Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1889)
- Date
- 1889-04-25
- Page
- Seite 263 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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263 Ungarns in Petersburg folgendes Telegramm: „Dem Polizeimeister ist vom Minister des Innern der Befehl ertheilt worden, Herrn von Svnnenthal den weiteren Aufenthalt in Riga zu gestatten." Damit war die Affaire zu Ende und Sonnenthal spielte dann in Riga ruhig weiter. Serbien. Belgrad, 7. April. (Privatmitth.) Herr H. S. Davitcho, der jüngst zum Legationssekretär in Rom befördert wurde, ist in Folge neuer Verfügung der hiesigen Regierung, die den Sekretärsposten in der römischen Gesandtschaft unbesetzt läßt, zum Consul 1. Classe in Budapest ernannt worden. Türkei. Konstantinopel, 10. April. Der Sultan ließ anläßlich der Vermählung seiner Töchter den Großrabbiner mit den übrigen geistlichen Oberhäuptern der nichtmohamedanischen Religionsgenossenschasten zu sich in den Palast entbieten und versicherte sie, wie die „Pol. Corr." meldet, daß es sein Wille sei, daß alle seine Unterthanen ohne Unterschied des Glaubens und der Stammesangehörigkeit sich glücklich fühlen. Bagdad, im März. Unsere hiesigen Glaubensgenossen befinden sich, nach einem Berichte an das Central-Comitö der Alliance, in einer eigenthümlichen Lage. Die hiesigen Juden übten zu aller Zeit die Handwerke in ausgedehntem Maße aus. Mehrere Gewerke werden zu Bagdad allein von Juden betrieben, andere sind unterschiedslos von Israeliten und Muselmännern, die Schuster, Tischler, Buchbinder, Klempner, Maler betrieben. Diese letzteren sind aber bereits außerordentlich übersetzt, so daß viele einen Theil des Jahres feiern müssen. Es giebt hier z. B. Drechsler, welche wegen ihrer Kunstfertigkeit in Europa ein reichliches Brod finden ivürden, hier aber fast Hungers sterben. Die Bewohner von Bagdad haben geringe Bedürfnisse, kennen den Luxus nicht, und was sie z. B. an Möbeln nicht besitzen, entbehren sie aufs Leichteste. Man lebt hier fast von Nichts. Die jüdischen Handwerker sind deshalb dem größten Mangel ausgesetzt. Das einzige Hilfsmittel wäre die Auswanderung der jungen Leute; sie findet statt nach Indien und dem indischen China, aber viel zu langsam, so daß sie sich in der Gemeinde noch gar nicht fühlbar macht. Es befinden sich Schüler der Allianceschule in Hongkong, Shangai, Bombay, Calcutta, aber in viel zu geringer Anzahl. Amerika. San Francisco, 15. März. (Privatmitth.) Im folgenden Berichte stellt sich ein Bild von unseren Glaubensgenossen im fernsten Westen dar. „The Daily Examiner,“ eine politische Zeitung, schreibt: „Vielleicht noch niemals in der Geschichte unserer Stadt oder unseres Staates ist ein Israelit aus dem Leben geschieden, welcher so allgemein gekannt, so aufrichtig geachtet, geliebt und von seinen Glaubensgenossen verehrt wurde, als der verstorbene Dr. Elk an Cohn, der 29 Jahre lang Oberrabbiner des Tempels Emanu-El war. Gestern Morgen um 8 Uhr sammelte sich die Menge vor der Synagoge, und um 9 Uhr waren alle Gallerien und ein erheblicher Theil der übrigen Sitze gefüllt. Um 9 Uhr 30 wurden die Hauptthüren geöffnet und ein ununterbrochener Strom von Menschen drang in das Haus, bis der ganze weite Raum von einer Versammlung aller hervorragenden Israeliten unserer Stadt erfüllt war. Die Thüren, Gallerien, der Altar, der heilige Schrein, die Kanzel, die hohe Orgel und die Candelaber waren mit schweren schwarzen, weiß umrandeten Stoffen umhüllt. Ein großes Portrait des verstorbenen Rabbiners, umrahmt von einem breiten Rande der herrlichsten weißen Rosen, Camelien, Heliotropen und einem engeren von Veilchen schmückte oie Kanzel. Des Rabbiners Sitz war in gleicher Weise drapirt. Das Ganze bot ein feierliches und außerordentliches Bild. — Fünfzehn Minuten vor 9 Uhr versammelten sich die freiwilligen Leichenträger und Beamten beim Tempel und fuhren nach dem Trauerhause, wo ein kurzer, eindrucksvoller Gottesdienst stattfand, geleitet von den Herren Dr. Stebbins, einem unitarischen (!) Geistlichen, und Herrn Dr. Vorsänger. Dann wurden die sterblichen Reste nach dem Tempel überführt, begleitet von den Leidtragenden, den Leichenträgern und Beamten. Der Zug ging feierlich durch das Mittelschiff, die Versammlung erhob sich und blieb stehen, bis der Sarg vor dem Altar niedergesetzt war, während die Orgel ein trauriges, sanftes Präludium spielte. Die ersten Bänke wurden von den Leidtragenden, den Tempelbeamten von Emanu-El, den Beamten der Sherith Israel-, der Beth Israel-, der Ohawe Scholem-, der hebräischen Haupt-Gemeinde von Oakland und dem hebräischen Jünglingsverein eingenommen. Die Herren Rabbinen hatten Plätze vor dem Altar. Der Chor sang: „Es ist bestimmt in Gottes Rath." Dr. Stebbins hielt über den Character und die Thaten des verstorbenen Rabbiners eine zündende Rede, Madame Julie Rosenwald sang eine alte, herrliche hebräische Hymne. Dr. Messing recitirte den 91ten Psalm in hebräischer und englischer Sprache. Der Chor sang darauf die Lieblingshymne des Verstorbenen aus der Todtenfeier des Versöhnungstages. Dr. Falk Vidaver hielt das Gebet, wobei die Gemeinde aufstand. Rev. Dr. Jacob Vorsänger hielt die Leichenrede über 2 König, Cap. 3, 11 und 12 in schwungvoller, ergreifender Weise. Darauf sang der Chor dm Psalm: „In tiefer Roth!schrei ich zu dir," eine von Mendelssohns besten Compo- 17*