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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-05-02 · Heft 18 (2.5.1889) · p. Seite 279

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 18 (2.5.1889)
Date
1889-05-02
Page
Seite 279 (sequence 11)
Language
German
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279 sich 5850 Mk. Pflegegelder. Die übrige Summe wurde von Zinsen, Mitgliederbeiträgen und Geschenken gedeckt. Dem Reservefond wurden Mk. 352 überwiesen. Wolsenbüttel, 20. April. (Privatmitth.) Das diesjährige Programm der Samsonschule zu Wolfenbüttel muß für jeden Schulmann und für den Freund des Judenthums von Interesse sein. Durch den seit dem 1. August vorigen Jahres berufenen Herrn vi. Tachau zum Director sind mit der Anstalt wesentliche Veränderungeu vorgenommen worden. Die Schule ist zu einer lateinlosen Realschule 2. Ordnung umgestaltet, besteht aus 6 Classen von je einjähriger Lehrdauer und giebt somit eine abgerundete höhere Bildung. Im Geiste des edlen Stifters wird bei den Zöglingen der Sinn für wahre Religiosität gepflegt und gestärkt — von dem Principe ausgehend, daß „die Gottesfurcht der Anfang alles Wissens ist." — Die Berechtigung, das Zeugniß für den einjährigen Dienst auszustellen, wird der Schule voraussichtlich in Folge von Abgangsprüfungen erhalten, die mit Genehmigung des Herzogl. Ministeriums unter Vorsitz eines Regierungs-Commissars abzuhalten sind. Der Gesundheitszustand der Zöglinge, die eine nahrhafte, gesunde Kost erhalten und durch Leibesübungen verschiedenster Art abgehärtet werden, war im verflossenen Jahr ein vorzüglicher. Ein liberaler Verkehr besteht zwischen Lehrer und Schülern. Ein eifriges Streben beherrscht die Anstalt, galt es doch, die Scharten, in trüber Zeit geschlagen, auszuwetzen. „Es war ein arbeitsreiches Jahr", heißt es in dem Programme. — Die Lehrer- und Schülerbibliothek sind durch Ankauf und Schenkungen erheblich vermehrt worden. Die Zahl der Schüler beläuft sich am Schüsse des Schuljahres auf 94. An der Anstalt wirken als ordentliche Lehrer die Herren: vr. Weber, Grätz, Blume, Dr. Samter, Dr. Lenz, Le vor, Eichengrün; als Hilfslehrer: Vogls, Goldbach, Pastor Beste. Mit Interesse begleiten wir den Aufschwung der Schule, und der wird erfolgen, da ein thatkräftiger, in seinem Wissen und Streben gediegener Mann an der Spitze steht. — n. Luxemburg. Luxemburg, 19. April. (Privatmitth.) Am 15. d. M. benachrichtigte Herr Staatsmimster Eyschen den Rabbiner unserer Gemeinde, Herrn Dr. Blumenstern, daß Se. Hoheit der Herzog-Regent Adolf v. Nassau, ihn an folgenden! Tage um 1 Uhr in seinem Schlosse zur Audienz zu empfangen wünsche. Der Empfang fand in Gegenwart des Erbprinzen Wilhelm und des Staatsministers statt. Der Fürst unterhielt sich über die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde und über die Verhältnisse der Israeliten des Landes in der leutseligsten Weise mit km Hr. Rabbiner. Auch über die Decoratron des eisernen Kreuzes, das der Hr. Rabbiner angelegt hatte, machte der hohe Herr einige liebenswürdige Bemerkungen. Der Verlauf der Audienz sowie überhaupt alle Ansprache» und Aeußerungen des Regenten bewiesen, daß derselbe die Traditionen des Hauses Nassau-Oranien in Bezug auf Juden und Judenthum stricte fortsctzen werde. Oesterreich-Ungarn. Wien, 18. April. Da in Folge der antisemitischen Strömung in Wien zahlreiche jüdische Getreidehändler am Wiener Saatenmarkt nicht theilnehmen wollen und somit die Abhaltung des Marktes überhaupt gefährdet erscheint, nahm der Ministerpräsident Graf Taaffe die Intervention des Bürgermeisters Uhl im Interesse des Fortbestandes des Marktes in Anspruch. Der Präsident der Fruchtbörse, Naschauer, soll dem Bürgermeister gegenüber erklärt haben, daß er für die Abhaltung des Saatenmarktes in Wien sich eifrigst bemühen werde. Preßburg, 16. April. Der neuesten von den Antisemitenblättern in Verbreitung gesetzten „rituellen Mordgeschichte" haben wir schon telegraphisch Erwähnung gethan. Zum Verständnisse sei bemerkt, daß in der hiesigen Bevölkerung seit einigen Tagen große Aufregung herrscht. Seit dem 12. April ist ein neunjähriger Knabe Namens Wilhelm Scholz verschwunden und in den niederen Schichten der Bevölkerung wurde von berufsmäßigen Hetzern das Märchen von einem rituellen Verbrechen colportirt. Vor Monaten wurde der kleine Knabe von einer durchziehenden Gauklertruppe zurückgelassen. Das verlassene Kind wurde von dem christlichen Schneidermeister Sonnnenschein adoptirt und lebte in dessen Familie. Bor fünf Tagen erschien in Preßbnrg ein Mann Namens Salzer, und als derselbe des Knaben, der eben aus der Schule ging, ansichtig wurde, lockte er ihn an sich und verschwand mit ihm spurlos. Das geschah am 11 April. Unterdessen wurde festgestellt, daß Salzer der Ausrufer jener Gauklerbande war, die seinerzeit den Knaben in Preßbnrg zurückgelassen hatte, und dürste deshalb die Annahme nicht unbegründet sein, daß Salzer nunmehr den hübschen, aufgeweckten Knaben wieder entführt hat. Die polizeiliche Knrrentirung des ehemaligen Ausrufers jener Künstlertruppe wurde angeordnet, allein bis jetzt erfolglos. Salzer hat sich vor drei Wochen bereits in Neutitschein der, Entführung von Kindern verdächtig gemacht und wird wegen dieses Vergehens auch verfolgt. Trotzdem die oben erwähntet! Thatsacheu behördlich constatirt worden sind, herrscht in der Bevölkerung Preßburgs große Aufregung und fürchtet man, daß die von antisemitischen Hetzern aufgestachelten Volksmasseu Demonstrationen gegen die Juden machen werden. Prag, 24. April. Wie alljährlich wurde vorgestern in der Meisel-Synagoge anläßlich der Osterseiertage ein Festgottesdienst mit deutscher Predigt für die isr. Officiere und 18*

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