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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-04-25 · Heft 17 (25.4.1889) · p. Seite 257

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 17 (25.4.1889)
Date
1889-04-25
Page
Seite 257 (sequence 5)
Language
German
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257 religion in eine Weltreligion umzuwandeln. Die talmudisch-s rabbinischen Gesetzbücher müssen ins Archiv für die blos^ wissenschaftliche Forschung gelegt, und aus den biblischen die echt humanen religiös ethischen Principicn und Lehren, von denen sie durchdrungen sind, wieder hervorgeholt und dem Judenthum als Charaktermerkmal eingeprägt werden, wie die alten Propheten es erstrebt haben." Dies ist nicht neu; schon in den vierziger Jahren trat eine Partei mit dem Rufe auf, alles „Gesetzliche" abzustreifen und zu dem Prophetismus allein zurückzukehren. Nun, so erhaben auch die Lehren der Propheten sind, so müssen auch diese erst aus dem Gesammtumfang der prophetischen Reden herausgezogen werden, und es ergiebt sich dann, daß sie den Lehrinhalt des Judenthums nicht ausfiillen und sich auf einer gemeinsamen Grundlage aufbauen, die nur in der Thora gefunden werden kann. Andererseits kann, so weit wir die jetzige und die zukünftige Menschheit in ihrer Wirklichkeit zu benrtheilen vermögen, keine Religion bestehen und in der Masse Halt und Dauer besitzen, die sich mit einigen Principicn, deren Formulirung doch wieder schwankend wäre, begnügen, den historischen Boden völlig von sich stoßen und alle Formen und Institutionen ausschließen wollte. Die Geschichte lehrt übrigens, daß jede Religion, die sich als Weltreligion etabliren wollte, einen großen Kreis von Völkern sich nur dadurch aneignen konnte, daß sie in die Ideenwelt und die Sitten dieser Völker einging, sich damit amalgamirte und hierdurch etwas ganz Anderes wurde, als sie ursprünglich war. So erging es dem Christenthume, dem Islam und dem Buddhismus. Um eine Weltreligion zu schaffen, genügt es nicht, daß sich eine bestehende Religion zu einer bloßen Priucipienreihe sublimire, welche allenfalls einer allgemeinen menschlichen Ueberzeugung entspräche, sondern es kommt vielmehr ans die Entwickelung der Menschheit selbst an, um für eine solche Religion reif zu sein — und eine solche Entwickelung ist noch nicht abznsehen. Es scheint uns daher thöricht zu sein, dem Judenthume eine solche Bedingung zu stellen, welche viel eher die Auflösung als seine Erweiterung zur Weltreligion bewirken würde. Sb-eU'i-nicjmlacij'tictjl'c H, Deutschland. Bonn, 11. April. (Privatrnitth.) Der uns vorliegende „Jahresbericht des Königs. Gymnasiums zu Bonn für das Schuljahr 1888—89" erweist die völlige Gleichstellung, welche der jüdische Religionsunterricht an dieser Lehranstalt erlangt hat, was insonders den Bemühungen des Herrn Rabbiners vr. F. Cohn zu danken ist. Der jüdische Religionsunterricht ist obligatorisch und wird unter den Lehrfächern schulplanmäßig aufgeführt, sowie Dr. Cohn dem Lehrkörper angehört. Im verflossenen Jahre ertheilte er den Unterricht in drei Abtheilungen und nach folgendem Lehrplan: Sexta und Quinta: 2 Std. Von der Weltschöpfnng bis Josua. Die Zeit der Richter und des Königthums bis zur Theilung des Reiches. Quarta und Tertia: 2 Std. Die Propheten; auserlesene Stellen wurden in deutscher Übersetzung gelesen. — Pflichten gegen Gott. Vom Eide. Von der Sünde und der Buße. Vom Gottesdienste. Secunda und Prima: 1 St. Die Heiligung des Menschen in seinem Verhältnisse zu sich selbst. — Judäa unter den Herodäern und als römische Provinz. Bonn, 12. April. (Privatrnitth.) Das „Statistische Jahrbuch" des Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bundes für 1889 enthält in einem Anhänge Rescripte verschiedener Regierungsbehörden aus dem verflossenen Jahre, u. A. zwei Ministerialerlasse, die allgemeines Interesse besitzen und in dieser Zeitung noch nicht veröffentlicht wurden. lieber das rituelle Schächten. (Bekanntmachung der Kgl. Ministerien der geistlichen rc. Angelegenheiten und des Innern.) Zur Vermeidung unnöthiger Thierquälereien bei der jüdischen Methode des Viehschlachtens (Schächtens) werden die Polizeibehörden angewiesen, ans die Beachtung folgender Maßregeln hinzuwirken: 1. Das Niederlegen der größeren Thiere soll hauptsächlich durch Winden oder ähnliche Vorrichtungen bewerkstelligt werden. Diese Winden, sowie die dabei gebrauchten Seite re. sollen haltbar sein und stets geschmeidig gehalten werden, so i daß die Ausführung ohne Verzug erfolgen kann. 2. Während des Niederlegens soll der Kopf des Thieres -gehörig unterstützt und geführt werden, damit ein Aufschlai gen desselben auf den Fußboden oder ein Bruch der Hörner vermieden wird.! 3. Bei dem Niederlegen des Thieres soll der Schächter bereits zugegen sein, um unmittelbar darauf die Schächtung! vorzunehmen. j Letztere soll sicher und schnell ausgeführt werden.

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