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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-04-11 · Heft 15 (11.4.1889) · p. Seite 229

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 15 (11.4.1889)
Date
1889-04-11
Page
Seite 229 (sequence 9)
Language
German
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229 der Zulässigkeit selbst derjenigen Acte, welche religiöse Handlungen überhaupt nur vorbereitend), sobald sie nicht am Tage vorher^) ausgeführt werden können? Nein, die Sabbathfeier schöpft ihre innersten Bezüge aus positiven, religiösen Leistungen, in deren vorderster Reihe naturgemäß der Gottesdienst, die culturelle Andacht steht, in dessen Begriff aber gleichzeitig Alles aufgeht, was die Seele in andächtige Stimmung versetzt, das Gemüch zu religiöser Betrachtung und den Geist zu gehobenem Denken bringt. Was diesen Zustand zu fördern und rein auszugestalten geeignet ist, was den Gottesdienst wirksamer zu machen und seine Sphäre durch religiöse Weihe zn erweitern vermag: das fällt unter den Gesichtspunkt der positiven Sabbath- und Festfeier und durchbricht den Bann des Ruhegebotes nach dem Grundsätze, daß „dieses Gebot im Tempeldienste keine Berücksichtigung finde"55). Man kann keinen höheren Gedanken mit dem Sabbath verbinden, keinen höheren Maßstab au ihn anlegen, als indem man ihn mit derjenigen Macht ausgerüstet denkt, welche dem äußeren Behelf der Ruhe entsagt und mit der Fülle ihres Wesens Alles, was sie berührt, 53) Im Gegensätze zu R.Akiba (Sabb. 133 a) gelangte die Meinung des R. Elieser, mit dem auch R. Simon übereinstimmt, zur Geltung, daß auch die vorbereitenden Handlungen zur Beschneidung om Sabbath! vorgenommen werden dürfen: mb.i n.x nn'tw» 7,^2 (Sabb. 131b); i vgl. Ascheri zu Sabb. 130 ff.; Peßach 69a und Erubin 102—3:! mbtt n.x pnn mso yen my'^.x 'i. Darauf hin gestattet R. Elieser (Peßach 65 a) vorbereitende Handlungen zum Passahopfer und ebenso auch den Schnitt des Omer am Sabbath anszuführen, worin ihm bereits R Jsmael voranging (das. 72 a und Megillah 21 a). Mit besonderer Ostentation wurde der Omerschnitt am Sabbath vollzogen in der Zeit, da die Pharisäer über die Sadduzäer die Herrschaft behaupteten. Menachoth 64 a, Mischnah: ]\x c^ei.x rnr c'cinMn ';se 2"? \xsieh nryn nvsp. Der Talmud saßt den Omerschnitt an sich als „religiöse Handlung" auf (mso); man wird jedoch als den eigentlichen Kern der religiösen Handlung die „Darbringung" des Omer (Menachoth 61 a, Mischnah) anzusehen haben und dem „Schnitt" nur den vorbereitenden Charakter beilegen müssen. 54) Sabbath 130 a, Mischnah: n:\x W'ya nn^y? ybdnb m.xSe bz mb.-r n.x nnn. in den Bereich des Heiligen und Weihevollen zieht. Die Ruhe, bisher unentbehrlich zur Ergänzung der Sabbathfeier, hat gewissermaßen ihren Zweck erfüllt und ist auf dem Wege der Entwickelung zu einem höheren Element geworden, wenn die Sabbathfeier hinlänglich mit positiven Kräften gesättigt ist und das ganze Leben, alles Denken und Streben sich in den reinen Dienst des Sabbaths gegeben und zu einem positiven Gottesdienste gestaltet hat, in welchem alles Gemeine und Weltliche abgestreift wird und jede Uebung nur im Glanze der höchsten Gottesidee erscheint. 55) anpEa mnB;\x. Selbst die am Sabbath gerissene Saite eines Instruments, das im Tempeldienst verwendet wurde, durfte aus diesem Grunde ausgebessert werden. (Erubin 102 b: .xe^: yrwp 2NPE2. Deutschland. Breslau, Ende März. Aus Breslau berichten schlesische Blätter: Am 22. März beging der frühere Viehhändler Hirsch Sonnenfeld, Matthiasstraße „Zur goldenen Sonne" wohnhaft, seinen hundertsten Geburtstag in voller Rüstigkeit. Bon Kaiser Wilhelm II. war als Geschenk eine prachtvolle Tasse mit dem Bildnisse Kaiser Wilhelm I. eingetroffen; dazu folgendes Begleitschreiben: „Berlin, den 21. März 1889. Se. Majestät der Kaiser und König haben Kenntniß davon erhalten, daß Euer Wohlgeboren morgen, am Geburtstag Allerhöchst Ihres Herrn Großvaters, des Kaisers und Königs Wilhelm I. Majestät, Ihr hundertstes Lebensjahr vollenden. Zu diesem für Sie und Ihre Familie so freudigen Ereignisse lassen Seine Majestät Ihnen die besten Glückwünsche aussprechen und haben Allerhöchstdieselben mich zu beauftragen geruht, Ihnen als ein Andenken an diesen Tag die beifolgende, mit dem Bildnisse der hochseligen Majestät geschmückte Tasse zu übersenden. Der Correspondenz-Secretär Geheime Regierungsrath Mießner." Königsberg i. Pr., 3. April. (Privatmitth.) Wenn wir dem uns vorliegenden „Verwaltungsbericht der Wohltätigen Gesellschaft in Königsberg i. Pr." für das Jahr 1888 einige Notizen entnehmen, so zieht uns in demselben eine Bemerkung an: auch im Jahre 1888 hat wiederum eine Versammlung der Vorstände sämmtlicher Wohlthätigkeitsinstitute der Gemeinde stattgefunden, zur Feststellung des Personalstandes der Armen, ihrer Familienverhältnisse, Bedürfnisse und Hilfsmittel. Nicht minder bewährt sich die Central-Armen-Commission, welche den dauernden Zusammenhang und das Zusammenwirken aller einzelnen Institute unterhält." Es ist dies eine Einrichtung, von welcher wir aus anderen Gemeinden noch nicht gehört haben und die doch außerordentlich wichtig ist. An allen Orten bestehen mehrere Wohlthätigkeitsvereine und Anstalten, oft viele neben einander, und jede derselben hält auf ihre Selbständigkeit, wozu sie auch ihre eigenen Zwecke und Fonds berechtigen. Wie viele Jnconvenienzen daraus entstehen, wie viel Geld mißbräuchlich dadurch vergeudet wird, daß sie einzeln und ohne Kenntniß von der Thätigkeit der Anderen operiren, ist offenbar. 15

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