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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-04-11 · Heft 15 (11.4.1889) · p. Seite 228

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 15 (11.4.1889)
Date
1889-04-11
Page
Seite 228 (sequence 8)
Language
German
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228 für den Sabbath in Anspruch nimmt. Welche Weite und Freiheit, „den Sabbath als einen Tag beseligender Freude, dem Ewigen geheiligt und geehrt 3«), zu feiern!" Und dennoch bedarf es heiliger, „der Andacht und Anbetung Gottes gewidmeter Versammlungen," jener frommen Bereinigung, „durch welche die Feier von Neumond und Sabbath begangen tt)irb!"39) Wie sehr machte ferner Hesekiel^) die Feier der Sabbalhe und Feste von der positiven Andacht und der großen gottesdienstlichen Versammlung an denselben abhängig! Und wie in der Prophetenzeit die Sabbathe und Feste durch Andachtsversammlungen ausgezeichnet waren, so Hallen in den folgenden Perioden") Synagogen und Lehrsäle von den Lehrvorträgen der Meister wieder, die an Sabbathen und Festen inmitten großer Versammlungen gehalten wurden, um das Volk über Gesetz und Recht zu belehren, zur Gottverehrung zu ermahnen, zu einem sittlich guten Lebenswandel anzuleiten, zur geistigen Erhebung und Reife zu führen^). Bis auf Moscheh wird die Institution zurückgeführt, an Sabbathen und Festen dem Volke das religiöse Gesetz zu erläutern, und nach dem Untergange des jüdischen Staates war diese so tief in das religiöse Leben des Volkes eingedrungen, daß an jedem Sabbath ein anderer Gelehrter44) zu dem Volke sprach und die Anschauung Platz griff, es seien diese religiösen Belehrungen die berufenen Momente^) der Weihe und Heiligung an den Sabbathen und Festen. Wir sind nicht in der Lage zu behaupten, daß diese Vorträge ein integrirender^) Theil des Gottesdienstes gewesen wären; noch viel weniger werden es diejenigen gewesen sein, welche 38) Jes. 58, 13. 39) Hesek. 66, 23. 40) Jes. Kap. 46. 41) Zunz, Gottesd. Vortr. Kap. 20. 42) Jo3. Antqq. XYI, 2, 4: zr]V re bßöofxfjv zojv yfieyyojv dvlefisv zy (iccd-fjöei zwv ijfiezbQOJv iS-wv zcä_ vo{Moy; fzeJjz/p' djOTiSQ a)Xov zivbg zal zovtojv d^idvrzeq elvai di <i)v ovy afxaQZ7/o6{i£vcc. — Philo: de vita Mosis 111, p. 685; de Septenario p. 1178; leg. ad Caj. p. 1035; Sotah 49a, Raschi. Bera choth 6b; Frankel, Septuaginta p. -53—54; Freudenthal, Des Flav. Joseph, beigelegte Schrift: Ueber die Herrschaft der Vernunft S. 6 ff. 43) Jerusch. Megillah IV, 1; Bezah 15; Philo de vita Mosis; Jalkut zu WajakHel. Der Gebrauch, an bestimmten Wochentagen Abschnitte aus den Büchern Moschehs vorzulesen, datirt nach der Tradition seit Esra. B. Kama 82 a. 44) Berachoth 28 a: n.ivi bv rc»; Chagigah 3 a. 45) Zunz, Gottesd. Vortr. S. 2 und 339; Grätz (in Frankel's Zeitschr. September-Heft 1869): Ueber die Entwickelung der Pentateuch-Pericopen Vorlesung S. 387—88. 46) Die Vorträge fanden theils zwischen Schacharith und Mussaf statt (Raschi zu Berachoth 28 b und Juchasin ed. Solkowo S. 60 b), theils sogar noch vor dem Schma-Gebet im Schacharith. (Raschi zu Berach. 