaube» unsere Sympathien für das Gedeihen des anderen Staates der Monarchie nicht besser betätigen zu können als durch den Wunsch, daß es der österreichischen Regierung ebenso gelingen möge, der antisemitischen Epidemie Herr zu werden, wie dies unserer Regierung gegenüber einer hochgradigen Entfachung ähnlicher garstiger Leidenschaften gelungen ist. Wir wollen und können nicht annehmeu, daß das Kabinet Taaffe nicht ebenfalls über jenen guten Willen und jene Kraft verfügen sollte, welche das Cabinet Tißa befähigten, das Truggespenst von Tißa-Eßlii-r, das nun schon seit so langer Zeit jenseits der Leitha in den verschiedensten Vermummungen sein Unwesen treibt, so rasch und so gründlich aus der Welt zu schaffen." Lichtstrahlen aus dem Luche Hiob. in. Der Dichter des Hiob entfaltet die ganze Kraft seines Geistes, die Fülle seiner Empfindungen und seinen Reichthum an Bildern nach drei Seiten hin. Zuerst in seinen Schilderungen vom Weh des Unglücklichen, von den Schmerzen des Leidenden, der von den Schlägen des Mißgeschickes niedergeschmettert, verzweifelt, und sich doch in all diesem Drangsal schuldlos fühlt, daß er durch seine Handlungen dieses Leid weder verschuldet noch herbeigeführt habe. Alsdann in dem Strafgericht, das unabwendbar den Ungerechten und Frevler treffe. Endlich, indem er den Frieden und das süße Glück des Gerechten und Gottesfürchtigen schildert, das diesen dennoch wieder erreiche, weshalb auch in der trübsten Lage die Hoffnung nicht aufzugeben sei. Geben wir hier von dem letzteren Momente ein Beispiel. 11, 13: „Wenn du aufrichtest dein Gemüth, und breitest deine Hände zu ihm aus; ist Unrecht in deiner Hand, entfern' es, laß Frevel nicht in deinen Zelten wohnen: ja, dann erhebst du makellos dein Antlitz, bist fest und fürchtest nicht; ja, du vergißt des Ungemachs, wie der Fluth, die hingerauscht, denkst du daran; Heller als Mittag ersteht das Leben, das Dunkel wird wie Morgen licht; und du vertraust, weil Hoffnung ist; du spähest aus, ruhst sicher; du streckst dich hin und Niemand schreckt, und Viele schmeicheln dir. Aber der Frevler Augen verschmachten, und ihnen schwindet die Zuflucht, und ihre Hoffnung ist: die Seele auszuhauchen." — Ter Weg vom Bösen zum Guten, der Weg aufrichtiger Reue und Besserung wird mit wenigen Strichen gezeichnet: die Aufrichtung und Läuterung des Herzens, das Gebet zu Gott um Beistand, die Wiedererstattung alles unrechtmäßiger Weise an sich Gebrachten und die Vermeidung alles Frevels. Wer diesen Weg beschreitet, kommt zum Ziele des Friedens mit sich und mit Andern nnd zum stillen Genüsse eines ruhigen Lebens. Wie kräftig werden durch die folgenden Sätze alle Zweifel am Dasein Gottes in der einfachsten Weise niedergeschlagen! 12, 7: „Frage doch das Vieh, es wird es dich lehren, den Vogel des Himmels, er wird's dir verkünden; oder rede zur Erde, sie wird es dich lehren, und dir erzählen's die Fische des Meeres: wer wüßte unter allen diesen nicht, daß des Ewigen Hand dies geschaffen, in dessen Hand die Seele alles Lebenden und der Geist alles Fleisches der Menschen?" An anderen Stellen unseres Buches wird auf die Herrlichkeit der göttlichen Schöpfung, auf die Zweckmäßigkeit aller Gebilde und die obwaltende Ordnung hingewiesen; hier begnügt sich der Dichter mit dem Blick auf die organische Welt und deren Krönung durch den dem Menschen verliehenen Geist. Daß dem Menschen auch unter den unseligsten Verhältnissen, in welchen der Untergang nahe ist. noch Hoffnung, sich wieder zn erheben und zu neuem Leben aufzusteigen, vorhanden sei, wird durch folgendes Gleichniß ausgedrückt. 14, 7: „Denn Hoffnung ist dem Baume, haut man ihn ab, so treibt er wieder, und sein Gesproß hört doch nicht auf; wenn seine Wurzel altert in der Erde, und stirbt sein Stamm im Staube: vom Duft des Wassers sprießt es wieder, setzt Zweige an wie frisch gepflanzt." — Als Gegensatz bringt der Dichter einen andern Vergleich heran, der ausdrücken soll, daß keine menschliche, keine irdische Macht dem Willen Gottes zu widerstehen vermöge. 14, 18: „Auch ein fallender Berg verfällt, selbst ein Fels rückt fort von seiner Stelle; Steine reibt das Wasser ab, sein Gefälle schwemmt der Erde Staub fort: so vernichtest du des Menschen Hoffnung." Abgesehen von dem erhabenen Sinne dieser Worte, wird sich der Geologe daran erfreuen, wo er die Begriffe besonders der Erosion und der Denudation so klar ausgesprochen findet. Die ganze, so lebhaft beregte Streitfrage konnte nur auf einem Wege gelöst werden, durch die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, daß nämlich der Ausgleich der göttlichen Gerechtigkeit, der Ausgleich des menschlichen Leides und Wohles nach dem Verdienste im Jenseits vor sich gehe. Dieser Glaubenssatz, der in der alten Zeit den früheren Geschlechtern nur im Halbdunkel dämmerte, tritt in unserm Buche wie eine nothwendige Consequenz, auf welche man aber erst nach und nach als Folgerung kommt, allmälig auf, zuerst in etwas dunkle, auch viel bestrittene Worte gekleidet, wie aus der Dämmerung hervor, so daß erst später das Licht, das daraus auf das menschliche Erdenleben fällt, hervorquillt. Es geschieht dies 19, 25: „Doch ich weiß, es lebet mein Erlöser und später über meinem Staub ersteht er; nach meinem Leib — zerschlagen ist er schon — und ohne Körper werde ich meinen Gott schauen, ihn werde ich schauen, (zum Heile) mir, ihn werden meine Augen sehen

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