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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-04-18 · Heft 16 (18.4.1889) · p. Seite 244

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 16 (18.4.1889)
Date
1889-04-18
Page
Seite 244 (sequence 8)
Language
German
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244 seine Absicht die deutsche Reichsregierung einer großen Schwäche geziehen. Das Reich Israel ist ohnehin in allen großen Hauptstädten als Bankiers, Kapitalisten rc. vertreten. Indessen der Vorredner kann sich auch in dieser Beziehung beruhigen. Beschwerden über das Judenthum können im Reichstage zur Sprache gebracht werden. Wenn auch nicht vorgesehen ist, daß der Reichstag an und für sich einen bestimmten Einfluß auf die Anlegung dieser Gelder hat, so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß er im Laufe der Jahre, wenn diese Kapitalien sich in hohem Maße ansammeln und in der That der Verdacht auftreten sollte, daß die Gelder nicht richtig angelegt sind, hier sein Wort in die Wagschale legen kann. Das wird durch ganz Deutschland ganz anders wirken, als wenn es in einem anderen Partikularstaate der Fall sein sollte. Es wird sich in dem Reichstag schon die Majorität finden, um diesem Mißbrauch entgegenzuarbeiten, und der Vorredner selbst wird doch nicht glauben, daß der Reichstag dem Einfluß des Hauses Israel verfallen wird." Man sieht, der Sozialdemokrat hat doch eine richtigere Ansicht von der wirklichen Lage der Dinge als der Conservative. Glogau, 5. April. (Privatmitth.) Der Borstand des „Vereins zur Förderung der jüdischen Literatur" hat an den D. I- G. B. zu Berlin den Antrag gerichtet, die Herstellung jüdischer Schulbibliotheken sich zur Aufgabe zu stellen, und ihm zu diesem Zwecke folgende Vorschläge unterbreitet: 1. Der D. I. G. B. zieht von sämmtlichen bestehenden jüdischen Literatur-, Mendelssohnu. d. m. Vereinen einen bestimmten Procentsatz ihrer Einnahmen ein. 2. Der D. I. G. B. zahlt selbst einen Beitrag und verwendet die Summe zu Honoraren für einschlägige Jugend-Literatur. 3. Aus größeren, für diesen Zweck etwa gespendeten Beträgen soll ein Fonds begründet werden, dessen Zinsen nur für den gleichen Zweck Verwendung finden sollen. 4. Der D. I. G. B. bildet, resp. ernennt eine Commission zur Bearbeitung und Ausführung dieser Angelegenheit. (Das klingt, wie wenn der D. I. G. B. über die Einnahmen der Vereine frei zu verfügen hätte!) Oppeln, 8. April. (Privatmitth.) Am vorigen Freitag ist endlich der leidige Prozeß gegen den Herrn Rabbiner Dr. A. Wiener wegen Majestätsbeleidigung in seiner Schrift „Saul und Jonathan" durch gänzliche Freisprechung beendet worden. Ein authentischer Bericht folgt anbei. (Dieser Bericht ist auf der Post verloren gegangen. Das Nähere deshalb in nächster Nummer.) Redaction. Königsberg in Pr., 2. April. (Privatmitth.) (Herr Rabb. Dr. Bamberger erfreut uns durch eine Zuschrift, aus der wir Folgendes miitheilen.) „Ich übersende Ihnen beigehend unter Streifband den diesjährigen Bericht über unsere Religionsschule. Ich glaube außer den beiden Breslauer Religionsschulen und der unsrigen giebt es in ganz Deutschland keine weitere, die einen Schulbericht und nur gar regelmäßig veröffentlicht. Einige, wie in Posen, Colberg, Magdeburg, Danzig haben einen Anlauf dazu genommen, sind aber über die ersten Berichte nicht hinausgekommen, wenigstens habe ich nie wieder einen solchen gesehen. Und doch würden, wie ich ja Ihnen, dem Veteranen der jüdischen Religionsschule, nicht zu sagen brauche, gerade solche Berichte für die Hebung des jüdischen Schulwesens von unberechenbarem Nutzen sein, eine Fülle von Belehrung bieten, indem jetzt jede Schule für sich arbeitet, nach eigenem Systeme, das Gute, das anderswo bewährt ist, entweder gar nicht kennt oder mühsam selbst experimentiren muß, um es herauszufinden. Solche Berichte könnten ja in Rücksicht auf den Kostenpunkt, der an manchen Orten Schwierigkeiten bereiten mag, möglichst kurz gefaßt sein. Und nun ein Anderes. Die Erörterungen in Ihrem geschätzten Blatte in betreff von jüdischen Schulbibliotheken haben die Ausführung eines in meinem vorjährigen Berichte angekündigten Planes beschleunigt, und so enthält derselbe den Catalog unserer Schulbibliothek nebst der Geschichte derselben. Ich sende Ihnen das erste, soeben fertiggestellte Exemplar, weil gerade Ihr Blatt dieser Frage so warmes Interesse zuwendet und sich um die Lösung derselben ein so hervorragendes Verdienst erworben hat. Selbstverständlich ist der Katalog hiermit nicht abgeschlossen, sind baldige Nachträge zu erwarten. Ebenso kann ich bei aller darauf verwendeten Sorgfalt nicht die Bürgschaft übernehmen, daß sich in Rubrik 3 nicht das eine oder andere nicht ganz geeignete Büchlein eingeschlichen hat, aber jeder Schuldirigent wird ja bei Anschaffung selbst lesen, und also gelang es durch Ausmerzung von 2-3 desfallsigen Ausdrücken, eine sonst ganz ausgezeichnete Jugendschrift der Bibliothek zu retten. Ich habe im Interesse der Sache von dem Kataloge nebst Vorwort einen besonderen Abzug veranstaltet und bin gern bereit auf Verlangen denselben gratis zu verabfolgen. “ Dem trefflichen Berichte des Dr. Bamberger über die Schulbibliothek seiner Religionsschule entnehmen wir folgende Stellen: Königsberg war die erste, und bis vor Kurzem die einzige Gemeinde, die auf diesem Gebiete thatsächlich vorangegangen ist, indem bereits im Jahre 1866, zugleich mit der Einrichtung der gegenwärtigen Religionsschule eine Schulbibliothek angelegt worden, die Dank der allzeit bereitwilligen Förderung durch die Gemeindevertretung, wie der freiwilligen Unterstützung durch Gemeindemitglieder, auch durch die seitens der Schulleitung ihr zugewendete Fürsorge, allmälig einen stattlichen Umfang gewonnen und — eine beträchtliche Anzahl von Schulbüchern für unbemittelte Zöglinge abgerechnet — in ihren beiden Abtheilungen zur Zeit mehr als 1600 Bände zählt. Ich sage in ihren beiden Abtheilungen,

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