Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1889)
- Date
- 1889-04-11
- Page
- Seite 233 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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233 lichkeiten, mit welchen eine Amnestie verbunden war, seinem Volke eine Verfassung gegeben, die der der europäischen Staaten durchaus nicht nachsteht. Das Prineip der Gleichberechtigung ist anerkannt und verbürgt; die Freiheit des Glaubens, wie des Redens, des Schreibens, Preß- und Vereinsfreiheit innerhalb der Grenzen des Gesetzes ist als Volksrecht anerkannt. Die Details dieser Verfassung können wir an dieser Stelle übergehen; wir sprechen nur unsere Befriedigung darüber aus, daß so zum ersten Male im Oriente die Gleichberechtigung und Religionsfreiheit zum Durchbruch gekommen und sich also einen festen Punkt im fernen Osten und zwar ohne innere Kämpfe erworben hat. Ob von hier aus diese freiheitliche Bewegung weitere Eroberungen machen werde, ist allerdings sehr zweifelhaft. Jndeß ist wenigstens die Glaubensfreiheit in den indischen Besitzungen Großbritanniens längst heimisch. Bonn, 7. April. (Notizen.) Man berichtet aus Amsterdam: Prof. Asser, einer der ausgezeichnetsten Juristen der Niederlande, ist zum ersten Rath im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten und zum Jnspeetor der Rheinschifffahrt ernannt worden. Herr Joseph Heinrich Texeira de Mottos ist zum Baron ernannt worden, wie es im Deeret heißt „wegen der großen Dienste, die er zu Gunsten der Entwickelung des niederländischen Handels geleistet hat. — In Turin verstarb der Commodere Emanuel Ottolenghi im 58. Jahre, der als Rechtsanwalt eine große Clientele hatte, zugleich Mitglied des Vorstandes der jüdischen Gemeinde und der Hospitalverwaltung war. Der Justizminister Manzini verwandte ihn bei der Ausarbeitung eines neuen Handelsgesetzbuches, da er sich durch einen Commentar zu dem früheren Handelsrechte ausgezeichnet hatte. — Aus Wien wird geschrieben: Sigmund Scharf, der Erfinder und Erzeuger der berühmten „Scharfischen Diamanten," deren Erfindung vor neun Jahren großes Aufsehen erregte, ist am 25. März im 46. Lebensjahre gestorben. Der Verstorbene war ein treuer Anhänger des Judenthums. — Man schreibt aus Hamburg, 2. April: Die Einführung des Oberlehrers vr. Josef Goldschmidt aus Frankfurt a. M. in seine neue Stellung als Director der Talmud-Thoraschule, höhere Bürgerschule der israelitischen Gemeinde, fand heute Morgen in Gegenwart des Schulrathes Prof. Hoche und einer großen Anzahl geladener Festtheilnehmer in feierlicher Weise statt. Der Präses des Gemeinde-Vorstandes Herr Ph. Bauer hielt eine längere Rede, in welcher er der Thätigkeit des früheren Ephorus der Schule, des im März vorigen Jahres verstorbenen Oberrabbiners vr. Stern gedachte, unter welchem die Schülerzahl von ca. 200 auf 615 gestiegen sei, deren Unterricht in 12 Classen durch 18 Lehrer besorgt werde; dem neuen Director, der lange Zeit als Lehrer an der Schule gewirkt habe, bleibe ein weites Feld zum Bebauen, welches ihm und der Gemeinde hoffentlich reichen Segen bringen werde. Director Goldschmidt antwortete mit warmen Worten des Dankes und der Anerkennung für die treffliche Unterstützung, welche der Direction Seitens des ganzen -Collegiums der Schule zu Theil geworden sei. Aeuit Momente. In Ihrem jüngsten Briefe wünschen Sie eine Erklärung der psychologischen Erscheinung, daß wir aus unserem vergangenen Leben bisweilen Momente in lebhaftester Erinnerung behalten, welche an sich gar nicht wichtig und von keinen Folgen begleitet gewesen, während eine Menge Vorkommnisse von wirklicher Bedeutung in uns bald verdämmern oder ganz und gar verschwinden, so daß sie uns erst wieder zum Bewußtsein kommen, wenn wir von Anderen nachdrücklich daran erinnert werden. Die Sache verhält sich wirklich so, und wenn wir unser verflossenes Leben zusammenstellen, so finden wir oft in den wichtigsten Punkten recht fühlbare Lücken, die auszufüllen wir uns vergeblich anstrengen, während recht überflüssige Dinge unser Gedächtniß belasten. Sie t e t o n. erzählen mir als Beispiel, daß Sie als junger Mensch zum ersten Male an fremdem Tische speisten, und als der Hausherr Sie fragte, ob Ihnen noch etwas gefällig wäre, Sie antworteten: „Ich bin schon satt!", was jenen veranlaßte das Wörtchen schon recht nachdrücklich zu wiederholen. Sie wurden sich dadurch Ihres Fehlgriffes recht empfindlich bewußt und haben diese Zurechtweisung niemals vergessen, obschon es ganz ohne Folgen war und Sie viel Freundliches in diesem Hause erfuhren. Ebenso sind Ihnen einige Gelegenheiten unvergeßlich geblieben, wo Sie etwas Irriges behauptet hatten und corrigirt worden waren. Wie viele Jrrthümer sind Ihnen und jedem Anderen begegnet, aber nur jene wenigen haben Sie in der Erinnerung zurückbehalten und sind sie nicht los geworden. — Die Erklärung scheint mir nicht schwer zu finden, wenn man erwägt, wie in den seelischen