Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1889)
- Date
- 1889-04-25
- Page
- Seite 265 (sequence 13)
- Language
- German
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265 Ruthenen, 200 Rumänen und 100 Juden im Alter von 21 bis 24 Jahren. Er hatte hierbei besonders auf reinrassige Individuen zu sehen, selbst bei der Auswahl von Juden, da aus den benachbarten polnischen und rumänischen Gebieten stets ein wechselndes Zu- und Abströmen von jeher stattfindet. Die Volkszählung von 1885 beziffert die jüdische Bevölkerung der Bukowina mit 67,418 Seelen, während die erste im Jahre 1786 bloß die Anwesenheit von 808 jüdischen Familien, also etwa 2000 Individuen ergab. Die Gesammtbevölkerung beträgt 571,670 Seelen. Major Himmel hat seine Beobachtungen der anthropologischen Gesellschaft in zwei reich ausgestatteten Folianten übermittelt. Hierüber hat I)r. Weisbach der Gesellschaft einen Bericht erstattet, und aus diesem entnehmen wir folgende Mittheilungen. Er präcisirt zuerst die Angaben Himmel's über die Juden: Schon bei der oberflächlichsten Betrachtung der jüdischen Bevölkerung der Bukowina hat sich dem Major Himmel die auch durch dessen Reisen in Egypten, Kleinasien, Arabien und Indien bestätigte Wahrnehmung aufgedrängt, die Dr. Weisbach in dem berühmten Werke: „Körpermessungen ver^ schiedener Menschenrassen" in folgende Worte zusammenfaßt: „Es ist zweifellos, daß sich unter den Juden zwei Typen vorfinden, der eine mit dolichokephalem Schädel, schmalem, langem Gesichte, eben solcher, im Ganzen großer Nase und dünnen Lippen, der andere mit brachykephalem Schädel, breitem Gesichte, niedriger, breiter, kleiner Nase und dicken Lippen." Ebenso betont Major Himmel die Thatsache, daß die Juden, welche auf offenem Lande — besonders im Gebirge — wohnen und sich — wenn auch nicht in regelmäßiger Weise — am Landbaue betheiligen, dann Jene, welche Fuhrwerkerei treiben, starkknochiger, muskulöser und kräftiger sind, als die Bewohner des Flachlandes und die Angehörigen eng bei einander wohnender Judengemeinden. Selbst physiognomisch nähert sich der Jude erstgenannter Categorie dem Typus des Volkes, in dessen Mitte er wohnt. Anders die Angehörigen der letzteren Categorie und unter dieser wieder besonders Jene, die ohne besondere körperliche Thätigkeit in verwahrlosten Räumen, in engen, dumpfen Läden und Schulen hocken oder handelnd in den städtischen Straßen herumziehen. Der Nothstand, der derzeit unter den Juden der Bukowina herrscht und seit Schaffung der Wucher- und Trunkenheitsgesetze, dann in Folge der Grenzsperre gegen Rumänien und wegen des erschwerten Verkehrs mit Rußland, aber auch durch das fortwährende Zuströmen russischer und rumänischer Juden noch ilnmer steigt, übt zweifellos auch einen großen Einfluß auf die körperliche Entwickelung des jüdischen Nachwuchses, doch zeigt sich die Elasticität der Race wieder darin, daß Jünglinge, die bis zu ihrer Assentirung in kümmerlich« sten Verhältnissen gelebt, nach dem Eintritte in den Aetivdienst des Heeres unter dem Einflüsse günstiger Existenzbedingungen sich rasch erholen und sodann kräftig formiren. Die vielfach behauptete Verkümmerung der Bukowinaer Judenschaft, die ja mit jener Galiziens, Russisch-Polens und Rumäniens so nahe verwandt ist, will Major Himmel schon darum nicht zugeben, weil die Juden der Bukowina in einem, der Bevölkerungsziffer völlig entsprechendem Maße, d. i. mit 11,7 Procent im heimathlichen Jnfanterie-Regimente Nr. 41 vertreten sind. Allerdings aber macht Major Himmel darauf aufmerksam, daß die an Individuen des Soldatenstandes vorgenommenen Messungen und Untersuchungen immerhin relativ günstigere Resultate ergeben, weil ja das Soldatenmaterial die Elite der männlichen Jugend darstellt, deren Einrangirung in das Heer von dem Vorhandensein bestimmter Minimalmaße abhängig ist. Die vom Major Himmel an 100 Juden der Bukowina vorgenommenen Untersuchungen und Messungen lassen sich zu folgender Charakteristik resumiren: „Die Juden der Bukowina besitzen im jugendlichen Mannesalter einen lebhaften Puls, eine geringe Körpergröße mit ebenfalls geringem Körpergewichte, weit überwiegend dunkles Haupthaar unter Vorherrschen dunklerer Schattirungen; meistens graue und braune Augen — im Allgemeinen jedoch mehr lichte als dunkle — und vorherrschend weiße, nur selten gelbliche bis bräunliche Haut. Unter ihnen zeichnet sich der Mischtypns mit dunklen Haaren und lichten Augen vor allen übrigen durch größere Statur aus, wogegen der lichte Typus — mit lichten Haaren und lichten Augen — neben dem Mischtypus mit lichten Haaren und dunklen Augen den niedrigsten Wuchs besitzt; der reine dunkle Typus hält zwischen beiden die Mitte. Ihr mächtig umfangreicher Kopf hat bei mäßiger Länge und ansehnlicher Breite den Iudex von 843 (und zwar bei 36 pCt. über 850, bei 23 pCt. zwischen 849 und 830, bei 41 pCt. 829 und weniger), muß also den brachykephalen Formen beigezählt werden. Er ist an der Basis schmal, hat ein besonders im oberen Theile langes, im unteren niedriges, zwischen den Jochbeinen schmales Gesicht mit hoher Stirne, welches nach oben hin nur sehr wenig, nach unten aber stark verschmälert ist. Die lange Nase ist sehr hoch, der Mund ziemlich breit und das Ohr von beträchtlicher Länge. Der Hals ist ziemlich dünn, der Brusteingang stärker geneigt, der ziemlich tiefe, mäßig enge Thorax zwischen den Schultern sehr schmal, vorn stark, seitlich sehr flach gewölbt; der kurze Rumpf ist an der Taille von geringem Umfange, nach abwärts wenig verjüngt; das mäßig umfangreiche, niedrige, wenig geneigte Becken hat bei sehr geringer Breite weit