3O a). Allein im ersten Falle wurden sie häufig im Lehrhause gehalten, während das Gebet in der Synagoge verrichtet wurde 2"N2^ im roni im andern Falle wurde der Vortrag selbst durch das Schma-Gebet unterbrochen p-nm;mp irp p? yuairai naS ff'N a'^snöi ansesr: aym ann. nach den überkommenen Berichten nach der Hauptmahlzeit") oder am Abend 48) stattfanden. Allein sie gingen aus keinem anderen Gedanken hervor, als daß sie dem Sabbath oder Festtage eine seinem Wesen entsprechende Weihe gäben, und bekundeten diesen Charakter einer positiven Heiligung um so mehr, als sie auch den Theil des Tages mit heiligen Betrachtungen und religiösen Vorstellungen ausfüllten, der von dem Gottesdienste nicht mehr in Anspruch genommen war. Bedarf es eines kräftigeren Beweises, daß die Beobachtung von Ruhe und Unthätigkeit allein das Wesen des Sabbaths und der Feste nicht erschöpft, und daß der besondere Gottesdienst, oder ein diesem verwandtes Element religiöser Erhebung hinzukommen muß, das sich wie eine wirkliche That von dem Hintergründe der matten Beschaulichkeit abhebt und der unbeseelten Sabbathruhe das volle, warme Leben einer ergreifenden und wirkungsreichen Heiligung einhaucht! Aber auch in Berücksichtigung dieses Gottesdienstes, dieser Cultusübung, durch welche sich die Heiligung der Sabbathe und Feste in vorderster Reihe ausdrückt, mußte daher der positiven Seite, der wirklichen Handlung, das größere Ansehen und Recht vor der bloßen, inhaltlosen Ruhe zukommen. Denn wie anders sind die gottesdienstlichen Verrichtungen an Sabbathen und Festen in der mosaischen und der Tempelzeit zu erklären, die mit Thätigkeiten verbunden waren, welche dem Ruhegebot vollständig widersprachen! Welche Berechtigung hätte die Darbringung des Opfers"), da das Schlachten bv) zu den verbotenen Maßnahmen gehört? Welche Wahrheit der Grundsatz, daß die Cultusübung^) das Ruhegebot aufhebe? Welche Berechtigung hätte die Statthaftigkeit der Beschneidung ^) am Sabbath und die Annahme von 47) Zunz, Gottesd. Vortr. S. 310, folgert, daß die Vorträge überall vor der Hauptmahlzeit stattfanden. Dem stehen jedoch Daten entgegen, welche auch von solchen nach derselben berichten; Talmud Gittin38b: .nshe '2 p'yai TMiys 'yapi, dazu Raschi: anpn^ ani n\ni i.x, und Beth Joseph zu Tur O. CH. Sabbath § 290: .Tin2 rrnyo ins tun nana amn nr.’n .ir*MB.i ‘raa; vgl. auch Rokeach in c'&m man 0.114b: ".1 mr;a ^atra t:,ii V«. Daß übrigens an Sabbathen und Festen auch wohl der ganze Tag mit Vorträgen ausgefüllt wurde, beweist Bezah 15 b und'Megillah 21 a, Raschi. 48) Bezah 21 a: man Tai 212.x .xa .sia*, dazu Raschi: pa iraiia bv T2-yrr. Hillel hört dem Vortrage der Synhedristen Schemajah und Abtalion aus dem Dache des Lehrhauses in der Nacht von Freitag zu Sabbath zu (Joma 35 b). R. Meier hält Vorträge am Freitag Abend (Rabbah Levitic. 9). 49) Numeri 28, 10; Peßichim 66 a: .122*2 .121p rem iiaa; daselbst: .i22'.i .i.x nnn 122; das. 65 b; Joma 50 a: .inn yiap i:etp 12 .i2*2M .i.x. Geiger (Sadduzäer und Pharisäer) hält dafür, daß die Lehre selbst von der Zuverlässigkeit des Wallfahrtsopfers, also nur eines Privatopfers (Peßachim 70 b) auf Hillel zurückzusühren sei. Abgesehen von den geschichtlichen Gründen, welche dies wahrscheinlich machen, würde dadurch eine gleichmäßige Auffassung in der Lehre von der Darbringung der Opfer überhaupt bei Hillel bestehen. 50) Mischnah Sabbath VII, 2. 51) naa.i .i.x .inn miay. 52) .122' nnn tan '121 neu ni'ö iax.

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