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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-04-18 · Heft 16 (18.4.1889) · p. Seite 245

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 16 (18.4.1889)
Date
1889-04-18
Page
Seite 245 (sequence 9)
Language
German
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denn bei Errichtung der Bibliothek wurde von vornherein die Erweiterung derselben zu einer Gemeindebibliothek ins Auge gefaßt und im Laufe der Jahre ihrer Durchführung näher gebracht, um inmitten der Gemeinde eine Sammelstätte für die Schätze des jüdischen Schriftihums und alle die Geschichte und Literatur des Judenthums betreffenden Schriften zu schaffen. Eine Besprechung der Nothwendigkeit und Bedeutung dieses letzteren Zweckes gehört nicht in den Rahmen unserer Arbeit, dürfte aber auch an und für sich kaum erforderlich sein in einer Zeit, in welcher, wie in der Gegenwart, hebräische Werke und Bücher jüdisch-religiösen Inhalts immer mehr aus den jüdischen Häusern schwinden, eine hebräische Privatbibliothek selbst in größeren Gemeinden zu den Seltenheiten gehört; vielmehr möchten wir hier nur durch den Hinweis auf das, was in ersterer Beziehung, durch Schaffung einer Schülerbibliothek, geleistet und erreicht worden, die jüdischen Gemeinden und Gemeindeschulen zur Nachahmung anregen und anleiten; andererseits aber, gegenüber den auseinandergehenden Ansichten über die eigentliche Aufgabe solcher Bibliotheken, auf einen wesentlichen Gesichtspunkt Hinweisen, der noch von keiner Seite in Betracht gezogen zu sein scheint. Selbstverständlich hat die jüdische Schulbibliothek vor allem die Bestimmung, den Schülern, namentlich den reiferen, diejenigen Schriften jüdisch-religiösen Inhalts zugänglich zu machen, welche theils in belletristischem, theils in wissenschaftlichem Gewände den geistigen Gehalt des Judenthums in einer diesem Lebensalter entsprechenden Form darstellen, ebenso, namentlich den jüngeren gegenüber, die Lehren und Ermahnungen zu Religion und Sittlichkeit in dem Kindergemüthe zusagende, dem Kindesverstande angemessene ansprechende und unterhaltende Erzählungen zu hüllen; ebenso selbstverständlich ist es, daß sie sich hierbei weder auf die untersten noch auf die obersten Klassen beschränken darf, vielmehr alle Altersstufen gleichmäßig und mit gleicher Sorgfalt ins Auge fassen muß Es wird Sache der Schule sein, gemäß dem „Unterweise den Knaben nach seiner dermaligen Fähigkeit" (Spr. 22, 6) für die einzelnen Klassen die geeignete Auswahl zu treffen. Auch giebt es glücklicherweise zur Zeit doch immerhin eine ganz erhebliche Anzahl diesem Zwecke entsprechender Schriften, unterliegt es keinem Zweifel, daß durch vermehrte Nachfrage sich geeignete Schriftsteller veranlaßt sehen werden, durch Abfassung solcher Jugmdschriften sür jüdische Schüler diesem Mangel auf dem Felde der jüdischen Literatur immermehr abzuhelfen. Aber die jüdische Schulbibliothek muß sich noch eine andere Aufgabe stellen, die die bisher dargelegte vielleicht an Wichtigkeit noch übertrifft. Sie hat, um ein altes Bild zu gebrauchen, die Aufgabe, den Garten Eden „zu bebauen und zu hüten" (Genesis 2, 15), das will sagen, soll nicht nur die Saat des Religiösen in das Kindesgemüth streuen, sondern auch schädliche Einflüsse von demselben fernhalten. Der Beobachtung, daß die in das Gewand ansprechender und unterhaltender Erzählungen gehüllten Lehren und Ermahnungen dem Kindergemüthe zumeist Zusagen, sich ihm um so tiefer und bleibender einprägen, als sie zugleich seine Phantasie beschäftigen, verdankt die Welt nicht nur die Ammenmährchen der Kinderstube, sondern auch die so umfangreiche Literatur der Jugendschriften, die die Namen eines Fr. Hoffmann, Horn, Nieritz, Ruhkopf u. A. m. in den weitesten Kreisen bekannt gemacht haben. Andererseits aber läßt sich nicht leugnen, daß ein großer Theil dieser Schriftsteller jene Beobachtung vorzugsweise im Interesse des zu stärkenden religiösen Gefühls oder, sagen wir es gerade heraus, zur Stärkung des christlich-religiösen Gefühles verwerten, ihre desfallsigen Schriften den ausgeprägtesten Confessionalismus aufzeigen und jede dem Kinde vorzuführende und einzuprägende gute Handlung oder menschliche Tugend als naturgemäße, selbstverständliche Folge des christlichen Bekenntnisses, von diesem untrennbar, nur mit diesem vereinbar, darstellen. Unsere Leser werden uns gewiß der Mühe überheben, an dieser Stelle den Nachweis zu führen, wie wenig eine solche ausschließliche Beschlagnahme aller menschlichen Tugenden für eine einzige Religion vor dem Tribunal der Geschichte wie den Erfahrungen des alltäglichen Lebens gegenüber Stand hält. Wenn in unseren Tagen hervorragende Schulmänner in Wort und Schrift, selbst in rein wissenschaftlichen Schulbüchern, solche Sätze hinftellen und namentlich die Lehre des Judenthums der Lehre der allgemeinen Menschenliebe gegenüberstellen, man das Judenthum außerdem blinden, unversöhnlichen Hasses gegen alles Nichtjüdische beschuldigt, dann wollen wir mit dem Dichter nicht rechten, der auf die historische Treue und Wahrheit nicht vereidigt ist. Aber so nutzbringend und förderlich sich diese Lectüre für den genannten Zweck erweisen möge, was sollen, fragen wir, solche Bücher in den Händen eines jüdischen Kindes, zumal im zartesten Alter, das noch „nicht zu unterscheiden vermag zwischen Rechts und Links?" Sollte ein gewissenhafter Lehrer solche Bücher prüfungslos den ihn anvertrauten, einem anderen Bekenntnisse angehörenden Schülern oder richtiger diese Schüler solchen Büchern überantworten dürfen, sollte er, wenn er nicht geradezu Bekehrungsversuche anstrebt, es vertreten können, daß er auf diese Weise in dem ihm anvertrauten Kinde die Liebe und die Achtung vor der Religion, der es angehört, in der es erzogen werden und leben soll, in ihren Anfängen erstickt und untergräbt. Unsere Schule faßte von vornherein diesen ihr hinlänglich bekannten Uebelstand in das Auge und suchte ihn mit den ihr gegebenen Mitteln zu paralysiren und zwar durch Anlegung einer mit der möglichsten Sorgfalt aus den Werken der bekanntesten und beliebtesten Jugendschriftsteller ausgewählten Sammlung von Jugendschriften — nach obigen Ausführungen eine nicht leichte Arbeit — die bei strenger

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