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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-05-02 · Heft 18 (2.5.1889) · p. Seite 280

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 18 (2.5.1889)
Date
1889-05-02
Page
Seite 280 (sequence 12)
Language
German
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280 Mannschaften der hiesigen Garnison veranstaltet. Mehrere Hundert Soldaten und Officiere in Paradeuniform hatten sich eingefunden. Ueberdies war das Gotteshaus in allen Räumen mit Andächtigen gefüllt. Bei Verlesung der Perikope traten Soldaten auf die Estrade und sprachen die rituellen Segenssprüche. In seiner Ansprache setzte der k. k. Feldprediger Rabbiner Di-. Kisch die Pflichten der Israeliten dem Staate gegenüber, insbesondere in der Armee, anknüpfend an den Bibelvers: „Die Söhne Israels zogen bewaffnet aus Egypten" auseinander. Nach der erhebenden Feier, bei welcher der gesangliche Theil vom Obereantor M. Wallerstein geleitet wurde, begab sich eine Deputation von Feldwebeln, die jetzt in die Reserve übertreten, zum Rabbiner und Vorstände des Gotteshauses; sie dankten dafür, daß ihnen seit einer Reihe von Jahren in der Meisel-Shnagoge Gelegenheit geboten wurde, in Genieinsamkeit mit ihren Kameraden Gottesdienst abzuhalten und baten, diese Wohlthat auch ihren nachfolgenden Kameraden angedeihen zu lassen. Die Vorsteher der Synagoge und ihr Rabbiner gaben die erbetene Zusage. Frankreich, Paris, 24. April. Ein Herr Osiris, geboren zu Bordeaux, seit langer Zeit in Paris ansässig, welcher durch seine Freigebigkeit den Bau einer portugiesischen Synagoge crmög- Bonn, 28. April. (Notizen.) Man schreibt aus Bern, 18. April. Der antisemitische Hetzschreiber Joachim Gehlsen, der ehemalige Herausgeber der „Reichsglocke", suchte die Wiederaufnahme in die schweizerische Staatsangehörigkeit nach, aus welcher er 1875 entlassen wurde. Die Genehmigung des Gesuches steht angeblich nicht zu erwarten. Gehlsen lebt gegenwärtig in London. — Man schreibt ausBraunschweig: Am Dienstag beging der Cantor der hiesigen israelitischen Gemeinde Herr H. Goldberg das seltene Fest seines 60jährigen Dienstjubiläums in braunschweigischen Landen. Von nah und fern wurden bei dieser Gelegenheit dem Jubilar Beweise der Anerkennung dargebracht. In erster Linie erhielt derselbe Glückwünsche seitens des herzogl. Staatsministeriums, des Stadtmagistrats, der Vorsteher seiner Gemeinde, Mitglieder derselben, des Ausschusses des Deutschisraelitischen Gemeindebundes in Berlin (begleitet von einem prächtigen silbernen Becher) und von fast allen Collegen in Deutschland; auch der 25 jährige Obereantor der Wiener Gemeinde, Professor S. Sulzer, sowie der Obereantor Professor M. Friedmann (Budapest) hatten es nicht versäumt, ihren ältesten deutschen Collegen zu beglückwünschen. Außerdem liefen zahlreiche Telegramme von Freunden und Bekannten ein, welche Zeugniß ablegten von der allgemeinen Beliebtheit des noch im Vollbesitz seiner Kräfte sich befindenden Greises, j Möge es Herrn Goldberg beschieden sein, noch lange Jahre i sein Amt in gleicher Rüstigkeit wie bisher verwalten zu lichte, hat dem Comits für die allgemeine Ausstellung zur Feier von 1780 die Summe von 100000 Francs zugestellt, um dasjenige Werk der Kunst, Industrie oder des öffentlichen Nutzens, welches das Comits für das bemerkenswertheste in der Ausstellung erachten würde, zu belohnen. — Zu dem Peßachfcste wurden dieses Jahr 25,000 Kilos Mazzoth an die Armen vertheilt. Diese Masse reichte aber für die Anforderungen, die gestellt wurden, nicht aus. — Wir bemerkten jüngst, daß auch die Avcli. isr. einen gut geschriebenen Artikel über das Fehlen einer französischen Uebersetzung der heiligen Schrift enthalten haben. In der jüngsten Nummer vom 18. April findet sich nun eine Zuschrift an den Redactcur derselben, unterzeichnet F. Philippson, Banguier, Präsident der israelitischen Gemeinde von Brüssel, in welcher dieser den Weg beschreibt, welchen wir zur Herstellung der israelitischen Bibelanstalt und deren Volksbibeln beschritten haben; wie durch eine Sammlung die Kosten für die Stereotyptafeln beschafft wurden, so daß bei dem Verkauf der Bibeln nur die Kosten für Druck, Papier und Einband zu berechnen waren. Der Briefsteller fordert zu einem ähnlichen Verfahren in Frankreich auf und unterzeichnet für diesen Zweck 1000 Francs. Wir hoffen, daß dieses Beispiel genügende Nachfolge erfahren und das Unternehmen bald gesichert sein wird. können! — In diesen Tagen verschied einer der heftigsten Judenfeinde, einer der eingefleischtesten Reactionäre, der eigentliche Vater des Antisemitismus, Hermann Wagener, vormals Vortragender Rath im Staatsministerium. Er gründete 1848 die „Kreuzzeitung" und impfte ihr sofort den Haß gegen die Juden und jene Unverfrorenheit ein, mit der sie die unbegründetsten Anschuldigungen von damals bis heute schleuderte. 1856 stellte er im Abgeordnetenhause den Antrag — mit Hülfe des Oberlandsgerichtschef v. Gerlach — auf Abschaffung des Verfassungsparagraphen, der die Gleichheit aller Preußen vor dem Gesetze ausspricht, fiel aber nach schwerem Kampfe damit durch. In Verbindung mit Bruno Bauer brachte er in seinem „Staatslexicon" die ärgsten Jnvectiven gegen die Juden vor. Doch ein Jude brachte ihn um seine Stellung. Laster wies ihm die Betheiligung an sehr zweideutigen Gründungen nach. Es wurde einsam um ihn, er starb nach Jahren der Einflußlosigkeit und Vergessenheit.

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