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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-04-25 · Heft 17 (25.4.1889) · p. Seite 266

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 17 (25.4.1889)
Date
1889-04-25
Page
Seite 266 (sequence 14)
Language
German
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266 von einander abstehende vordere obere Darmbeinstachel und sehr flache Darmbeine, dann schmale Hüften. Die im Ganzen kurzen Arme besitzen mäßig lange, dünne Ober- und Vorderarme, kurze breite Hände, mit Handrücken und Mittelfinger von fast gleicher Länge bei mittellangeni Daumen. Die Beine sind mäßig lang; ihr Oberschenkel kurz und dünn, nach unten mäßig verschmächtigt, das Knie mäßig dick, der Unterschenkel ziemlich lang, an der Wade mäßig dick; der hohe und lange Fuß ist dünn und von mäßiger Breite." Am Schluffe fügt vr. Weißbach ein vergleichendes Hauptrssuine hinzu, welches wir, da erst hierdurch die gemachten Beobachtungen ihren Werth erhalten, Herstellen müssen. (Schluß folgt.) David Lämml. Ein Soldatentypus.') Ob er's wohl ahnen mag, der arme gute Kerl dort in der waldigen Bukowina, daß hier in Lettern, die ihm bislang Hieroglyphen geblieben, sein Ruhm verkündet wird; daß sein Major, zu dem er emporgeblickt wie zu einem der heiligen Propheten seines Volkes, von ihm viel Rührendes und Wackeres erzählte, das nicht in leere Luft verhaucht, sondern hier wiedergegeben sein möge zu wahrer Erbauung und zur Kräftigung des Glaubens an den edlen, tüchtigen Kern des Menschenthums, in welcher äußeren Schale immer dieselbe sich uns zeigt. David Lämml war wirklich ein origineller Kauz, und selbst die Uniform, die ja Alle gleich machen soll, konnte ihm nichts von seiner scharf ausgeprägten Individualität rauben. Wenn er in Reih und Glied stand, machte er gerade keine schlechte Figur, und nur der stets ein wenig vorgebeugte Kopf beeinträchtigte seine militärische Haltung. Daß David Lämml trotz hundertfacher Ermahnungen den Kops vorneigte, hatte seinen Grund in dem Berufe, dem der Wackere vor seiner militärischen Laufbahn angehörte. Er war uämlich „Bester"! Was dieser seltsame Name bedeutet? Er ist die Verballhornung des Wortes „Behelfer", mit welchem in den I) Nach dem „P. Ll." Hierbei wollen wir bemerken, daß Major Himmel in seinem vielgerühm'en Ethnographischen Bericht über Galizien gelegentlich notirt, daß in seinem Regiment die Zahl der jüdischen Soldaten die Normalzahl nach der Bevölkerungsziffer in Galizien erreicht, nämlich 11 pCt. So erweisen sich auch hier die Antisemiten als Lügner, da sie immer behaupten, die Juden entzögen sich dem Militärdienste! Red. d. Allg. Ztg. d. I. jüdischen Schulen Galiziens der Hilfslehrer, Korrepetitor bezeichnet wird. Als solcher hatte David Lämml der hoffnungsvollen Jugend die Worte der heiligen Schrift und der Gemarah in dem traditionellen Jahrhunderte alten Singsang vorzutragen, wobei der Kopf sich im Takte bewegte und die aufrechte Haltung verlernte. Ein Blick in das scharfgeschuittene Gesicht David Lämmls, in welchem die Brauen buschig zusammenliefen, hätte gar leicht zu der Ansicht verleitet, man habe einen harten, unbeugsamen Gesellen vor sich, doch entsprach Lämmls Wesen seinem Namen weit mehr als seinem Aeußeren. Ein seltsamer Anlaß war's, bei welchem er dem Major zuerst auffiel. Die Kompagnie hatte den Tag über schwere Exerzitien geinacht und sich dabei so wacker gehalten, daß der Major, der erst wenige Tage vorher aus weiter Ferne in die Garnison eingerückt war, sich bewogen fühlte, die Burschen mit Bier und „Würstela" zu regaliren. Versteht sich, daß Alles mit köstlichem Behagen zugriff und dem seltenen Leckerbissen wacker zusprach. Mit inniger Befriedigung sah dies der Major, der um die im Kasernenhof aufgestellten Tische die Runde machte und die Mannschaft anfeuerte. Nur Einer saß da, mit glühendem Gesichte und verlegen zu Boden gesenkten Blicken, nur Einer, der die vor ihm stehenden appetitlichen Würste unberührt gelassen hatte, und dieser Eine war — David Lämml. Betreten schaute ihn der Major an und rief ihm zu, sich zu erheben. Nachdem er nach den Namen befragt und seinem Mann tief in seine scheuen Augen geblickt hatte, wollte er tvissen, weshalb er das ihm von seinem Vorgesetzten angebotene Mahl verschmähe? Voll Spannung und nicht ohne hämische Schadenfreude blickte die Tischgesellschaft auf den armen David Lämml, der zitternd und voll Angst dastand. Je lauter aber das Kichern rings um ihn her wurde, desto mehr Fassung gewann er, und sein Auge erhebend und dem Major frei ins Antlitz blickend, erwiderte er: „Herr Major, ich bin israelitischer Religionslehrer und darf von diesen Würsten nicht essen!" Alles war gespannt, wie der Major die Antwort aufnehmen werde, als sich an dem anderen Ende des Tisches ein schlanker Bursche erhob und, zu Lämml gewendet, rief: „Wenn ich, der Sohn des Schlächers von Sadagora, essen kann, so darfst Du's gewiß auch thun. David Lämml maß den vorlauten Burschen mit verachtendem Blick vom Scheitel bis zur Zehe und sagte zum Major: „Verzeihen Herr Major, ich weiß die Ehre zu schätzen, die Sie mir erweisen, doch Gottes Gebot muß für einen Belfer noch höher stehen, als der Befehl des Commandanten.

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