Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1889)
- Date
- 1889-04-18
- Page
- Seite 242 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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242 „Oesterreich-Ungarns Trauer" ist der Titel einer dem Andenken des Kronprinzen Rudolf gewidmeten Schrift, welche Herrn D. H. Spitzer zum Verfasser hat. Herr Spitzer, ein für die Interessen des Judenthums warm fühlender Kaufmann, hat es verstanden, die Verse aus den Wochenabschnitten vor und nach der traurigen Katastrophe geschickt anzuwenden und passende Aussprüche deutscher Dichter mit einzuflechten. Die glänzende Ausstattung entspricht dem Inhalt und dem mit der Veröffentlichung der Schrift verbundenen Zwecke. Der Reinertrag der Trauerschrift ist nämlich dem Kronprinz Rudolf-Humanitäts-Verein gewidmet, dessen Ehrenmitglied der Verfasser ist. Von Herrn Julius I. Spitz erscheint seit dem 1. Jauuar d. I. unter dem Titel „Jüdische Bibliothek" eine Monatsschrift für Belehrung und Unterhaltung (Budapest, Commissions-Berlag der Schwarz'schen Buchhandlung), enthaltend Gedichte, Novellen, Nachrichten, Anekdoten. Der Redacteur erwartet „seitens der Freunde und Gönner jüdischer Kulturbestrebungen" die kräftigste Förderung seines Unternehmens; möge er seine Erwartungen erfüllt sehen. Dr. Kayserling. Deutschland. Berlin, 8. April. Unter der Ueberschrift: Confession jüdische Studirende. Diese Zahlen lassen erkennen, daß von der katholischen Jugend ein unverhältnißmäßig geringerer und Bildung in Preußen, giebt die „Stat. Corr." eine Zu-^ Bruchtheil der höheren Bildung zugeführt wird, während die sammensteüung des über die Confession der Schulbevölkerung' Evangelischen und in weit höherem Grade die Juden auf vorhandenen Zahlenmaterials: Wir übergehen die absoluten Zahlen, da dieselben ein klares Bild von der Betheiligung der Confessionen an den einzelnen Bildungsstadien nicht geben. Vergleicht man den prvcentualen Antheil der einzelnen Religionsgesellschaften an den oberen Stufen der Bildungspyramide unzweifelhaft vorherrschen. Dies zeigt sich noch deutlicher aus folgenden Zahlenreihen. Von 100 evangelischen Schülern gehören an: der Volksschule 91,63, der Mittelschule 4,87, den höheren Lehranstalten 3,25, der Universität 0,25, von 100 katholischen der gesammten Schulbevölkerung, mit dem Antheil derselben Schülern der Volsschule 97,21, der Mittelschule 1,18, den an der Gesammtbevölkerung so ergiebt sich, daß die ein-! höheren Lehranstalten 1,48, der Universität 0,13, Von 100 zelnen Confessionen in beider Hinsicht ziemlich gleiche Zahlen jüdischen Schülern der Volksschule 52,71, der Mittelschule haben. Die Bevölkerung des preußischen Staates enthält 24,40, den höheren Lehranstalten 21,20, der Universität 1,60. nämlich 64,24 pCt. Evangelische, 34,15 pCt. Katholiken, Die „Stat. Corr." beschäftigt sich weiter mit der Frage, ob 0,32 pCt. sonstige Christen und 1,29 pCt. Juden, die Schul- | das obige Ergebniß tatsächlich durch einen geringeren Bilbevölkerung 64,3 l pCt. Evangelische, 34,17 pCt. Katholiken,! dungstrieb der Katholiken, einen höheren bei den Evange- 0,21 pCt. sonstige Christen und 1,41 pCt. Juden. Es treten l lischen und einen noch höheren bei den Juden herbeigeführt also bei der Schulbevölkerung nur die „sonstigen Christen" j wird. „Bildung ist Macht; aber deren Erwerbung setzt gezurück, was sich unseres Erachtens dadurch erklärt, daß viele wisse Machtmittel voraus, nämlich, wie die Dinge nun ein- Erwachsene die Hauptreligionsgemeinschaften verlassen. Auch mal liegen, eine hinreichende Wohlhabenheit oder bequeme die öffentlichen und privaten Volksschulen zeigen noch eine Gelegenheit, um die Kosten der höheren Bildung zu beder allgemeinen Bevölkerung ziemlich entsprechende Zusammensetzung der Religionsgemeinschaften, wenn sich auch bereits ein Vorwiegen der Katholiken und ein Zurückbleiben der streiten". Bezüglich der Wohlhabenheit stehe nun jedenfalls die katholische Bevölkerung am ungünstigsten da, ebenso auch bezüglich der Gelegenheit zur Aneignung höherer Bildung, Evangelischen und Juden bemerkbar macht. Die Zahlenderdie man nur in größeren Städten erlangen kann, während hältniffe sind hier 63,35 bezw. 35,71, 0,20 und 0,74 PCt. In den Mittel- und höheren Mädchenschulen verschiebt sich das Verhältniß schon auffallend zu Ungunsten der Katholiken. Hier sind unter 100 Schülern 80,88 evangelische, 10,41 katholische, 0,42 sonstige christliche und 8,29 jüdische. Auf den höheren Lehranstalten sind 72,49 pCt. evangelische, 17,56 katholische, 0,25 sonstige christliche und 9,70 pCt. jüdische Schüler, auf den Universitätenendlich 69,04 PCt. evangelische, 20,12 katholische, 0,36 sonstige christliche und 9,58 pCt. von den Katholiken 69 pCt., von den Evangelischen 60 und von den Juden nur 18 pCt. auf dem Lande wohnten. Die „Stat. Corr." schließt ihren Aussatz mit folgenden Worten: „Der nsrvrrs reram und was damit zusammenhängt ist es also, nicht der mystische Bildungtrieb, was die geschilderten Verschiedenheiten der Religionsgemeinschaften begründet und in die Erscheinung setzt." Ohne Widerspruch wird dieser Schluß, der der Frage jede social-ethische Bedeutung abspricht, sicher nicht bleiben.